Monday, 9 May 2011

10. Tag (Fushimi-Inari Schrein)

Sonntag. Ich schreibe das hier ganze 2 Tage später und muss Robin fragen was wir eigentlich in den letzten Tagen gemacht haben. Ich muss sogar anhand der Fotos mein Erinnerungslücken stopfen. Irgendwas ist hier verhext, die Stadt fühlt sich komisch an.

Ich weiß nur noch, dass wir auf den Berg des Fushimi-Inari-Schrein (伏見稲荷大社) gestiegen sind, der berühmte Schrein mit den ca. 1.300 Torii (keine Ahnung woher ich die Zahl habe). Ich dachte zwar nicht, dass es soweit oben liegt, komme aber gut hoch (hab ich schon erwähnt, dass ich meine Schuhe liebe?!). Der Weg ist jedoch ziemlich lang und es kommt uns vor als ob es kein Ende nimmt. Robin ist fix und alle, schlägt sich aber wacker. Zum Glück gibt es selbst hier auf dem Weg überall Getränkeautomaten oder kleine Geschäfte.





Oben angekommen bietet sich uns ein interessanter Blick über Kyoto. Diese Stadt ist gänzlich anders als Tokyo, fast wie eine Geschwür aus Stahl und Beton in einem grünen Tal. Trotzdem wirkt es still und fast verzaubert.


Es geht eigentlich noch weiter hinauf und wohl auf der anderen Bergseite wieder runter, aber wir beide passen. Als Belohnung für das Fitnessprogramm gönnen wir uns japanischen Barbeque, gleich in der Straße zum Hostel. Die Kellnerin ist hübsch (fällt mir natürlich als erstes auf), hat aber ein Lächeln, das wie in ihr Gesicht gemeißelt ist. Als ich auf Japanisch ein üppiges セット (Set) bestellen will, geht sie erst zu ihrem Kollegen und ich kann erkennen, dass irgendwie keiner der beiden Bock auf diese große Variante haben. Sie erklärt mir also, dass es nicht geht. Ich frage dreisterweise zurück 「ありません?」 (nicht da?). Sie bestätigt das brav. Ich frage erneut 「ほんとう?」 (wirklich?) und plötzlich sehe ich den Ansatz eines genervten Zuckens in dieser Skulptur eines festgefrorenen aber auch schönen Lächelns.

Wir bestellen also nur normales Zeugs und haben nach kürzester Zeit ganz plötzlich einen anderen Kellner, der auch ganz zufällig Englisch spricht. Ich würde sagen, ich habe erfolgreich eine japanische Kellnerin abgenervt und zur Aufgabe gezwungen, mwuahahahaha. Der neue Kellner scheint uns die ganze Zeit zu beobachten und quatscht uns mehr als einmal doof dazwischen. Das Essen ist aber herrlich, vor allem das eingelegte Rindfleisch. Wir bestellen fleißig nach und können uns kaum satt essen. 



Salat legt man wohl nicht auf den Grill, das teilt uns der Kellner noch mal eindeutig mit, haha. Am Ende werden wir meiner Meinung nach etwas mit der Rechnung beschissen, aber nur um 300円. Eigentlich schade, dass es solche coolen BBQ-Grills nicht auch bei uns gibt. Wahrscheinlich sind die Deutschen wieder zu bürokratisch was den Brandschutz angeht, gehe ich jede Wette ein.

Ich brauche mal Pause von Robin und quatsche später im Hostel mit Matze, von dem ich mir schon dachte, dass er Deutscher ist. Zufälligerweise bin ich gerade in einem Radio Fritz Shirt rumgelaufen, das hat ihm dann letztendlich verklickert, woher ich komme. Wie sich herausstellt, kommt er auch aus Berlin, genauer gesagt Weißensee/Prenzlauer Berg, ist 21 und seit Oktober 2010 in in Japan. Er bereist das Land mit dem Fahrrad und hat auf Shikoku bei einen buddhistischen Pilgerweg mitgemacht. Begonnen hat sein Trip in Japan mit der Arbeit im Khaosan Hostel in Fukuoka, was im Süden von Japan ist. Crazy Typ der Matze, total jung, heißspornig, unerfahren, aber eben auch ziemlich mutig wie ich finde. Es tut ihm sichtlich gut mal wieder mit Deutschen bzw. mit Berlinern zu quatschen. Er verfällt oft ins Japanische, was er ziemlich gut spricht (wobei er fast ausschließlich die informelle Form nutzt, die ich ja nich so bevorzuge). Wir reden über alles mögliche, aber natürlich vor allem über Japan und was wir damit verbinden. Weil wir Kerle sind, landet es auch recht schnell beim Thema Frauen. Die Inhalte kann ich hier natürlich nur bedingt wieder geben bzw. hab sie lieber gleich verdrängt, haha. Ich weiß nur noch, dass er leicht neidisch auf meine Erfahrungen mit meiner japanischen Ex im letzten Jahr ist, obwohl er doch selber gleich mehrere Mädels in Japan in der Mache hat!