Wednesday, 5 May 2010

11. Tag (Edo-Tokyo-Museum und Roppongi)

Ich gehe früh los um der Hitze (27°!!!) zu entfliehen. Gehe planmässig ins Edo-Tokyo-Museum, was direkt bei mir um die Ecke in Sumida-ku ist. Von außen ist es ein sehr imposanter Bau, der definitiv neugierig macht. Ich hoffe eine richtige Führung auf Deutsch zu bekommen. Über 3 Ecken habe ich gehört, dass dort sogar eine Deutsche sowas macht. Als ich an der Kasse bezahle und mich irgendwo als Deutscher verrate, verabschiedet mich die Kassererin gleich mit "Danke und auf Wiedersehen". Service am Kunden, so geht das! Auch wenn's nur ne Kleinigkeit ist.


Ich gehe also auf eigene Faust los. Interessante Ausstellung. Die Geschichte der Stadt wird in zwei Teilen gezeigt. Der Edo-Teil ist dabei natürlich ein klein wenig interessanter als der Tokyo-Teil, aber ich bin überrascht über die Reichhaltigkeit beider. Ich kann mein Wissen über Edo & vor allem die Meiji-Periode vertiefen. Es ist wirklich ne Menge, gar nicht so einfach alles zu merken. Es gibt begehbare Gebäudeteile und kleine Dioramas (heißt das so?). Kurzzeitig hänge ich mich an eine japanische Reisegruppe. Denn bei Führungen werden in den detailreichen Dioramas richtige Geschichten mit Sound und Lichteffekten erzählt.

Historische Straßenszenen zur Edo-Zeit

Tättowierte Feuerwehrleute, der Ursprung der Yakuza

Hafen zur Edo-Zeit
Im Bereich, der die Bombardierung von Tokyo während des 2. Weltkriegs (Tokyo bombing raids) behandelt , wird es schwierig meine tiefe Betroffenheit zurückzuhalten. Auch Tokyo wurde großflächig zerstört und die Bewohner mussten viel Leid ertragen. Tokyo und Berlin verbindet der Grössenwahn, die Zerstörung, die Schande und die Demut ihre Geschichte nicht zu vergessen und zu ertragen. Aber auch der eiserne Wille wieder das aufzubauen, was die Menschen an ihrer Stadt so lieben. Ich spüre eine Verbindung, mit der ich vorher nicht gerechnet habe. Hachja, der 2. Weltkrieg macht mich immer so rührselig. Das wird im Alter bestimmt noch schlimmer.

Eine zeitlang schaue ich sowas wie einem Standup-Comedian zu (Rakugo). Er sitzt zwar auf einem kleinen Stapel Kissen, aber er kommt gut an beim Publikum. Es ist ja Kodomo no Hi (Kinderfeiertag) und dementsprechend viele Kinder sind mit ihren Eltern im Musuem. Ich glaube er hat sein Programm auch danach ausgerichtet. Ich bleibe absichtlich eine Weile stehen um einfach die Sprache aufzusaugen und zu gucken was ich denn so verstehe. Ab und zu muss ich tatsächlich mitlachen, so lustig ist seine Art Situationen darzustellen.

Koi-Nobori
Tokugawa Ieyasu, der Begründer der Edo-Zeit
Ich kaufe im Souvenirladen eine Menge an Mitbringseln für die Familie. Von Tenugui über Furoshiki bis hin zu den obligatorischen Postkarten. Letztendlich aber eher für mich als für andere, so nett sind die kleinen Tücher und der sonstige Schnickschnack :)


Fahre später nach Roppongi (六本木) um es mir einfach mal anzuschauen.  Es ist als modernes Ausländerviertel bekannt. Modern auf jeden Fall...
Ich steuere direkt auf Roppongi Hills zu weil es so prägnant aus der Landschaft ragt und natürlich in meinen Reiseführern steht. Ansonsten muss ich wohl mal hierher zum clubben kommen um das Viertel wirklich kennenzulernen. Next time.



Dieser Wasserfall hat nicht nur den kleinen Jungen fasziniert.



Heute sind übrigens die U-Bahnen total leer, trotz Kinderfeiertag. Ich sehe auch weniger crazy Chicks. Vielleicht wird sich heute mal auf die Familie besonnen und die Leute bleiben zuhause/zusammen. Es ist ja auch viel zu heiß eigentlich, nur die dummen Touris sind unterwegs.

Ich gehe zum Aoyama Friedhof, weil er in der Nähe liegt und ich gerne auf Friedhöfe gehe, egal in welcher Stadt ich eigentlich bin. Man kann sehr viel über die Kultur eines Volkes lernen wenn man sieht wie sie ihre Toten ehren. Es ist ein faszinierender Ort voll der Stille in dieser brütenden Hitze inmitten diesem Stahl- und Betonmonster names Tokyo. Ich bin mal wieder fast alleine auf dem Gelände und habe Zeit die Grabsteine zu studieren. Ich bin überrascht als ich einen riesigen Grabstein für einen Europäer sehe. Er stammt noch aus dem vorletzten Jahrhundert (gestorben 1899)!!





Grabsteine und Hochhäuser verschmelzen zu einer Skyline.




Wieder zurück im Hostel mache ich ein kleines Schläfchen und skype mit Mizuki. Habe aber Migräne bekommen und knalle mir die erste teure Migränepille in diesem Urlaub rein. Laufe nochmal komplett ohne Gepäck und Kameras los und suche die Post bzw. eine ATM. Die im 7-Eleven Konbini geht nicht. Also muss ich zur Post gehen wenn sie am nächsten Tag wieder aufmacht. Wenn das morgen nicht klappt hab ich ein Problem was das Geld angeht.

Ich versaufe meine restlichen Gutscheinpunkte in der Khaosan Bar. Ich quatsche wieder mit dem Manager meines Hostels. Er erzählt mir, dass die Bar grad mal 3000 円 Profit im letzten Jahr gemacht hat. Er trinkt gerne Wein und lehnt sich zurück wenn er mit mir redet, als ob es ihm unangenehm ist mit mir zu sprechen. Abends setze ich mich mit dem Notebook noch in den Gemeinschaftsraum und höre den Amimädels zu. Sie essen freiwillig Eier?! Die merken schon bald, dass es hier überall Tamago (卵) dazu gibt. Ich kann Eier schon nicht mehr sehen. Trotzdem schlage ich mir sogar das rohe Eier über den Reis wenn ich im Matsuya bin um einfach genug Kalorien zu bekommen.

Mich nervt es übrigens, dass immer alle an Sauerkraut bei Deutschen denken.