Sunday, 25 April 2010

1. Tag (Flug, Ankunft und erster krasser Abend)

Scheiße, ich bin in Japan!!

Es fängt auch gleich gut an, denn mein Koffer ist geplatzt. Verdammt! Aber sofort erfahre ich die japanische Höflichkeit und den perfekten Service. Eine zuckersüße Flughafenmitarbeiterin spricht mich an und bietet mir ihre Hilfe an, jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der Flughafen nicht für Schäden aufkommen kann. Ich klebe alles mit billigen Klebeband ab und mach mich auf den Weg, um mein N'EX Ticket (Schnellzug von Narita-Airport nach Tokyo-Station) zu kaufen.

Bei der Immigration sitzt ein kleiner Japaner mit crazy Frisur, vollkommen unauthoritär, ein totaler Gegensatz zu den Officers am New Yorker Flughafen. Er trägt natürlich Mundschutz und sieht somit noch freakiger aus. Och nee, ich Horst hab die Formulare mit Bleistift ausgefüllt und darf am Schalter direkt alles mit Kugelschreiber ausfüllen. Die japanische Haarfrisur ist sichtlich genervt, bleibt aber professionell.

Ich kaufe mir das N'EX Ticket inkl. Suica-Karte und spreche nur Englisch irgendwie. Das ärgert mich ein wenig, ich habe mich doch so gut vorbereitet. Am Zug stehen Dutzende Polizisten in Grüppchen. Es liegt etwas in der Luft, aber irgendwie rührt sich keiner. Ich kann nichts lesen was nicht in Englisch geschrieben ist, so ein Mist. Hätte ich mal die Schriftzeichen doch noch gelernt...

Ich sitze im Zug und bin auf dem Weg nach Tokyo. Mir fällt mein Sitznachbar aus dem Flieger ein. Ich glaube er mochte mich nicht, weil ich ihn alle paar Stunden hochgescheucht habe weil ich so viel Flüssigkeit getrunken habe (immerhin auf Japanisch!). Er hatte übrigens die volle Reiseausrüstung dabei: Mundschutz, Ohrenstöpsel und Latschen. Die Bayern hinter waren anstrengend und sind wohl beim Wort naiv im Lexikon abgebildet.

Die Aussicht aus dem Zug ist jetzt schon toll (Video). Ja, ich bin eindeutig in Japan.

Toyko-Station verwirrt mich unendlich. Ich irre umher und merke bereits, dass es hier einfach ein paar mehr Menschen hat als bei uns. Das Suica-Kartensystem funktioniert super und macht irgendwie Spaß. Einfach ranhalten und auf geht das Portal, ohne dass man seinen Schritt großartig verlangsamen muss. Ich finde gut zum Hostel (Khaosan Tokyo Samurai), aber meine kaputte Tasche geht mir auf den Sack. Ich bin fix und fertig, es ist saukalt in der Bahn und ziemlich heiß draussen. Mein Jetlag meldet sich. Ich bin viel zu früh für mein Zimmer dran und muss erstmal warten. Zuviel Input, zuviel Jetlag, ich penn im Eingangsbereich ein. Auf dem Zimmer (4er) nehm ich mir die untere Koje, verstaue meine Sachen und hau mich erstma hin.

Ich schlafe gefühlte 30 Minuten...ich mach mich einfach auf dem Weg und erkunde die Umgebung. Auf der Brücke fühle ich mich strange (Video). Laufe rein zufällig nach Asakusa (浅草) und bin unglaublich glücklich weil es so wunderschön ist und ich hier bin.





Abends treffe ich bereits Andrew in Otsuka (大塚) Wir gehen auf ein Konzert auf das mich Kaori Aramaki eingeladen hat. Sie ist eine Bekannte von Mizuki und ein Freund von ihr spielt in einer der Bands des Abends. Andrew ist total happy mich zu sehen und ich freue mich auch total. Er hat krass abgenommen und sieht dadurch noch schicker im Anzug aus. Andrew quatscht mich voll, ich muss ihn erstmal runter bringen, ich leide immer noch an zu viel Input. Wie immer bei uns, wird es in 10,43 Sekunden bereits urkomisch und wir kippen gleich ein paar Bier in einem viel zu gehobenen Restaurant. Wir werden mit dem Snack abgezockt, aber letztendlich war der auch recht lecker. Ich telefoniere mit Mizukis japanischen Telefon (es ist golden) um mich mit Kaori abzusprechen. Gar nich so einfach, obwohl sie etwas Deutsch spricht. Wir treffen Kaori und gehen erstmal ins Matsuya Schnellrestaurant bei der man das Gericht am Automaten wählt und bezahlt und dann den Zettel an Theke abgibt. Das Essen ist günstig aber ein Traum.




Das Konzert im Red-Zone ist der Knaller. Es ist wohl Rockband-Groupie-Abend, denn es sind nur Frauen da! Oder sollte ich Mädchen sagen? Die sehen alle wie Schülerinnen oder Studentinnen aus. Sonst nur ein paar Typen und nur zwei Gaijins (Ausländer), also Andrew und ich! Die Bands sind alle extrem gut und unterhalten ihre Fans gekonnt. Die Sänger quatschen viel zwischen den Liedern. Die Fans danken es mit sowas wie Synchron-Headbangen, so krass typisch japanisch, oder? (Video 1, Video 2, Video 3)

Die Band GENE in der der Freund von Kaori spielt (Ichi) ist echt gut, auch wenn der Leadsänger wie ein kleiner Frosch aussieht. Der Leadgitarrist ist ein Gott oder eher der Teufel, auf jeden Fall durchgeknallt. Ichi macht komische Grimassen beim Bass spielen und sieht ein wenig wie Keanu Reeves aus, meint Andrew. Achja, die beiden Gaijins sind everybody's darling auch wenn die Bands uns ein wenig von der Bühne aus verarschen. Das ganze Konzert hat eine Qualität, von der wir uns etwas abschneiden sollten. Am Ende gibt es sogar kleine Surveys in der man als Fan die Bands bewerten und Feedback geben kann. Als Dank gibt's CDs oder sonstige Fan-Devotionalien, direkt von der Band, total persönlich und nah. Mir fallen auf, dass selbst kleine Geschäftsfrauen sich nicht nehmen lassen von einem speziellen Rockbandmitglied regelrecht besessen zu sein. So wirkt's zumindest auf mich.

Auf dem Klo erschrickt sich eine Japanerin vor mir...tja, ich bin ja auch ein großnasiger, hässlicher Gaijin und fresse kleine Kinder. Was ne Erfahrung...

Auf dem Rückweg sind die Strassen bereits ausgestorben und das um 23 Uhr! (Video)

In der U-Bahn sehe ich sie dann, die schlafenden Tokyoter. Der Jugendliche vor mir ist besonders lustig. Er zockt Nintendo DS und nickt dabei immer wieder ein. Dann wacht er wieder auf und spielt weiter, nur um wieder wegzudösen. Das Ganze endet natürlich damit, dass sein DS mit lautem Krach auf dem Boden landet. Das lässt ihn auch nur für ein paar Minuten wach bleiben, nach dem wegräumen entschlummert er wieder friedlich, wie so viele andere im Zug.


1. Tag: すてきでした!