Thursday, 29 April 2010

4. Tag (Shinjuku)

Aua, mein Knie!!!! Es schmerzt höllisch. Wo ich früher immer nur Probleme mit dem linken Knie hatte, ist es jetzt ironischerweise das rechte Knie! Muss mich schonen, sonst wird das hier nichts mehr mit mir.

Heute ist heftiger Regen angesagt, von daher schlafe ich erstmal aus. Tut auch gut. Mache dann Sauna mit der Klimaanlage, da meine Zimmergenossen schon weg sind. Weils so schön ist, schlafe ich gleich noch ne Runde ohne was zu essen. Als ich dann später am Mittag losziehe, steht im Eingangsbereich des Hostels ein Mann im Anzug und zwei Techniker arbeiten zu seinen Füßen und bauen eine neue Videoüberwachung ein. Er steht wirklich mitten im Raum, hat die Hände vor'm Bauch verschränkt und seine Untergebenen arbeiten sich durch die Kisten vor seinen Füßen. Er muss der Chef sein, denn er tut wirklich gar nichts. Das ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen. Wenn 2 Japaner arbeiten, ist immer noch einer da, der sie überwacht. Verrückt. Insbesondere bei Straßenarbeiten sieht das sehr witzig aus, da es verhältnissmäßig viele gibt, die nur die Absperrung bewachen und die Autos mit ihren Laserschwertern (Leuchtstäben) warnen.
Der Tokyo Sky Tree Tower, der direkt in meinem Bezirk Sumida steht, ist vom Nebel verdeckt und sieht dadurch noch mächtiger aus sonst (Video).



Ich gehe schon wieder ins Matsuya weil mein 日本語 Scheiße ist !! Im Radio läuft ein sauschlechtes Cover von TLCs "Waterfalls", wobei schlecht nicht die Musik sondern nur das Englisch ist. Das englische Wort "you" auszusprechen ist für Japaner scheinbar schwieriger als man denkt.

Immer noch auf der Suche nach einer Sonnenbrille und weil's auf dem Weg liegt, gehe ich wieder nach Asakusa und schau mir die Stände an. Mache Spaß mit ein paar Schuljungen, die eine Sonnenbrillen ausprobieren. Als einer mich mit einer lustigen Brille herausfordernd anguckt, sage ich ihm absichtlich  "かわいい!" (kawaii) was so viel wie "niedlich" heißt. Er und seine Kollegen lachen sich schlapp. Später bemerke ich wie zwei Schulmädchen, die vor mir laufen sich schnell umdrehen und mich versuchen heimlich zu fotografieren. Die eine freut sich wie eine Schneekönigin und schenkt mir ein zuckersüßes Lächeln, was mir ein bisschen den Tag rettet. Ansonsten halten sich die Reaktionen der (weiblichen) Bevölkerung mal wieder in Grenzen.

Ich schlendere weiter in Asakusa rum und suche nen Obi-Laden. Was ich finde ist sehr interessant und ich beschließe alles zu fotografieren und meinen Jungs vom Iaido zu schicken. Wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch etwas einkaufen und meinen Mittrainierenden einen Gefallen tun. Ich selber finde in einem kleinen Laden, der von einer ziemlich alten Japanerin geführt wird ein paar Obis und kaufe sie einfach weil mich die nette Dame in ein Gespräch verwickelt. Sie fragt woher ich komme und macht eine lustige Geste in Bezug auf meine Nase während sie すごい (groß, toll) sagt. Da stehen die Japaner einfach drauf, große Nasen, hahaha. In einem Stoffladen frage ich auf Japanisch nach Furoshiki (風呂敷), Stofftücher zum einwickeln und transportieren. Der Verkäufer schmunzelt und zeigt herum: "Das sind alles Furoshiki." D'oh, ich mal wieder...Fettnäpfchen again....








Später liege ich wieder im Hostel und kühle mein Knie mit einem Handtuch aus einem der berühmten 100円 Shops. Dort gibt es wirklich jeden Scheiß.Von netten Geschenkideen bis hin zu wirklich praktischen Alltagsgegenständen. Nicht immer in der besten Qualität, aber auch nicht immer nur für 100円. Würde ganz gerne mal Geld im Pachinko gewinnen! Nur alleine traue ich mich in diese ohrenbetäubenden Spielhöllen nicht rein. Ich weiß ja nicht mal wie das Spiel funktioniert...ich weiß nur, dass man eigentlich kein Geld gewinnt, weil das in Japan verboten ist, sondern am Ende irgendeinen Gegenstand erhält, den man in Läden um die Ecke in Bargeld eintauschen kann. Clever und effizient von den Japanern, wie immer.

Spät abends fahre ich nach Shinjuku (新宿). Hier ist es bunt und laut und es scheinen sich hier alle Mädels und hippen Leute aufzuhalten (Video). Ich vermeide es mit (schwarzen) Partywerbern in Kontakt zu treten. Mal wieder hat mich Tokyo Diaries und ein bisschen Recherche im Web gelehrt, dass diesen Typen überhaupt nicht zu trauen ist. Ich werde zum Glück nur selten angesprochen, meinem Killerblick sei Dank.



Ich laufe 3x im Kreis um Ichiran zu finden. Das Navi in Mizukis japanischen Handy verwirrt mich immer wieder. Die Position wird wohl richtig angezeigt, aber aufgrund der komischen Strassen und dem Linksverkehr, verlaufe ich mich jedes Mal aufs Neue. Am Ende stimmt aber meine notierte Adresse gar nicht genau, aber Mizuki hilft am Telefon. Es ist merkwürdig mit meiner japanischen Freundin zu telefonieren während wir beide irgendwie in den falschen Ländern sind, sie in Deutschland, ich in Japan. Ich merke wie sehr ich sie gerne bei mir hätte, da ich doch gerade die Dinge tue, die sie mir empfohlen hat bzw. die wir gerne zusammen gemacht hätten. Klingt albern wenn es so etwas simples ist wie Ramen essen...


Das Ichiran Ramen Restaurant ist eine Unikum. Es wird einzeln und abgetrennt in kleinen Buchten gegessen und man kriegt sein Essen nur durch eine kleine Luke. So kann man sich ohne abgelenkt zu werden angeblich am besten auf den Genuß der Nudelsuppe konzentrieren. Von der Idee gut, aber nicht für Leute über 1,70m gedacht. Meine Knie leiden erneut.
Der Bestellprozess ist etwas komplizierter als im Matsuya. Man muss eine kleine Karte ausfüllen und kann den Geschmack und die Bestandteile des Gerichtes komplett selber definieren. Wie scharf, wie fettig, wieviel Schweinefleisch, wie al dente die Nudeln, usw. Ich bin natürlich total überfordert von der japanischen Karte denn Mizuki hat mir nur die halbe Karte erklärt. Als ich dann gebeten werden, den Rest auszufüllen, kann ich nur mit "Sorry, ich versteh's nich" antworten. Die Kellnerin sieht mich ja nicht durch die Luke und merkt erst, dass ich ein Ausländer bin als sie sich herunterbeugt. Sie gibt mir eine englische Karte. Wie geil!





Der/die/das Ramen ist hammerlecker! Und scharf!! Ohweia ist das scharf!! Mir läuft die Nase nach 3 Löffeln bereits wie Hölle. Ich putze mir mit dem (schlechten) Gewissen hier einen gesellschaftlichen Frevel zu begehen die Nase, mitten im Restaurant!! Was ein Glück, dass man hier so abgetrennt sitzt. Links neben mir sitzen zwei Jungs und schaufeln sich die Nudeln mit den Stäbchen rein und schlürfen dabei hörbar. Das ist normal, das weiß ich mittlerweile, aber wie machen die das überhaupt?! Ich probiere es auch aus, aber ich schaffe es einfach nicht die heißen Nudeln mir tief in den Mund zu stecken ohne nicht das Gefühl von Verbrennungen dritten Grades zu haben. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Irgendwann bin ich dann auch fertig und stinke nach Knoblauch wie nur was. おいしかった!Komme sicher noch mal hier her.





Schon 4 Tage hier und noch nicht einmal besoffen gewesen...die Japaner sind's scheinbar jeden Abend! Auch heute sehe auf dem Nachhauseweg wieder einiges an Alkoholisierten. Die Ischen sind teilweise so hacke, dass es schon nicht mehr feierlich ist. 


MP3 hören geht übrigens wieder, yay!!!