Wednesday, 1 December 2010

Einleitung

Vorab ein paar Worte an den werten Leser.

Ich schreibe hier meine gesammelten Erfahrungen aus meinem Japan-Urlaub vom 25.04. - 07.05.2010 nieder. Während meiner Zeit in diesem faszinierenden Land habe ich so etwas wie ein Tagebuch geschrieben, Fotos mit 2 Kameras gemacht und ein paar Videos aufgenommen. Das alles ist jetzt nach über 6 Monaten die Basis für dieses Blog. Wenn auch die Einträge in mein Tagebuch in den ersten Tagen nur kurz und knapp waren, so wurde mir damals doch schnell bewusst, dass ich alles aufschreiben muss, sonst wäre ich vermutlich geplatzt. Daher ist dieses ausführliche Blog irgendwie nur der logische nächste Schritt.

Tja und nun nehme ich diese Aufzeichnungen und erweitere sie um das an was ich mich noch so erinnern kann inklusive ausgewählte Fotos. Mal schauen was am Ende raus kommt :-)

私の躍起著
(わたしのざっきちょ)
Eins ist sicher; es war eine verrückte Achterbahnfahrt mit der ganzen Bandbreite an Emotionen. So heftig, dass ich bereits den nächsten Trip nach Japan plane ;-)

Kleine Notiz am Rande: Hier ein Bild meines Notizbuches in der ich japanische Vokabeln und mein Tagebuch geschrieben habe. Auf dem Einband sind Handschriften von Sigmund Freuds "Architektur der Hysterie". Wie passend das letztendlich war, wusste ich damals noch nicht.





Monday, 10 May 2010

14. Tag (Last thoughts)

Anmerkung vom 16.12.2010: Eigentlich gibt es von diesem Tag keine Aufzeichnungen, aber irgendwie fehlt mir der richtige Abschluß und es sind noch ein paar Dinge ungesagt.



Es ist der letzte Tag. Heute fliege ich heim. Ich stehe sehr früh auf und verlasse das Hostel. Es sind wenig Menschen unterwegs an diesem Morgen. In Ueno setze ich mich in den Bummelzug in Richtung Narita Airport. Da es in Japan mehrere Bahngesellschaften gibt, die sich teilweise sogar die Gleise teilen (oder vielleicht auch nicht, ich weiß nicht), bin ich mal wieder verwirrt ob ich tatsächlich im richtigen Zug sitze. Zum Glück habe ich extra viel Zeit eingeplant und komme letztendlich entspannt am Flughafen an. Dort wird schon fleißig wieder alles geputzt und gewienert bevor die Menschenmassen ihr Minimum an Dreck hinterlassen.

Ich fühle mich seltsam entspannt. Ich freue mich auf zuhause und bin auch ein wenig traurig. Keiner verabschiedet mich außer all diese Gesichert, an die ich mich in den 2 Wochen so gewöhnt habe. Bald werde ich wieder mit Menschen aller couleur und Lautstärke in der Bahn sitzen und nicht mit der zurückhaltenden und uniformen japanischen Bevölkerung verschmelzen. Mir fällt ein sehr typisches japanischen Sprichwort ein, von dem mir Andrew erzählt hat:

出る杭は打たれる
(Deru kui wa utareru)

The stake/nail that sticks out, gets hammered down.

Wer aus dem Rahmen fällt, wird also wieder an seinen Platz befördert, ob er will oder nicht. Dieses Hämmern kann von vielen Menschen erfolgen, aber maßgeblich ist es wohl einfach die japanische Gesellschaft, die einen durch ihre Regeln und Traditionen nicht zu weit rausschwimmen lässt. Ich muss an Noe denken. Sie ist ein Nagel, der herausstechen will, aber auch sie muss sich oft den gesellschaftlichen Restriktionen beugen. Aber sie wird ihr Ding schon noch machen, da bin ich mir sicher.

Ich kann mich nicht großartig an den Flug erinnern, nur dass ich einen ziemlich interessanten Film mit dem coolen Komiker Ricky Gervais gesehen habe. Es ging um eine alternative Realität der Welt, in der die Menschen nie das Lügen entdeckt haben. Sie waren einfach nicht fähig dazu und dementsprechend hat sich die Gesellschaft entwickelt. Ein typischer Versager kann es aber auf einmal und krempelt damit nicht nur sein Leben, sondern auch die Gesellschaft um. Da ihm alle glauben, weil sie das Konzept, nicht mal das Wort der Lüge kannten, findet er sich am Ende als so etwas wie ein Heiland wieder, der die Konzepte von Gut und Böse und Himmel und Hölle sowie Gott (old man in the sky) gegen alle Widersprüche vor den Menschen verteidigt. Ein lustiger, aber auch sehr kritischer und zeitgemäßer Film über Religion und die Oberflächlichkeit der Welt. The Invention of Lying.

Es gibt viele Dinge, die noch bezüglich Japan in meinem Kopf schwirren und die ich noch nicht erwähnt habe oder einfach (nochmal) loswerden will. Hier ein Auszug davon:

  • In Tokyo steht man links auf der Rolltreppe und geht rechts. Außerhalb ist es wohl genau anders herum. Rechts ist es meist komplett frei gewesen, selbst zur Rush-Hour. Man stellt sich gerne an, auch wenn die Schlange dann den halben Bahnsteig lang geht.
  • In Bahnhöfen wird auf dem Boden, den Treppen und mit Schildern angezeigt wo man zu laufen hat. Wohl um den Ansturm der Menschen besser zu kanaliseren.
  • Auf dem Bahnsteig gibt es Wartelinien an denen man sich als Einsteiger anstellt. Die Aussteiger fächern sich dann auf und gehen links und rechts an den wartendenen Einsteigern vorbei. Bei uns ist es ja genau umgekehrt.
  • Auf den Bahnhöfen wird oft Vogelgezwitscher aus den Lautsprechern gespielt. Keine Ahnung warum. Vielleicht gegen die Vögel oder damit sich Kinder oder Sehbehinderte besser orientieren können.
  • Tokyo scheint mir fast durchgängig Blindengerecht ausgestattet zu sein, vor allem an den Bahnhöfen.
  • Ich habe fast keine schwangeren Frauen in den 2 Wochen gesehen. Vielleicht bleiben die eher zu Hause?
  • Die meiste Zeit musste ich Fahrrädern ausweichen, da ich die Markierungen für die Fahrradwege nicht gesehen habe und auch noch wie im Rechtsverkehr gedacht habe. Letztendlich wurde mir aber gesagt, dass sich eh keiner dran hält von den Fahrradfahrern.
  • Alte Frauen tragen oft überdimensionale Sonnenschutz-Caps und weiße Handschuhe.
  • Die Dichte der Getränkeautomaten ist großartig, man würde nie verdursten. Passend dazu gibt es auch überall saubere öffentliche Toiletten.
  • In Japan macht jeder Überstunden. Selbst wenn er nichts mehr zu tun und alle Arbeiten schon erledigt hat. Früher zu gehen heißt schlecht zu arbeiten, spät zu gehen bedeutet, dass man sich für den Job opfert und das wird auch stillschweigend verlangt.
  • Tankstellen sind ein lustiger Haufen von Servicemenschen, die jeden Autofahrer wie einen König begrüssen und auch wieder verabschieden. Es wird sogar der Verkehr geregelt wenn der Kunde wieder abfährt.
  • Es gibt scheinbar ne Menge Pachinko-Süchtige. Die warten schon am Laden bevor er aufmacht, um dann ganz früh ihrer Sucht zu fröhnen.
  • Ich kann das Alter von Japanern nicht einschätzen, weder Mann noch Frau. Ich sehe nur anhand der Kleidung in welchem Lebensabschnitt sie ungefähr sein könnten.
  • Taxis sind sehr teuer (hat man mir gesagt bzw. das habe ich gelesen). Die Türen für den Fahrgast können vom Fahrer automatisch geöffnet werden. Der Fahrer hat natürlich eine Uniform, weiße Handschuhe und die Polster sind mit weißen Spitzendeckchen belegt. Die Autos scheinen immer von der gleichen Type zu sein und wirken sehr alt.
  • Den Joe Hisaishi Soundtrack von Hana-bi (花火) zu hören während man durch Tokyo fährt, hat etwas bewegendes. Solch musikalische Anmut in all diesem Chaos. Ein inspirierender Gegensatz, der mir mehr als einmal Gänsehaut bereitet hat. Joe Hisaishi - Sea of Blue
  • Die Ärzte oder Beatsteaks zu hören hat einen anderen, nicht weniger interessanten Effekt.


Ich habe auf dem Flug nach New York einmal einen deutschen Haiku geschrieben.

Friedliche Stille.
Ein Meer der weichen Ruhe.
Über den Wolken.

Später wurde er mir von Mizuki ins Japanische transferiert und behielt weitesgehend seine Bedeutung. Ich habe ihn auswendig gelernt, um ihn Andrews Frau Chika-chan vorzutragen. Das war ihr Wunsch, aber leider habe ich sie nicht sehen können.

Als selbsterdachtes, fremd-weiterentwickeltes Gedicht, entstanden auf meinen beeindruckensten Reisen in die Welt, wird es nun für immer für meine Japan-Erfahrung stehen.

雲の上静寂の海永久つづく
(kumo no ue, seijaku no umi, towa tsuzuku)

Damit endet mein Japan-Blog von 2010. Es ist jedoch nichts abgeschlossen, es ist nur eine Etappe, ein Meilenstein erreicht. Von hier beginnt es erneut, um wieder erneut zu beginnen. In 2011 werde ich mich hoffentlich wieder in das Land der aufgehenden Sonne begeben.

また今度日本
Bis nächstes Mal, Japan.



Friday, 7 May 2010

13. Tag (Regen und letztes Iaido-Training)

Zuviel Alk gehabt gestern, fetter Hangover. Bin fix und fertig, aber das war's wert! Bis zum Training heute abend wird es schon wieder gehen hoffe ich. Ich freue mich sehr auf die Heimat.

Ich packe schon teilweise meine Sachen zusammen, da ich morgen in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen muss. Diesmal fahre ich aber nicht mit dem N'EX sondern mit einer anderen Bahngesellschaft direkt von Ueno aus. Dauert zwar länger, aber kostet auch deutlich weniger.

Diesmal verlaufe ich micht mehr in Shibuya und bin schneller in der Nähe des Dojos als ich dachte. Ich sehe ein Restaurant, dass mir gefällt und riskiere es einfach dort essen zu gehen, trotz meiner Sorgen wegen der Sprache. Es funktioniert aber ohne Probleme und ich kriege ein sehr leckeres Gericht mit superleckeren Soßen serviert. Gute Basis für das Training heute und mein eigener Mut macht mich stolz. Von diesem Erlebnis Tokyo lass ich mich nicht unterkriegen :)




Heute regnet es in Strömen und es ist trotzdem sehr heiß. Es entwickelt sich dadurch eine furchtbare Schwüle. Meine Klamotten kleben schon am Körper als ich am Dojo ankomme. Natürlich habe ich immer noch meinen lustigen, durchsichtigen Regenschirm und passe mich dadurch erneut der Bevölkerung an. Wenn ich nicht so groß wäre, könnte ich bestimmt in Tokyo untertauchen, haha.

In dem Shinto-Schrein gegenüber vom Dojo warte ich auf den Trainingsbeginn und schreibe ein wenig. Ich sehe viele Katzen, die wie ich vor dem Regen Schutz suchen. Es werden immer mehr! Die Atmosphäre durch den Regen ist sehr friedlich.




Das Training ist furchtbar schlecht. Es ist erdrückend heiß im Dojo und es herrscht keinerlei Luftzug der kühlen könnte. Der Schweiß fließt bei allen in Strömen. Einer der Iaidokas sagt alle 5 Minuten zu seinem Nachbarn wie heiß es ist (あつい!). Ich bin viel zu schnell total fertig mit der Welt. Meine Technik, meine ganze Konzentration ist vollkommen flöten gegangen. Dabei werde ich heute sogar verstärkt von Esaka-sensei trainiert. Dazu kommt noch ein anderer Japaner, der mich Anweisungen gibt, die ich zwar verstehe aber in seinen Augen wohl schlecht umsetzen kann. Er ist supernett und höflich aber auch sehr authoritär und er verliert wohl langsam die Geduld mit mir (das zeigt mir ein resigniertes Lächeln). Ich trainiere wie ein Anfänger, gebe aber nicht auf! Ich kann aber irgendwann nicht mehr. Daher gehe ich einfach kurz aus dem Dojo um einen Schluck zu trinken. Machen doch eh alle was sie wollen hier, das ist mir ja schon das letzte Mal aufgefallen. Ich fühle mich erwischt, als ein älterer Japaner mich fragt ob ich schon fertig bin (in gutem Englisch). Ich sage ihm, dass ich nur etwas trinken wollte weil es so heiß ist und ich beinahe umgefallen bin. Das war nicht gelogen, aber ich weiß genau, ich hätte das nicht machen sollen.

Am Ende des Trainings gebe ich Nashima-sensei mein Geschenk (Milka-Schokolade, eingepackt in Berliner Zeitungspapier) und er freut sich sichtlich darüber. Ich wünschte ich könnte besser mit ihm kommunizieren, aber ein Lächeln sagt doch mehr als 1000 Worte. Wir essen wieder alle in der Izakaya und nach ein paar kühlen Getränken geht es allen auch wieder besser. Vor allem Luke war ziemlich fertig, da er wie ein Tier trainiert hat bei der Hitze. Er hat schon eine merkwürdige Gestik und Mimik, als ob er dauerbekifft wär, dazu noch sein Kalifornischer Slang. Er ist schon ein richtiger Freak muss ich sagen. Vielleicht liegt's ja auch an seinem Lehrer aus San Fransisco? Von dem hab ich auch nich viel Gutes gehört.

Als ich mich von allen verabschiede, gibt mir Esaka-sensei Grüße an alle in Berlin mit. Seine Ratschläge an mich sind nicht besonders umfangreich. Ich habe eher das Gefühl, dass ich ihn heute beim Training nicht nur nicht beeindruckt, sondern eher enttäuscht habe. Er sagt ihr soll weiter fleißig trainieren und auf mich aufpassen. Er sagt relativ enthusiastisch: 元気! Luke übersetzt das mit "be healthy, be energetic" und mir gefällt das.

Radler oder Alster gibt es nicht in Japan, wohl aber in Singapur. Das erklärt mir Brian, der eigentlich von dort stammt und mittlerweile ein halbes Dutzend Sprachen spricht weil er so oft beruflich umzieht.

Laufe nachts noch ein letztes Mal durch mein geliebtes Asakusa. Ich hole die Porno-DVD nicht ab, fühle mich gar nicht danach. Ich sehe Unmengen von Müll in lauter Plastiksäcken vor den Restaurants und Geschäften. Japaner sind sehr sauber und es gibt nicht ohne Grund wenig öffentliche Mülleimer, aber trotzdem produzieren sie einfach krass viel Müll. Zum Glück wird wenigstens seit ein paar Jahren das Plastik getrennt.

Achja, mein Asakusa. Ich werde dich vermissen...

12. Tag (Tokyo Tower, Zojoji-Tempel und Rockza Stripclub)

Ich lasse es heute noch langsamer angehen als sonst. Ich setze mich in den Aufenthaltsraum und schreibe Postkarten an die Familie und Mizuki. Dann geh ich Geld bei der Post holen. Es klappt sogar mit der EC-Karte! Dann geh ich wieder nach Asakusa um Omiyage bzw. Furoshiki zu kaufen. Die Kollegen werden sich freuen. Trotz der hohen Kosten (Rabatt gibt es nicht) geht's mir richtig gut. Merke doch wieder wie sehr mir Japan gefällt, vielleicht aber auch nur Asakusa?

Versuche coole, nerdige Star Wars Shirts zu kaufen, die es grad in rauhen Mengen in Japan gibt (neben anderen Helden meiner Kindheit wie Indiana Jones z.B.). Leider sind sie in diesem Laden gerade aus. Zum ersten Mal ist auch kein Verkäufer weit und breit. Normalerweise werde ich beim Reinkommen bereits von mehreren begrüßt, was ich übrigens eine tolle Sache finde. Ich deute auch immer höflich eine Verbeugung an und grinse, ich glaube das kriegen die nich sooo oft zu sehen, erst recht nicht von nem Gaijin.

Häuserwand in Asakusa mit typischen Stoffmustern

Auf den Straßen von Asakusa sehe ich bestimmt zum 1000ten Mal die komisch angezogen Alte mit ihrer Tiara. Die trägt ein pinkes Kleid, die besagte Glitzer-Tiara und goldene Puschel. Ich glaube sie ist obdachlos. Sie scheint aber irgendwie zu Asakusa zu gehören. Ich esse Curry-Pan (カレーパン), also Curry-Brot, als kleinen Snack. Ziemlich lecker, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass da wirklich das schlechteste Fleisch verarbeitet wird (muss an Hufen und Schnauzen denken). Heute abend treffe ich wieder Andrew und ich freue mich bereits tierisch!

Ich laufe weiter durch Asakusa und sehe auf einmal ein mir bekanntes hübsches Gesicht. Unfassbar, Maria Ozawa tritt hier direkt in Asakusa in einem Club names Rockza auf?!?!!!! Ich mag es kaum glauben. Auf Facebook sehe ich, dass es sogar stimmt! Knaller, Zufälle gibt's. Da geh' ich hin!!

小澤マリア (links)
Ich finde das so lustig, dass ich das Bild gleich auf ihrer Facebook-Seite poste. Über ihr "like" freue ich mich ein Stalker Groupie Fan. Mizuki kommentiert es natürlich von Deutschland und klärt mich auf, dass das Rockza Japans bekanntester Stripclub ist. Tja, ich weiß halt was gut ist :)
Wobei ich mir ehrlich gesagt auch ein bisschen Sorgen mache was das letztendlich für ein Club ist. Auch wenn Maria Ozawa bildschön und mit guten Kurven ausgestattet ist, so habe ich doch genug japanische Pornographie gesehen um gut abgetörnt von so manchen Spielarten zu sein. Außerdem habe ich noch nen Bericht über japanische Stripclubs von vor Jahren im Hinterkopf. So mit Finger reinstecken vom Publikum, mit vorher desinfizieren natürlich. Jetzt erst wird mir klar, dass das ja hier in Asakusa sein muss! Boah nee, nicht noch mehr Freakshow. Aber die Neugier ist seeeeeehr groß. Sie muss sich gar nich mal unbedingt ausziehen sag ich mal, einfach mal quatschen wäre schon cool genug. Achja, habe ich überhaupt erwähnt was Maria Ozawa so macht oder gemacht hat? Sie ist Pornodarstellerin gewesen und die meisten ihrer Filme sind bestimmt viel zu japanisch für den Rest der Welt, mich eingeschlossen (weil eklig!!!).

Japanische Motorräder oder -roller sehen aus wie kleine Raumschiffe. Total abgespaced. Akira lässt grüssen.

Gehe wohl als allerletzter Gast aus dem Hostel. Gerade ist Putzstunde. Scheinbar kann man hier auch übernachten wenn man für das Hostel arbeitet, sprich putzt. Midori ist eine von ihnen. Sie pennt seit ner Weile in meinem 4er Zimmer und ist extrem strange drauf. Sie macht auf cool und hart, wahrscheinlich als Kompensation für ihre Unsicherheit. Sie ist so der Typ Mannweib. Sie pennt im oberen Bett und klettert nich rauf, sondern zieht sich mit einem Ruck mehr oder weniger elegant hoch. Ich wette sie macht Kampfsport.

Trotz erneuter Superhitze und meinem Marschgepäck geht's mir blendend. Denke es ist eine Mischung aus Akzeptanz (schmerzende Knie, schlechtes Japanisch) und Vorfreude (Heimat, Mizuki). Weniger unsicher als vorher, gehe ich heute einfach mal Chinesisch essen. Das gute in Japan ist ja, dass die Karten immer Bilder haben. Auch wenn ich nichts lesen kann, so kann ich in diesem Restaurant zumindest grob erkennen was ich denn bestelle. Es ist gut und günstig, am Ende bin ich pappsatt. Und los geht's zum Tokyo Tower!



Ich muss gar nicht anstehen, es geht ganz fix nach oben (Video). Dort oben bietet sich mir eine wahnsinnige Aussicht. Die ganze Stadt sieht aus wie ein fleißiger Ameisenhaufen (Video). Endlich zeigt sich auch Fujisan, glaub ich wenigstens. Er wirkt schemenhaft und mysteriös. Ich glaube er wartet noch, aber auf was? Auf was in mir? Dachte ich erst, dass Tokyo mir Erleuchtung, mir Fujisan Frieden schenkt, so glaube ich nun, dass es nur ein weiterer Schritt auf meinem Weg war.


Zojoji-Tempel vom Tokyo Tower
Fujisan ist da irgendwo, wirklich!
 





Dieses Gefühl bestärkt das Erlebnis im buddhistischen Zojoji-Tempel (三縁山増上寺), den ich mir von oben ausgeguckt habe. Es ist zufälligerweise der Tokugawa-Familientempel. Gleich hinter dem imposanten Eingangstor steht ein mächtiger von Ulysses S. Grant geplanzter Baum aus dem Jahre 1879! Alles an diesem Tempel ist monumental, beeindruckend und unglaublich friedlich und beruhigend gleichzeitig.




Jijo-Statuen zur Erinnerung an ungeborene, verstorbene Kinder
Das besagte beeindruckende Erlebnis an diesem Tag ist eine buddhistische Zeremonie in die ich stolpere. Sie wird durch Glockenschläge angekündigt (Video). Im eigentlichen Tempel schaue und höre ich der Zeremonie zu. Es wird immer und wieder im typisch buddhistischen Singsang die Formel namu amida butsu gesprochen und erzeugt eine magische Atmosphäre. Ich wage es ein Video zu drehen und ein Foto zu machen. Ich fühle mich wie ein Frevler.


Als die langwierige Zeremonie vorbei ist gebe ich mich meinen Gedanken und Gefühlen hin. Hatte ich nicht immer von so etwas geträumt? Buddhismus zu sehen, zu erleben, vielleicht selber zu leben? Jetzt sehe ich, dass dies nicht mein Weg sein kann, da ich nichts ausser dem Frieden der Beobachtung empfinde. Ich bin nur ein Besucher und ich stehe an einem Scheideweg. Nie war ich so einsam, glücklich und unsicher zugleich. Ich habe es in der Hand, ich bestimmte mein Handeln und meine Gefühle danach. Ein Eis auf dem Tokyo Tower zu essen und im Zojoji-Tempel unter einem Baum auf einem Stein sitzend diese Zeilen zu schreiben sind beides großes Dinge. Dinge, die ich durch mein Handeln, durch meinen Willen erreicht habe. Erst später werde ich sie wohl wirklich begreifen. Ich fühle mich wieder wie an Tag 3.


Ich treffe Andrew direkt nach seiner Arbeit am Tempel. Er ist natürlich wieder total aufgekratzt. Es war von Anfang an klar, dass wir in diesen Stripclub gehen, auch wenn 5000円 erstmal viel klingen. Vorher zimmern wir uns aber noch ein paar Bier nach dem anderen in Asakusa rein und reden über sein neues Leben. Wie so oft mit ihm und mir bestätigen wir uns gegenseitig und ich merke, wie sehr ihm an mir etwas liegt. Eine so lockere, ehrliche und unproblematische Freundschaft wie mit ihm findet man nicht überall. Ich merke wie sehr er auch mir am Herzen liegt. Mit ihm wird auch mein Japanisch gleich besser, inkl. Verständigung mit dem Izakaya-Personal, das wir gut auf Trab halten. Der Besitzer des Ladens ist eigentlich Chinese, lebt aber schon lange in Japan. Er kennt Maria Ozawa natürlich und hat auch eine komplette DVD von ihr, selbstverfreilich unzensiert! In Japan werden nämlich die Intimbereiche verpixelt...tja, andere Länder, andere Sitten. So eine DVD ist in Japan natürlich verboten, aber er meint ich kann gerne eine Kopie am nächsten Tag abholen wenn ich möchte.

Wir wagen es und gehen ins Rockza. Im Club ist es total cool, ganz anders als bei uns bzw. ich hab mir was ganz anders vorgestellt (schlimmste Vorstellung: onanierende Typen direkt an der Bühne). Es ist überhaupt nicht schmuddelig oder eklig, es ist eine richtig gute, professionelle Tanzvorstellung, nur eben nackt! Vorher hatte ich ja ein schlechtes Gewissen, dass ich da hingehe, auch wegen Mizuki, aber nun bin ich total entspannt und genieße die Show. Der Ablauf ist immer gleich. Erst kommen ein paar Mädels angezogen auf die Bühne und tanzen etwas, ab und zu auch mal indem sie schon ein paar Teile fallen lassen und dann bleibt eine Frau zurück und fängt mit ihrer Solo-Show an. Maria Ozawa nimmt uns einzige Gaijins zwar wahr, aber die anderen Mädels freuen sich sichtlich mehr über unsere Anwesenheit. Es kommt mir so vor, als ob sie sich heute extra viel Mühe geben. Ich sehe viele schöne Rücken und Brüste, vor allem die von Maria Ozawa sind einfach mal der Wahnsinn, das muss ich hier und jetzt mal festhalten. Da merkt man wie positiv sich das Mischen von DNA auswirken kann (Japanisch-Kanadisch). Am attraktivsten ist aber ihr Gesicht. Sie hat auch ein großes Tattoo auf dem Rücken, das ich noch gar nicht kannte. Das macht sie noch aufregender. Was mich aber stört und leider auch typisch Japanisch ist, ist der Haarwuchs unten rum. Ist wie in den 70ern, ungestutzt und wildwachsend *seufz* Am meisten beeindruckt mich die grazile und anmutige Art der Damen. Es geht weniger um das Ausziehen, sondern um sexy Posen und subtile Erotik. Viel passiert über die Augen und die Mimik. Eine hat's ganz besonders drauf und ich finde mich unglaublich von diesem Blick angezogen, da ist der perfekte Körper fast schon Nebensache. Nach jeder Performance wird brav applaudiert und gegen Ende gibt es sogar einen Blumenstrauß für die Künstlerinnen. Es ist absolut kein Vergleich zu einer Tabledance-Bar in Deutschland und war das Geld definitiv wert. Ein schlechtes Gewissen wegen Mizuki habe ich auch nicht mehr. Ich wünschte nur, man hätte nach der Show noch irgendwie Kontakt aufnehmen können. Wie gesagt, ein Gespräch und ggf. ein gemeinsames Foto wären total cool gewesen.

Danach sind wir beide gut aufgekratzt und saufen einfach weiter, natürlich in der gleichen Izakaya. Japanisch zu sprechen wird irgendwie immer einfacher. Ich kriege sogar ein Kompliment vom Chef, als er erfährt, dass ich eigentlich Deutscher bin und mit Andrew ja dauernd Englisch spreche. 頭いいですね!
Als so langsam geschlossen wird und wir nach Hause gehen, torkeln wir noch happy und glückselig die Nakamise-dori runter und lassen uns am Kaminarimon (雷門) von einem ebenso betrunkenen aber hilfsbereiten Japaner fotografieren. Epic night out!


Nachdem ich Andrew zur U-Bahn gebracht habe, torkele ich weiter Richtung Hostel. Ich werde etwas rührselig, da dies wohl der letzte coole Abend in Japan sein wird. Die Lichter am Sumida-River strahlen und mein Herz auch.


Ich unterhalte mich danach gefühlte 2 Stunden mit der Hostel-Toilette, natürlich im perfekten Japanisch.

Ich vermisse Andrew jetzt schon...

Wednesday, 5 May 2010

11. Tag (Edo-Tokyo-Museum und Roppongi)

Ich gehe früh los um der Hitze (27°!!!) zu entfliehen. Gehe planmässig ins Edo-Tokyo-Museum, was direkt bei mir um die Ecke in Sumida-ku ist. Von außen ist es ein sehr imposanter Bau, der definitiv neugierig macht. Ich hoffe eine richtige Führung auf Deutsch zu bekommen. Über 3 Ecken habe ich gehört, dass dort sogar eine Deutsche sowas macht. Als ich an der Kasse bezahle und mich irgendwo als Deutscher verrate, verabschiedet mich die Kassererin gleich mit "Danke und auf Wiedersehen". Service am Kunden, so geht das! Auch wenn's nur ne Kleinigkeit ist.


Ich gehe also auf eigene Faust los. Interessante Ausstellung. Die Geschichte der Stadt wird in zwei Teilen gezeigt. Der Edo-Teil ist dabei natürlich ein klein wenig interessanter als der Tokyo-Teil, aber ich bin überrascht über die Reichhaltigkeit beider. Ich kann mein Wissen über Edo & vor allem die Meiji-Periode vertiefen. Es ist wirklich ne Menge, gar nicht so einfach alles zu merken. Es gibt begehbare Gebäudeteile und kleine Dioramas (heißt das so?). Kurzzeitig hänge ich mich an eine japanische Reisegruppe. Denn bei Führungen werden in den detailreichen Dioramas richtige Geschichten mit Sound und Lichteffekten erzählt.

Historische Straßenszenen zur Edo-Zeit

Tättowierte Feuerwehrleute, der Ursprung der Yakuza

Hafen zur Edo-Zeit
Im Bereich, der die Bombardierung von Tokyo während des 2. Weltkriegs (Tokyo bombing raids) behandelt , wird es schwierig meine tiefe Betroffenheit zurückzuhalten. Auch Tokyo wurde großflächig zerstört und die Bewohner mussten viel Leid ertragen. Tokyo und Berlin verbindet der Grössenwahn, die Zerstörung, die Schande und die Demut ihre Geschichte nicht zu vergessen und zu ertragen. Aber auch der eiserne Wille wieder das aufzubauen, was die Menschen an ihrer Stadt so lieben. Ich spüre eine Verbindung, mit der ich vorher nicht gerechnet habe. Hachja, der 2. Weltkrieg macht mich immer so rührselig. Das wird im Alter bestimmt noch schlimmer.

Eine zeitlang schaue ich sowas wie einem Standup-Comedian zu (Rakugo). Er sitzt zwar auf einem kleinen Stapel Kissen, aber er kommt gut an beim Publikum. Es ist ja Kodomo no Hi (Kinderfeiertag) und dementsprechend viele Kinder sind mit ihren Eltern im Musuem. Ich glaube er hat sein Programm auch danach ausgerichtet. Ich bleibe absichtlich eine Weile stehen um einfach die Sprache aufzusaugen und zu gucken was ich denn so verstehe. Ab und zu muss ich tatsächlich mitlachen, so lustig ist seine Art Situationen darzustellen.

Koi-Nobori
Tokugawa Ieyasu, der Begründer der Edo-Zeit
Ich kaufe im Souvenirladen eine Menge an Mitbringseln für die Familie. Von Tenugui über Furoshiki bis hin zu den obligatorischen Postkarten. Letztendlich aber eher für mich als für andere, so nett sind die kleinen Tücher und der sonstige Schnickschnack :)


Fahre später nach Roppongi (六本木) um es mir einfach mal anzuschauen.  Es ist als modernes Ausländerviertel bekannt. Modern auf jeden Fall...
Ich steuere direkt auf Roppongi Hills zu weil es so prägnant aus der Landschaft ragt und natürlich in meinen Reiseführern steht. Ansonsten muss ich wohl mal hierher zum clubben kommen um das Viertel wirklich kennenzulernen. Next time.



Dieser Wasserfall hat nicht nur den kleinen Jungen fasziniert.



Heute sind übrigens die U-Bahnen total leer, trotz Kinderfeiertag. Ich sehe auch weniger crazy Chicks. Vielleicht wird sich heute mal auf die Familie besonnen und die Leute bleiben zuhause/zusammen. Es ist ja auch viel zu heiß eigentlich, nur die dummen Touris sind unterwegs.

Ich gehe zum Aoyama Friedhof, weil er in der Nähe liegt und ich gerne auf Friedhöfe gehe, egal in welcher Stadt ich eigentlich bin. Man kann sehr viel über die Kultur eines Volkes lernen wenn man sieht wie sie ihre Toten ehren. Es ist ein faszinierender Ort voll der Stille in dieser brütenden Hitze inmitten diesem Stahl- und Betonmonster names Tokyo. Ich bin mal wieder fast alleine auf dem Gelände und habe Zeit die Grabsteine zu studieren. Ich bin überrascht als ich einen riesigen Grabstein für einen Europäer sehe. Er stammt noch aus dem vorletzten Jahrhundert (gestorben 1899)!!





Grabsteine und Hochhäuser verschmelzen zu einer Skyline.




Wieder zurück im Hostel mache ich ein kleines Schläfchen und skype mit Mizuki. Habe aber Migräne bekommen und knalle mir die erste teure Migränepille in diesem Urlaub rein. Laufe nochmal komplett ohne Gepäck und Kameras los und suche die Post bzw. eine ATM. Die im 7-Eleven Konbini geht nicht. Also muss ich zur Post gehen wenn sie am nächsten Tag wieder aufmacht. Wenn das morgen nicht klappt hab ich ein Problem was das Geld angeht.

Ich versaufe meine restlichen Gutscheinpunkte in der Khaosan Bar. Ich quatsche wieder mit dem Manager meines Hostels. Er erzählt mir, dass die Bar grad mal 3000 円 Profit im letzten Jahr gemacht hat. Er trinkt gerne Wein und lehnt sich zurück wenn er mit mir redet, als ob es ihm unangenehm ist mit mir zu sprechen. Abends setze ich mich mit dem Notebook noch in den Gemeinschaftsraum und höre den Amimädels zu. Sie essen freiwillig Eier?! Die merken schon bald, dass es hier überall Tamago (卵) dazu gibt. Ich kann Eier schon nicht mehr sehen. Trotzdem schlage ich mir sogar das rohe Eier über den Reis wenn ich im Matsuya bin um einfach genug Kalorien zu bekommen.

Mich nervt es übrigens, dass immer alle an Sauerkraut bei Deutschen denken.

Tuesday, 4 May 2010

10. Tag (Yoyogi Park und Tsukiji-Fischmarkt)

Ich fahre zum Yoyogi Park (代々木公園), diesmal ganz entspannt mit der Metro (ohne Umsteigen). Heute ist einer der Feiertage in der Golden Week, der Midori no Hi. Am Südeingang sehe ich viele sitzende Leute. Zuerst denke ich an die Armenspeisung, die es ja wohl jetzt auch verstärkt in Japan geben soll, aber dann singen sie plötzlich alle. Keine Ahnung um was es da genau ging (Video).

Der Park ist sehr schön. Beliebt bei Jung und Alt für Sport und Spiel. Ich beobachte sowas wie einen Fächertanz einer ca. 20köpfigen Truppe. So mit mit Klackerdingern für die Hände und gemeinsamen Rufen. Wirkt alles sehr durchchoreographiert und nicht nach Hobby, sondern nach richtigem Freiluft-Training. Aber da Japaner irgendwie alles mit Hingabe machen, kann ich das nicht 100% sagen. Muss mal Mizuki fragen was das ist.

Harajuku-Station von der Brücke Richtung Yoyogi-Park
Heute fühle ich mich sehr wohl aber es ist definitiv zu heiß für mich. Hitze in einer Stadt wie Tokyo mit meinen europäischen Klamotten und vor allem mit all dem Zeug was ich mit mir rumschleppe ist einfach krasser als bei uns. Aber ich bin auch selbst Schuld, hätt ja weniger anziehen können. Japaner kleiden sich entsprechend clever. Alles wirkt sehr luftig und locker, nicht so viele Schichten wie bei uns. Naja, außerdem sind sie die Temparatur zu dieser Jahreszeit einfach gewöhnt, ich hingegen weniger.

Die Parkwächter bzw. Senioren in Uniform sorgen dafür, dass keiner mit freiem Oberkörper rumliegt. Wie albern ist das denn?? Machen doch eh nur Männer. Frauen in Bikini in einem öffentlichen Park gibt es hier einfach nicht behaupte ich. Ich muss schmunzeln, als ich sehe, dass ein paar Leute dann doch wieder ihre Shirts ausziehen nachdem die Senioren in Uniformen weitergezogen sind. Es gibt also doch einen gewissen Widerstand gegen die Obrigkeit in diesem Land. Respekt!

Ich beobachte eine Weile wie ein Papa mit seinem kleinen Sohnemann spielt. Ich glaube alle Vorurteile, all der Hass dieser Welt wäre obselet wenn sich jedes Volk das andere beim Spielen mit ihren Kindern beobachten würde. Da sind nämlich alle gleich liebevoll irgendwo. Leider macht mich diese harmonische Demonstration von Familienglück traurig. Die Stimmung sinkt. Ich merke, dass meine innere Uhr auch Kinder und Familie will....einfach mal Papa sein...

Ich fahre nach Ginza (銀座) weil es noch früh am Tag ist und ich es wenigstens gesehen haben will. Eigentlich ist es auch wieder das Gleiche, die Gebäude sind nur ein bisschen anders.Das Kabuki-za (歌舞伎座) ist aber sehr beeindruckend. Eigentlich wollte ich ja genau dort ein traditionelles Kabuki-Theaterstück sehen. Leider wird das Gebäude renoviert oder sogar demnächst abgerissen?! Jedenfalls gab es keine Plätze mehr für Vorstellungen. Ich kann es kaum glauben, dass die so ein schönes Gebäude abreissen wollen.



Von da aus laufe ich weiter zum Tsukiji-Fischmarkt (築地市場). Ist gar nicht weit, trotz Knieproblems.
Ich will nämlich hier und jetzt Sushi essen! Scheiß auf die Laune! Wenigstes einmal in Japan Sushi essen! Ich habe zwar gehört, dass der Markt für Ausländer mittlerweile gesperrt ist, aber das gilt wohl nur für die bekannte Thunfisch-Auktion am frühen Morgen. Direkt am Eingang ist ein kleiner Tempel mit viel Trubel. Das muss hier wohl sowas wie der Schutzpatron der Fischmarktarbeiter sein.Er wirkt total rustikal und hat bestimmt schon einiges an Besuchern gesehen.




Auf dem Marktplatzgelände laufen viele Japaner und Ausländer rum, von daher mache ich mir gar keine Sorgen mehr. Es gibt vor den vielen Fischläden lange Schlangen, aber ich habe keine Lust mich anzustellen. Ich probiere daher den erstbesten Laden wo ich nicht lange warten muss. Es warten zwar drinnen ein paar Leute um sich an die Theke setzen zu können, aber der Laden sieht nicht voll aus. Trotzdem weist mich eine ältere Frau mit der typischen Geste (Arme und Hände über Kreuz wie ein X) aus dem Laden. Beim ersten Mal verstehe ich es nicht ganz und denke ich muss nur warten. Sie wiederholt es aber sehr deutlich und ich werde hinausgeschickt. Warum das denn jetzt?? Weil ich Ausländer bin oder was?! Bin ich da jetzt nicht mehr erwünscht?? Bin ziemlich beleidigt und und verunsichert, vor allem weil ich nicht weiß warum sie mich rausgeschickt hat.


Nach ein bisschen Umherlaufen probiere ich einen kleineren Laden. Nach 30 Minuten kann ich dann auch endlich sitzen. Ich bin natürlich (wieder) der einzige Gaijin, die Karte wird freundlicherweise auf Englisch gereicht. Ich kriege wie in Japan üblich, vor dem Essen ein warmes, feuchtes Handtuch. Ich bestelle erstmal ein Asahi Bier und kriege ein 0,75l oder 1l Flasche! Passend dazu ein kleines, niedliches Glas. Ich mag den japanischen Stil, haha. Ich gucke ewig dumm in der Gegend rum und was die anderen Gäste rechts und links neben mit bestellt haben. Irgendwann treffen sich die Blicke des Sushimeisters und meiner Wenigkeit und ich bestelle. Es ist halt anders, ich hätte einfach direkt was sagen müssen. Stattdessen sitze ich da und schaue den Leuten nach mir zu wie sie schon essen....hachja, irgendwann lerne ich es dann auch noch mal. Das Essen ist traumhaft. Zum Sushi gibt es sogar noch warmen Unagi (Aal), einer meiner Lieblingsfische in der Japanischen Küche.


Die zwei Jungs rechts neben mir erklären mir, dass ein reicher Typ, der etwas weiter rechts sitzt, uns etwas schenkt (weil er reich ist). Da ich ein Wort in dem Satz aber nicht kenne, weiß ich nicht was mich erwartet! Es stellt sich als superleckerer Fisch heraus! Es ist aburi (あぶり), also leicht angegrillter Fisch. Ich bedanke mich so gut ich kann beim Spender und bei den Jungs für's übersetzen. Sushi + Bier = 3255 円 Pappsatt und todmüde fahre ich nach Hause zum schlafen.


Nach dem Schläfchen habe ich prompt Migräne. Alles nervt, sogar die die neue Gruppe junger Amerikanerinnen. Ich glaub ich hab mich etwas überfressen. Soviel guten, frischen Fisch war mein Magen nach dem ganzen Matsuya-Essen gar nicht mehr gewohnt. Zum Glück habe ich meine Killertabletten dabei (5€ pro Stück).

Ich skype noch mit Mizuki und beende den Tag mit einem guten Gefühl. Morgen soll es superheiß werden, von daher geh ich lieber ins Museum. Da isset wenigstens kühl.