Tuesday, 10 May 2011

11. Tag (Nagoya und Gaijins want to party)

Einen Tag vorher habe ich bereits Platzreservierungen im Shinkansen gemacht und um 9:26 sitzen wir daher wieder bequem im Zug nach Nagoya (名古屋). Ich esse ein recht merkwürdiges Bento zum Frühstück, bin danach aber gut gesättigt. Heute soll es überall recht warm werden, aber eigentlich auch bewölkt. Den Wetterberichten kann man hier nicht trauen denn es ist letztendlich brüllend heiß in Nagoya und der Himmel die meiste Zeit absolut klar.

Nagoya scheint eine reiche Stadt zu sein, alles ist großzügiger gebaut, von engen Gassen keine Spur. Selbst die engeren Gassen sind noch riesig breit und extrem sauber. Die Leute sind luxuriöser angezogen und alles sieht nach Geld aus.




Wir besuchen das Nagoya-Castle (名古屋城, Nagoya-jo). Eine Affenschande, dass es 1945 so kurz vorm Ende des Krieges von den Amis komplett zerbombt wurde. Aber die Japaner sind ja bekanntlich gut im Wiederaufbau, daher hat die Burg jetzt sogar einen Fahrstuhl! Klingt komisch, ist aber so...




Ein vertrockneter Garten auf dem Burggelände.

Wir machen ganz langsam. Geht bei der Hitze auch gar nicht anders. Das Burggelände bietet nur wenig Möglichkeiten um sich in den Schatten zu verziehen. In einem Unterstand, der ganz romantisch Ausblick auf einen vertrockneten Tümpel bietet, sitzt leider bereits ein Pärchen. Uns aber egal, wir sind fertig von der Sonne und pflanzen uns einfach ebenfalls hin. Ein klein wenig unangenehm ist es ihnen schon, aber ich denke es ist vielleicht eh das erste Date und beide sind ein wenig unsicher. Vielleicht ist es aber auch ein ganz normales Date in Japan, einfach anders als bei uns. Sie sitzen aber verdächtig nah beieinander, das sagt schon viel aus! Wir lassen sie machen und chillen etwas. Als ich mal den Blick auf die beiden werfe liegt sein Kopf auf ihrer Schulter und er pennt einfach mal! Absolut witzig das Bild. Ich glaube er schnarcht sogar. Sie sieht überhaupt nicht aus als ob sie das stören würde, im Gegenteil, ich glaube sie findet die Nähe und das Vertrauen schön. Aus Respekt vor dem Anbändeln der beiden und weil wir wieder Kräfte gesammelt haben, ziehen wir dann irgendwann wieder ab und begeben uns auf Nahrungssuche.



Wir folgen Misakos Empfehlung und hauen unser Geld für ひつまぶし (hitsumabushi) im teuren Einkaufszentrum der Upper Class "La Chic" raus. Das Restaurant ist sehr nett, nur die Musik nervt etwas. Auf Japanisch bestellen klappt wieder wunderbar. Ich fühle mich underdressed, die anderen Gäste, vor allem die Frauen, sind ziemlich posch und fancy angezogen. Misako hat wieder mal ihren erlesenen Geschmack demonstriert. Denn das Essen ist auch superlecker, scheiß auf's Geld!


Hoffentlich ist auch bald welches auf dem Kreditkartenkonto, sonst wird es hier etwas stressig. Eigentlich hab ich die Finanzen gut im Griff und entsprechend hin und her geschoben, aber wir sind doch etwas spendabel mit dem Geld und verlassen uns auf die Reserven auf meinen Konten.


Wieder in Kyoto und im Hostel gehen wir abends zusammen mit Matze und Wolfram (dem Inbegriff eines Spießers aus Bonn, zumindest in Aussehen, Sprache und Gestik) Party machen. Wir versuchen es zumindest. Sander aus Holland habe ich noch ganz vergessen, mit ihm verstehe ich mich ganz gut. Wir quatschen über Objektive und Fotomotive. Er ist quasi ein richtiger Fotograf obwohl er noch super jung ist und hat diverse Kameras und Objektive dabei. Er spezialisiert sich auf Timelapse-Fotos bzw. -Videos. Er kommt aus der Nähe der deutschen Grenze und versteht daher recht gut Deutsch. Er ermutigt uns immer Deutsch zu sprechen und nicht Englisch, was wir ganz witzig finden. Sein Englisch ist übrigens der absolute Brüller. Er spricht rasend schnell und hat für einen Holländern ne Menge Slangworte, die aber einfach zu ihm passen irgendwie. Mit ihm zu sprechend bzw. ihm zu folgen ist eine Herausforderung, die sich aber lohnt zu meistern, denn er steckt voller Ideen und kreativer Energie. Das Geilste ist, dass er nach Sichtung meiner Fotos vom Fushimi-Inari Schrein unbedingt auch dort Fotos machen will und zwar sofort. Also schicke ich ihn bereits im Dunkeln auf dem Weg und er begibt sich alleine mit seiner Ausrüstung auf die Jagd nach Inspiration. Was'n Typ, haha.

Unsere Kneipentour ist sowieso eher ein Reinfall, er hat nichts verpasst. Es ist halt Montag und die Golden Week ist vorbei. Also eher tote Hose in Kyoto. Die Läden in die uns Matze schleppt sind eher mau, aber wenigstens kann ich mal wieder Vodka trinken. Wir quatschen viel über japanische Sprache und Gepflogenheiten. Je bierseeliger es wird, desto öfters habe ich das Gefühl, dass Matze insgeheim nicht so viel Respekt vor den Japanern und ihrer Kultur hat, trotz seiner vielen Erfahrungen. Oder vielleicht auch gerade deswegen? Ein paar seiner Stories sind schon harter Tobak, da denkt man schon, dass der eine oder andere Japaner echt nen Ding an der Waffel hat. Andere Stories sind aber wieder herzallerliebst, z.B. von dem Japaner im Park, der ihn einfach anquatscht und mit nach Hause einlädt, einfach so, ohne Hintergedanken, ein Fremder! Echte Gastfreundlichkeit, hier gibt es sie noch! Naja jedenfalls versucht Matze schon ganz klar in Japan Frauen aufzureißen, aber vielleicht ist es auch einfach eins dieser Männergespräche wo jeder ein bisschen dicker aufträgt ;)

Wir landen irgendwann in einem absolut leeren Club für 500円 nur für den Freidrink. Ladies kommen heute umsonst rein, aber es fehlt von ihnen jede Spur. Es gibt sogar extra reservierte Plätze für die Mädels. Da weder Typen noch Mädels im Club sind, setzt sich Matze demonstrativ auf die gemütlichen Frauenplätze und wird wie erwartet prompt vom Türsteher verscheucht, vollkommen ungeachtet der gähnenden Leere. Typisch Japanisch halt. Definitiv unterhaltsam. Aber das war auch schon das einzige Highlight im Club, vielleicht bis auf den alleine vorm Spiegel tanzenden Typen, der sich wohl ein bisschen sehr geil findet. Unterwegs schafft es Matze immer wieder halbwegs hübsche Japanerinnen anzuquatschen, das kriegt mit seinen Sprachkenntnissen super hin. Nur meist kommt es über die anfängliche Überraschung der Mädels nicht heraus und außerdem sind Flyerverteilerinnen an sich schon schwer rumzukriegen.

Ganz am Ende des Abends trinken wir noch Bier im Hostel und benehmen uns wie richtige Touristen. Die Sache mit Sae klärt sich übrigens so, dass sie angeblich dachte, ich will was von ihr und sie mir daher eigentlich auch nur ihre Freundin Eli bekanntmachen wollte.....wer's glaubt!! Da ich nicht weiß wie ich Sae stecken soll wie sehr sie mich abtörnt, sage ich halt die Wahrheit über Eli und auf einmal passt es ganz genau. Japanisches Schlupfloch, jeder hat sein Gesicht gewahrt und keinem wurde weh getan. Wir verabreden uns also wieder zu viert zu einem erneuten Treffen am Dienstag. Irgendwie freue ich mich drauf aber gleichzeitig klingt es jetzt schon nach Stress.