Friday, 13 May 2011

14. Tag (Zurück nach Tokyo und Kurzbesuch in Kamakura)

Yeah, heute geht es zurück in die "Heimat" !! Da ich es eh schon nicht mehr erwarten kann abzuhauen, bin ich schon sehr früh wach. Das Bild was sich mir im großen Aufenthaltsraum zeigt, spricht wieder Bände. Der halbe Cleaning Staff pennt auf den Sofas und Sitzkissen, auf den Tischen leere Flaschen und Dosen. Ich kann also als Gast nicht mal in Ruhe TV gucken oder mich überhaupt im Raum aufhalten ohne jemanden aufzuwecken. Saftladen! Bevor ich gehe, teile ich der vollkommen harmlosen und unschuldigen Frau vom regulären Staff meine Unzufriedenheit mit. Tja Pech für sie, der Manager ist halt noch nicht da. Keine Ahnung ob sie das weitergibt, aber ihr Kollege sah zumindest interessiert aus und hat ganz große Augen gekriegt.

Die Fahrt nach Tokyo ist unspektakulär, aber die Berge sind schön. Der Nebel wabert an den Hängen. Ich kann im Zug gut schlafen. Robin kann mittlerweile in jedem Verkehrsmittel pennen. Wir freuen uns sehr, als wir wieder in Tokyo sind.





Izumi und Rintaro vom Khaosan Samurai amüsieren sich über die Kyoto Hostel Geschichten. Ich sage ihnen ganz direkt, dass mir ihr kleines Hostel immer noch am liebsten ist. Mein Talent Komplimente zu machen aber auch Menschen auf den Schlips zu treten ist gleichermaßen verteilt, wie es scheint...

Weil es zu schade wäre es nicht zu tun, fahren wir noch mal nach Kamakura und besuchen Chikako-san. Wir treffen uns am Bahnhof und gehen zusammen etwas einkaufen. Natürlich hat sie den Kleinen, Keisuke dabei, der mittlerweile wild am brabbeln ist. Ach es ist so angenehm bei denen zu Hause. Es gibt Tee und Mochi und ich mag kaum glauben wie entspannt und heavy ich bin im Vergleich zum letzten Jahr. Zerstört war ich damals, jetzt aber fest und beständig. Keisuke ist sooo niedlich und lustig! Er quatscht mit 2 Jahren bereits ne Menge und witzigerweise verstehe ich ihn sogar. Irgendwie sind wir zwei Gaijins aber zu langweilig und er pennt entgegen seiner Gewohnheiten ein. Ist aber ganz gut, so hat Mami mehr Zeit zum quatschen. Sie erzählt mir von großen, teils dramatischen Veränderungen im Dojo bzw. in der Iaido-Organisation. Esaka-sensei will tatsächlich aus dem ZNIR (Zen Nihon Iaido Renmei) austreten! Er tut dies aber aus Überzeugung und kommt damit nur einer abgekaterten Sache zuvor. Der Plan für eine neue Organisation mit internationalem Charakter steht schon. Bin gespannt was da noch alles passiert.
Ich sehe immer mehr wie unbedeutend das Dan-System im Iaido eigentlich ist. Mit Geld ist in Japan auch ein Dan einfacher zu kaufen als bei uns. Dan = Können = Respekt? Ich glaube nicht. Ich bin einfach froh dabei sein zu sein und Iai zu machen. Die Überwindung des eigenen Egos, des Verlangens, der Fehler, was kann buddhistischer sein als das? Ich sehe mich auf dieser Reise dem Buddhismus immer mehr verbunden. Auch wenn ich mich keinem Glauben oder Ritualen unterwerfen möchte, so sehe ich doch wie sehr auch die Japaner Buddha verehren, und das nicht ohne Grund. Der Gedanke mißfällt mir nicht mehr etwas "buddhistisches" zu tun, was es auch immer sein mag am Ende des Tages.
Zurück zu unserem Gastgeber. Keisuke wacht irgendwann wieder auf und wir spielen etwas mit ihm. Die mitgebrachten omiyage kommen gut an (ein Berliner Bär für Keisuke, Haribo und andere Süßigkeiten für die Yokosawas), aber Chikako-san gibt mir mit auf den Weg, dass ich nicht allen sagen soll, dass sie Haribo mag sonst schwimmt sie irgendwann in dem Zeug, haha. Als sie uns dann noch freundlicherweise zum Flughafen fährt, sagt Keisuke ganz putzig auf Wiedersehen und bye-bye. Wie mir Chikako-san dann später mitteilte, war er dann ganz erschrocken, dass er das ありがとう (Dankeschön) vergessen hat. Müde und happy fahren wir heim und Robin ratzt wie immer.

Wir gehen direkt in die Bar und treffen zwar keine Izumi aber dafür John. Er ist Saxophon-Spieler und Englisch-Lehrer in seinen besten Jahren (Ü35, fast 40 glaub ich). Ich frage ihn über Jobmöglichkeiten in Japan aus. Hmmm, ich als Lehrer? Für Englisch?! In meinem Alter?!! Er würde es mir absolut zutrauen. Aber ohne entsprechende Ausbildung?! Man braucht nämlich mindestens einen Bachelor. Hmm, Mut zum Risiko? Muss mich in Deutschland mal informieren über dieses Assisstend Language Teacher Programm (ALT).