Tuesday, 4 May 2010

10. Tag (Yoyogi Park und Tsukiji-Fischmarkt)

Ich fahre zum Yoyogi Park (代々木公園), diesmal ganz entspannt mit der Metro (ohne Umsteigen). Heute ist einer der Feiertage in der Golden Week, der Midori no Hi. Am Südeingang sehe ich viele sitzende Leute. Zuerst denke ich an die Armenspeisung, die es ja wohl jetzt auch verstärkt in Japan geben soll, aber dann singen sie plötzlich alle. Keine Ahnung um was es da genau ging (Video).

Der Park ist sehr schön. Beliebt bei Jung und Alt für Sport und Spiel. Ich beobachte sowas wie einen Fächertanz einer ca. 20köpfigen Truppe. So mit mit Klackerdingern für die Hände und gemeinsamen Rufen. Wirkt alles sehr durchchoreographiert und nicht nach Hobby, sondern nach richtigem Freiluft-Training. Aber da Japaner irgendwie alles mit Hingabe machen, kann ich das nicht 100% sagen. Muss mal Mizuki fragen was das ist.

Harajuku-Station von der Brücke Richtung Yoyogi-Park
Heute fühle ich mich sehr wohl aber es ist definitiv zu heiß für mich. Hitze in einer Stadt wie Tokyo mit meinen europäischen Klamotten und vor allem mit all dem Zeug was ich mit mir rumschleppe ist einfach krasser als bei uns. Aber ich bin auch selbst Schuld, hätt ja weniger anziehen können. Japaner kleiden sich entsprechend clever. Alles wirkt sehr luftig und locker, nicht so viele Schichten wie bei uns. Naja, außerdem sind sie die Temparatur zu dieser Jahreszeit einfach gewöhnt, ich hingegen weniger.

Die Parkwächter bzw. Senioren in Uniform sorgen dafür, dass keiner mit freiem Oberkörper rumliegt. Wie albern ist das denn?? Machen doch eh nur Männer. Frauen in Bikini in einem öffentlichen Park gibt es hier einfach nicht behaupte ich. Ich muss schmunzeln, als ich sehe, dass ein paar Leute dann doch wieder ihre Shirts ausziehen nachdem die Senioren in Uniformen weitergezogen sind. Es gibt also doch einen gewissen Widerstand gegen die Obrigkeit in diesem Land. Respekt!

Ich beobachte eine Weile wie ein Papa mit seinem kleinen Sohnemann spielt. Ich glaube alle Vorurteile, all der Hass dieser Welt wäre obselet wenn sich jedes Volk das andere beim Spielen mit ihren Kindern beobachten würde. Da sind nämlich alle gleich liebevoll irgendwo. Leider macht mich diese harmonische Demonstration von Familienglück traurig. Die Stimmung sinkt. Ich merke, dass meine innere Uhr auch Kinder und Familie will....einfach mal Papa sein...

Ich fahre nach Ginza (銀座) weil es noch früh am Tag ist und ich es wenigstens gesehen haben will. Eigentlich ist es auch wieder das Gleiche, die Gebäude sind nur ein bisschen anders.Das Kabuki-za (歌舞伎座) ist aber sehr beeindruckend. Eigentlich wollte ich ja genau dort ein traditionelles Kabuki-Theaterstück sehen. Leider wird das Gebäude renoviert oder sogar demnächst abgerissen?! Jedenfalls gab es keine Plätze mehr für Vorstellungen. Ich kann es kaum glauben, dass die so ein schönes Gebäude abreissen wollen.



Von da aus laufe ich weiter zum Tsukiji-Fischmarkt (築地市場). Ist gar nicht weit, trotz Knieproblems.
Ich will nämlich hier und jetzt Sushi essen! Scheiß auf die Laune! Wenigstes einmal in Japan Sushi essen! Ich habe zwar gehört, dass der Markt für Ausländer mittlerweile gesperrt ist, aber das gilt wohl nur für die bekannte Thunfisch-Auktion am frühen Morgen. Direkt am Eingang ist ein kleiner Tempel mit viel Trubel. Das muss hier wohl sowas wie der Schutzpatron der Fischmarktarbeiter sein.Er wirkt total rustikal und hat bestimmt schon einiges an Besuchern gesehen.




Auf dem Marktplatzgelände laufen viele Japaner und Ausländer rum, von daher mache ich mir gar keine Sorgen mehr. Es gibt vor den vielen Fischläden lange Schlangen, aber ich habe keine Lust mich anzustellen. Ich probiere daher den erstbesten Laden wo ich nicht lange warten muss. Es warten zwar drinnen ein paar Leute um sich an die Theke setzen zu können, aber der Laden sieht nicht voll aus. Trotzdem weist mich eine ältere Frau mit der typischen Geste (Arme und Hände über Kreuz wie ein X) aus dem Laden. Beim ersten Mal verstehe ich es nicht ganz und denke ich muss nur warten. Sie wiederholt es aber sehr deutlich und ich werde hinausgeschickt. Warum das denn jetzt?? Weil ich Ausländer bin oder was?! Bin ich da jetzt nicht mehr erwünscht?? Bin ziemlich beleidigt und und verunsichert, vor allem weil ich nicht weiß warum sie mich rausgeschickt hat.


Nach ein bisschen Umherlaufen probiere ich einen kleineren Laden. Nach 30 Minuten kann ich dann auch endlich sitzen. Ich bin natürlich (wieder) der einzige Gaijin, die Karte wird freundlicherweise auf Englisch gereicht. Ich kriege wie in Japan üblich, vor dem Essen ein warmes, feuchtes Handtuch. Ich bestelle erstmal ein Asahi Bier und kriege ein 0,75l oder 1l Flasche! Passend dazu ein kleines, niedliches Glas. Ich mag den japanischen Stil, haha. Ich gucke ewig dumm in der Gegend rum und was die anderen Gäste rechts und links neben mit bestellt haben. Irgendwann treffen sich die Blicke des Sushimeisters und meiner Wenigkeit und ich bestelle. Es ist halt anders, ich hätte einfach direkt was sagen müssen. Stattdessen sitze ich da und schaue den Leuten nach mir zu wie sie schon essen....hachja, irgendwann lerne ich es dann auch noch mal. Das Essen ist traumhaft. Zum Sushi gibt es sogar noch warmen Unagi (Aal), einer meiner Lieblingsfische in der Japanischen Küche.


Die zwei Jungs rechts neben mir erklären mir, dass ein reicher Typ, der etwas weiter rechts sitzt, uns etwas schenkt (weil er reich ist). Da ich ein Wort in dem Satz aber nicht kenne, weiß ich nicht was mich erwartet! Es stellt sich als superleckerer Fisch heraus! Es ist aburi (あぶり), also leicht angegrillter Fisch. Ich bedanke mich so gut ich kann beim Spender und bei den Jungs für's übersetzen. Sushi + Bier = 3255 円 Pappsatt und todmüde fahre ich nach Hause zum schlafen.


Nach dem Schläfchen habe ich prompt Migräne. Alles nervt, sogar die die neue Gruppe junger Amerikanerinnen. Ich glaub ich hab mich etwas überfressen. Soviel guten, frischen Fisch war mein Magen nach dem ganzen Matsuya-Essen gar nicht mehr gewohnt. Zum Glück habe ich meine Killertabletten dabei (5€ pro Stück).

Ich skype noch mit Mizuki und beende den Tag mit einem guten Gefühl. Morgen soll es superheiß werden, von daher geh ich lieber ins Museum. Da isset wenigstens kühl.