Friday, 7 May 2010

13. Tag (Regen und letztes Iaido-Training)

Zuviel Alk gehabt gestern, fetter Hangover. Bin fix und fertig, aber das war's wert! Bis zum Training heute abend wird es schon wieder gehen hoffe ich. Ich freue mich sehr auf die Heimat.

Ich packe schon teilweise meine Sachen zusammen, da ich morgen in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen muss. Diesmal fahre ich aber nicht mit dem N'EX sondern mit einer anderen Bahngesellschaft direkt von Ueno aus. Dauert zwar länger, aber kostet auch deutlich weniger.

Diesmal verlaufe ich micht mehr in Shibuya und bin schneller in der Nähe des Dojos als ich dachte. Ich sehe ein Restaurant, dass mir gefällt und riskiere es einfach dort essen zu gehen, trotz meiner Sorgen wegen der Sprache. Es funktioniert aber ohne Probleme und ich kriege ein sehr leckeres Gericht mit superleckeren Soßen serviert. Gute Basis für das Training heute und mein eigener Mut macht mich stolz. Von diesem Erlebnis Tokyo lass ich mich nicht unterkriegen :)




Heute regnet es in Strömen und es ist trotzdem sehr heiß. Es entwickelt sich dadurch eine furchtbare Schwüle. Meine Klamotten kleben schon am Körper als ich am Dojo ankomme. Natürlich habe ich immer noch meinen lustigen, durchsichtigen Regenschirm und passe mich dadurch erneut der Bevölkerung an. Wenn ich nicht so groß wäre, könnte ich bestimmt in Tokyo untertauchen, haha.

In dem Shinto-Schrein gegenüber vom Dojo warte ich auf den Trainingsbeginn und schreibe ein wenig. Ich sehe viele Katzen, die wie ich vor dem Regen Schutz suchen. Es werden immer mehr! Die Atmosphäre durch den Regen ist sehr friedlich.




Das Training ist furchtbar schlecht. Es ist erdrückend heiß im Dojo und es herrscht keinerlei Luftzug der kühlen könnte. Der Schweiß fließt bei allen in Strömen. Einer der Iaidokas sagt alle 5 Minuten zu seinem Nachbarn wie heiß es ist (あつい!). Ich bin viel zu schnell total fertig mit der Welt. Meine Technik, meine ganze Konzentration ist vollkommen flöten gegangen. Dabei werde ich heute sogar verstärkt von Esaka-sensei trainiert. Dazu kommt noch ein anderer Japaner, der mich Anweisungen gibt, die ich zwar verstehe aber in seinen Augen wohl schlecht umsetzen kann. Er ist supernett und höflich aber auch sehr authoritär und er verliert wohl langsam die Geduld mit mir (das zeigt mir ein resigniertes Lächeln). Ich trainiere wie ein Anfänger, gebe aber nicht auf! Ich kann aber irgendwann nicht mehr. Daher gehe ich einfach kurz aus dem Dojo um einen Schluck zu trinken. Machen doch eh alle was sie wollen hier, das ist mir ja schon das letzte Mal aufgefallen. Ich fühle mich erwischt, als ein älterer Japaner mich fragt ob ich schon fertig bin (in gutem Englisch). Ich sage ihm, dass ich nur etwas trinken wollte weil es so heiß ist und ich beinahe umgefallen bin. Das war nicht gelogen, aber ich weiß genau, ich hätte das nicht machen sollen.

Am Ende des Trainings gebe ich Nashima-sensei mein Geschenk (Milka-Schokolade, eingepackt in Berliner Zeitungspapier) und er freut sich sichtlich darüber. Ich wünschte ich könnte besser mit ihm kommunizieren, aber ein Lächeln sagt doch mehr als 1000 Worte. Wir essen wieder alle in der Izakaya und nach ein paar kühlen Getränken geht es allen auch wieder besser. Vor allem Luke war ziemlich fertig, da er wie ein Tier trainiert hat bei der Hitze. Er hat schon eine merkwürdige Gestik und Mimik, als ob er dauerbekifft wär, dazu noch sein Kalifornischer Slang. Er ist schon ein richtiger Freak muss ich sagen. Vielleicht liegt's ja auch an seinem Lehrer aus San Fransisco? Von dem hab ich auch nich viel Gutes gehört.

Als ich mich von allen verabschiede, gibt mir Esaka-sensei Grüße an alle in Berlin mit. Seine Ratschläge an mich sind nicht besonders umfangreich. Ich habe eher das Gefühl, dass ich ihn heute beim Training nicht nur nicht beeindruckt, sondern eher enttäuscht habe. Er sagt ihr soll weiter fleißig trainieren und auf mich aufpassen. Er sagt relativ enthusiastisch: 元気! Luke übersetzt das mit "be healthy, be energetic" und mir gefällt das.

Radler oder Alster gibt es nicht in Japan, wohl aber in Singapur. Das erklärt mir Brian, der eigentlich von dort stammt und mittlerweile ein halbes Dutzend Sprachen spricht weil er so oft beruflich umzieht.

Laufe nachts noch ein letztes Mal durch mein geliebtes Asakusa. Ich hole die Porno-DVD nicht ab, fühle mich gar nicht danach. Ich sehe Unmengen von Müll in lauter Plastiksäcken vor den Restaurants und Geschäften. Japaner sind sehr sauber und es gibt nicht ohne Grund wenig öffentliche Mülleimer, aber trotzdem produzieren sie einfach krass viel Müll. Zum Glück wird wenigstens seit ein paar Jahren das Plastik getrennt.

Achja, mein Asakusa. Ich werde dich vermissen...