Saturday, 1 May 2010

7. Tag (Hamarikyu Park)

Chinesen sind recht laut morgens. In dem Zimmer gegenüber sind ein paar einquartiert und sie scheren sich zu keiner Urzeit darum wie ihr Lautstärke wohl bei anderen ankommt. Muss morgens einfach mehr essen, nicht nur nur Tee trinken (der ist wenigstens gratis im Hostel!). Gehe daher während meine Wäsche auf dem Dach gewaschen wird etwas einkaufen. Brauche unbedingt eine Sonnenbrille! Verdammt!!!

Heute steht wieder ein Treffen mit Chiaki an. Eigentlich wollten wir auf den Takao-san (高尾山), aber nachdem meine Knie ja nicht mehr zu gebrauchen sind, fahren wir mit dem Boot den Sumida Fluß runter zum Hamarikyu Park. Hoffentlich ist sie diesmal etwas entspannter. 

Hab ich eigentlich schon mal was zum Look der japanischen Mädels gesagt? Ein sozialwissenschaftlich Thema würde ich sagen, höchstinteressant. Selbst Kleinkinder werden bereits von ihren Eltern so merkwürdig angezogen! In Asakusa wo ich auf Chiaki warte, sehe ich tatsächlich ein kleines Kind was wie ein typisch japanisches Modepüppchen angezogen ist, fehlt nur noch die Schminke. Japaner mögen einfach Uniformen. Alle sind gleich und trotzdem individuell (denken sie). Im Laufe meiner Zeit in Tokyo sind mir mindestens 3 verschiedene Modetypen aufgefallen. Die flippig, durchgeknallte mit schrägen Accessoires und Frisuren, knalligen Farben und gewagten Klamotten. Dann die super schicke Lady ala Paris Hilton, mit perfektem Styling und teurem Schnickschnack von D&G und anderen Marken. Außerdem noch der Sommertrend 2010, die verträumte, französisch angehauchte Blumenfrau mit Hippiespuren, großen geflochtenen Sommerhüten und starkem Augen Make-up (2m lange Wimpern!). Achja, und natürlich der Gothik-Emo-Ugly Style, den ich aber nicht so oft gesehen habe, da scheinbar weniger alltagstauglich und eher für Party oder Weggehen gedacht. Off topic: mir fällt auf, dass die Japaner sich beim warten so hinhocken als würden sie kacken. Bei uns würde das eher mißtrauisch beäugt werden, hier ist das aber ganz normal. Ich wünschte ich hätte japanische Knie.

Ich könnte schwören ich habe gerade Thomas Gottschalk in Asakusa gesehen!!! War so ein großer Typ im schicken Anzug. Könnte aber auch sein Bruder gewesen sein.

Ein paar Jugendliche kommen auf mich zu und ich soll für sie Bier bzw. dieses Fake-Bier testen. In Japan gibt es nämlich auch Bier, dass gar kein Bier ist. Ich habe aber nur Bier getrunken, das gute Asahi vor allem, dessen Hauptquartier rein zufällig genau in der Nähe meines Hostels ist. Ich gebe den neugierigen Jugendlichen meine Meinung zu dem komischen Bierverschnitt und am Ende gibt es (natürlich) ein gemeinsames Foto. Chiaki kommt just in diesem Augenblick und die Situation ist mal wieder recht lustig.

Chiaki und ich stellen uns dann an der Schlange zum Boot an und hinter mir steht plötzlich dieser Gottschalk-Typ! Ich spreche ihn an und es ist tatsächlich der Bruder, Christoph Gottschalk! Lustig, wen man so alles im Urlaub trifft! Als ich ihn frage was er hier so macht, haut er raus "Na Wetten Dass verkaufen natürlich, trotz Urlaub." und feixt sich einen. Seine Begleitung ist ein hagerer deutscher Businessmann, sind wohl befreundet. Beide haben wirklich schicke Anzüge, muss man schon sagen. Die Fahrt zum Park führt uns an weniger schönen aber trotzdem recht beeindruckenden Wohnblöcken der Stadt vorbei. Wer will da bloß leben, denke ich mir dauernd. 





Tokyo Tower im Hintergrund

Im Hintergrund ist die berühmte Rainbow Bridge zu sehen.

Mit Chiaki zu sprechen ist heute irgendwie anstrengend. Der Tag fühlt sich wie eine Pflichtveranstaltung an. Ich bin absichtlich zurückhaltend weil ich sie heute irgendwie als unangenehm empfinde. Das ist gar nicht ihre Schuld und macht mir letztendlich auch ein schlechtes Gewissen. Vor allem weil sie es doch nur nett meint wenn sie mich immer mal wieder fragt ob's mir gut geht mit den Knien (だいじょうぶ?). Ich versuche den Tag trotzdem zu genießen. 


Im Park ist etwas karg, aber sehr schön. Es ist alles sehr traditionell und simpel gehalten. Mir gefällt das sehr. In dem traditionellen Teehaus genehmigen wir uns einen richtigen Matcha (抹茶) und Okashi (お菓子), das sind kleine putzige Süßigkeiten aus Bohnenpaste, fast wie bei einer echten Teezeremonie. Ich versuche sie und die anwesenden Touristen zu beeindrucken indem ich versuche so lange wie möglich im Seiza zu sitzen, also dem in Japan üblichen Hocksitz. Naja, mit meinen Knieproblemen hält das auch nich besonders lang. Das lustige ist, dass Chiaki es auch nich wesentlich länger schafft und sich bequemer hinsetzen muss. Wir lachen beide darüber und meine Stimmung hebt sich durch das Ambiente und die beinahe authentische Umgebung deutlich. 




Rechts im Bild ist das Teehaus.








Der Hamarikyu Park wurde früher von der Kaiserfamilie zur Entenjagd genutzt. In Andenken an die Seelen all der getöteten Enten wurde ihnen zu Ehren irgendwann ein kleines Grab angelegt. Allerliebst sowas.




Am Ende schaffen wir es tatsächlich doch noch einen kleinen Berg zu besteigen. Es ist zwar nicht der Fujisan aber der kleinere Hügel Fujimisan tut es auch (Video).

Da der Tokyo Tower in der Nähe liegt versuchen wir unser Glück aber 45 Minuten Wartezeit sind dann nicht so der Hit und wir beschließen endlich was essen zu gehen. So langsam geht's nicht mehr richtig mit dem laufen. Ich bin ziemlich fertig. Tapfer sein Soldat!





  

Wir gehen Okonomiyaki (お好み焼き) essen, das ist sowas wie Pfannkuchen mit lauter leckeren Sachen, der auf ner heißen Eisenplatte direkt am Tisch gemacht wird. Das wollte ich schon immer mal probieren. Das Restaurant liegt irgendwie mitten in einem Kaufhaus. Wir müssen erst durch die ganzen lauten, grellen Verkaufsetagen um dann auf einmal in einem ruhigen, dunklen Restaurant zu sitzen. Ich bestelle Okonomiyaka nach Hiroshima-Art. In diesem Restaurant ist es etwas anders, da kriegt man schon das fertige Teil direkt an den Platz. Bei mir sind meinem Geschmack nach zuviel Zwiebeln drauf, aber ansonsten ganz gut.



Für Chiaki war der Tag bestimmt eine ganz tolle Sache. So mit nem Gaijin unterwegs zu sein, Fremdenführerin spielen zu dürfen und so. Das Foto, dass sie am Ende von uns beiden zusammen uuuunbedingt machen will, unterstreicht nur meine Theorie. Sie ist voll in Ordnung und ich bin ihr sehr dankbar für alles, aber ich bin trotzdem froh, dass die Exkursion vorbei ist, auch wegen meiner Knie und weil die Füße qualmen.

Der Tag ist noch nicht vorbei also mache ich ein kurzes Schläfchen und verbringe dann den Rest des Abends im Hostel. Über mir pennt jetzt AJ aus Arizona und wir kommen gut ins Gespräch. Er ist halt Ami und recht jung, aber offen und interessiert, einfach sympatisch. Man hat ja immer das tolle Thema der jeweiligen Japan-Erfahrungen. Ich bin neidisch auf seine Rundreise in Japan (mit Freundin) und er auf meine direkten Erfahrungen mit Japanern. Wir unterhalten uns viel über die emotionalen Eindrücke und merkwürdigen Unterschiede zwischen der Heimat und Japan. Wir amüsieren uns sehr, da irgendwie jedem die gleichen Sachen auffallen. z.B. das Japaner sich gerne anstellen, die Suffköppe nachts in der Bahn, die Freaks und die schlechten Zähne der Mädels. AJ will das Land wirklich kennenlernen, vor allem aber die alten, traditionellen Aspekte. Das macht ihn mir sehr sympatisch. Später kommt noch Eddie aus Brighton dazu und die Unterhaltung wird irgendwie anders. Eddie ist irgendwie der volle Japan-Tourist. Er hat sich schon diverse T-Shirts und Mangas gekauft und wird morgen mit seiner Crew erstma konkret ins nächste Maid-Café einmarschieren. Darauf steht er ja total sagt er, haha.

Natürlich sind Eddie, AJ und ich allesamt in der IT tätig........natürlich.......

Frage mich wie ich die restliche Woche noch rumkriegen soll. Bin gespannt auf Mizukis Cousin morgen, wird wohl etwas freakig werden, oh dear...