Tuesday, 4 May 2010

9. Tag (Kichijoji mit Noe)

Langsamer Morgen...ist wichtig. Das Knie ist nicht besser, daher trage ich lieber meine Knieschoner vom Training für den Tag. Sicher ist sicher.

Heute treffe ich mich mit Noe in ihrer Gegend namens Kichijoji (吉祥寺). Sie ist in meinem Alter und von Beruf richtige Fotografin. Dementsprechend krass beeindruckend sind natürlich auch ihre Bilder. Sie war schon in New York und anderen Orten der Welt. Sie ist sehr weltoffen habe ich das Gefühl, ganz zu schweigen von nett und auch hübsch. Irgendetwas an ihr ist sehr faszinierend und ich freue mich auf das Treffen.

Auf dem Weg nach Kichijoji (was für ein Zungenbrecher übrigens) meldet sich Kaori. Na toll, erst meldet sich gar keiner und jetzt alle auf einmal. Vielleicht gehe ich später noch da hin. Die Sonne brennt heute sehr. Ich hätte bestimmt bessere Laune mit ner Sonnenbrille. Heute sind auch noch mal mehr Leute unterwegs habe ich das Gefühl. Viele Chinesen und Koreaner plus die japanischen Touristen natürlich. Es ist ja Golden Week. Die meisten sehen so verloren aus wie ich am Anfang, hihi.

Kichijoji besteht scheinbar nur aus einem riesigen Einkaufszentrum. Es ist unglaublich voll und zur Feier des Tages haben die Betreiber auch richtig Programma aufgefahren. Es gibt mehr Schuhläden als in Deutschland, verrückt. Ich guck erst gar nicht nach Schuhen, denn Schuhgröße 46 werden die hier bestimmt nicht haben. Die Shoppingmalls sind aber ganz angenehm letztendlich. Nich so schlimm wie sonst, trotz der vielen Menschen.

Sake, alles Sake!!

Ich habe endlich eine Sonnenbrille gefunden!!!! FUCK YEAH!!!!!
Äh, sie ist aber grün. Ab jetzt seh ich halt Japan grünstichig, aber deutlich entspannter. Meine Laune klettert auf einen Schlag 25 Prozentpunkte nach oben. Wenn jetzt noch die Knie wieder fit wären, würde ich glatt wieder richtig happy durch die Stadt laufen.

Noe ist super nett und eine sehr angenehme Gesprächspartnerin. Sie hat eine recht erotische Stimme und ihr Englisch ist auch super eigentlich. Ihr Lachen steckt total an. Sie fragt extrem viel und direkt. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt in Japan. Als sie mich sogar nach meinen Träumen fragt, sag ihr mal kurz, dass ich denke, dass sie da ein bisschen zu neugierig ist. Ausländer könnten da komisch reagieren, ich meine es nur als nette Warnung damit sie nicht auf die Nase fällt. Sie ist auch eine touchy person, was ich anfangs erst als offensichtliche Zuneigung auslege, sich dann aber später einfach als ihre Art herausstellt. Ihr Freund ist übrigens aus Kanada, teils Indisch oder Pakistani glaub ich. Wir können sehr offen über alles reden. Man merkt es einfach, sie gehört in die Welt da draussen. Sie fühlt sich nicht frei sondern eingeengt in Japan. Kein Wunder bei all den gesellschaftlichen Hürden und Grenzen, vor allem für Frauen, sowohl Privat als auch im Beruf. Wir reden viel über unsere Partner und wie es ist eine(n) Ausländer(in) als Freund(in) zu haben. Es ist sehr angenehm mal meine Sorgen und Befürchtungen mit einer so verständnisvollen, lustigen und intelligenten Person zu teilen. Oh Mann, hab ich mich etwa schon in die Frau verguckt?!



Wir latschen in den Inokashira-Park (井の頭恩賜公園) und sehen aus wie ein Päärchen. Wir feixen darüber als wir es bemerken. Irgendwie sehe ich in Tokyo ne Menge Paare wo der Mann Ausländer ist und die Frau Japanerin. Meine Japanischversuche scheitern kläglich. Ich geb's einfach auf für die Reise! Aber die Unterhaltung läuft auch in Englisch ganz super. Wir gehen erstma was in einem Thailändischen Restaurant trinken. Ich probiere Singa-Bier und Eiscreme aus Grünem Tee, sehr lecker.


トトロ

Im Park ist auch das Ghibli-Museum, aber mir sagt das nicht wirklich etwas. Ich kenne zwar ein paar Ghibli-Filme wie Nausicaä und liebte sie vom ersten Moment an, aber in das Museum wollte ich nicht gehen. Man hätte auch eh vorher die Tickets reservieren müssen. Als sie mir Totoro zeigt, kann ich nur mit Schulter zucken.
(Anmerkung vom 07.12.2010: Mittlerweile kenne ich die wichtigsten Filme und bin mir der Bildungslücke peinlich bewusst)








Es war ein toller Nachmittag mit Noe und ich hoffe sie schafft es nach Kanada und dass ihr Freund kein Arschloch ist. Als ich sie nach Berlin einlade, was für mich reine Formsache und Nettigkeit ist, sehe ich eine komische Reaktion in ihrem Gesicht, die ich nicht verstehe. Sie sieht aus wie der Ausdruck eines unerfüllten Wunsches oder die überwältigende Reaktion auf mein Angebot. Wer weiß, wer weiß...

Das Treffen danach mit Kaori und ihrer Freundin in Shibuya hätte ich mir sparen sollen. Wir haben nur irgendwo gewartet und ich wusste anfangs gar nicht was überhaupt geplant ist. Einfach nur mit nem Gaijin abhängen und nix tun ist vielleicht für die lustig, aber nicht für mich. Immerhin kann sie besser Deutsch reden als letztes Mal. Wir haben eigentlich auch ein nettes Gespräch, aber ihre Freundin traut sich anfangs nicht mal mich anzuschauen, zu schüchtern ist sie. Ich gehe dann irgendwann weil noch ne Stunde warten einfach nicht in die Tüte kommt! Ich wollte doch eigentlich mal richtig saufen gehen!!!

Der Lichtblick kommt prompt. Mein Kumpel Andrew hat am Donnerstag abend Zeit!! YESS!!!!!