Saturday, 7 May 2011

8. Tag (Willkommen in Kyoto)

Wir schlafen bis ca. 8 Uhr und brechen gegen 9:45 Uhr um unseren 11 Uhr Zug nach Kyoto zu erwischen. Mir läuft jetzt permanent die Nase und ich verbrauche Unmengen dieser schrottigen japanischen Taschentücher. Die bestehen aus einer fast hauchdünnen Lage, die gegen meinen europäischen Rotz so gut wie gar nichts ausrichten können. Es nervt so ab! Es läuft und läuft. Ich kaufe zur Sicherheit die Großpackung.

Shinkansen fahren ist wie immer purer Luxus. Die Beinfreiheit ist üppig und man fühlt sich wie in der 1. Klasse. Wie die dann wohl erst aussieht. Wir verwechseln anfangs unsere Sitze mit einer kleinen Familie. Ich zeige ihnen meine Reservierung (die von vor 2 Tagen!) und damit laufen wir erst mal alle falsch, um dann am Ende doch wieder neben ihnen Platz zu nehmen. Die denken auch wir sind grenzdebile Gaijins, die nicht mal Zugreservierungen kapieren...

Keine besonderen Vorkommnisse sonst. Robin pennt, ich stopfe mir irgendwann die Nase komplett mit Taschentüchern zu und schreibe etwas im Tagebuch. Die Familie neben uns ist allerliebst. Sie essen genau wie wir Bento, welches wir am Bahnhof gekauft haben. Es gibt sogar welches, dass man mit irgendwelchen Tricks erhitzen kann. Zauberei!

In Kyoto ist ab der U-Bahn wieder alles komplett neu. Wenig oder nur klitzeklein geschriebenes Englisch an den Schildern. Ich blicke nix, fast wie in Tokyo im letzten Jahr. Meine Suica-Karte geht nicht, der Automat hat überhaupt kein Englisch und ich kann meinen Rucksack langsam nicht mehr tragen. Die Erkältung fordert langsam ihren Tribut. Zum Glück haben wir die Erklärung vom Hostel und laufen sicherheitshalber die einfache, aber ewig lange Strecke zu Fuß. Letztendlich kommen wir auch richtig an. Das Khaosan Kyoto ist riesig! 4 Stockwerke, eine Riesenlobby und Küche/Aufenthaltsraum. Ziemlich Porno das Ganze aber weniger kuschelig als in Tokyo. Das Ding hat sogar einen Fahrstuhl!!

Wir machen kurz Pause und versuchen uns dann nach Gion bzw. auf die Suche nach etwas Essbarem aufzumachen. Beides scheitert furchtbar, einfach weil ich keine Kraft mehr habe und trotz Karte komplett die Übersicht verliere. Kyoto hat eigentlich ein ganz einfache Rasterstraßensystem, aber ich kann nicht mehr und gebe auf. Am Ende sind wir "nur" im Kreis gelaufen, deja-vu.

Randbemerkungen zur näheren Umgebung unseres Hostels:
  • exzellenter 24h Supermarkt und mehrere Konbini in Reichweite
  • verschiedenste Restaurants in der Nähe laden zum ausprobieren ein
  • schräg gegenüber ist sogar eine Bar
  • und direkt nebenan ist ein Buch-/Anime-/Pornoladen

    Die Leute bzw. Frauen in Kyoto sehen irgendwie anders aus, kleiden sich auch anders. Nicht so schrill und hip, eher gediegen aber auch schick. Ich würde nich Anmut sagen, aber irgendwas ist grundlegend anders glaube ich. Es sind weit mehr Ausländer unterwegs und wir fallen gar nicht auf. Ich vermisse fast die Blicke. Es gibt Unmengen an Autos und Bussen, aber keine Hochhäuser. Ein Gewusel wie man es in Japan eigentlich gewohnt ist, nur diesmal ist es wieder ganz anders, schwer zu beschreiben. Mein Gehirn schaltet auch irgendwann ab und kapituliert. Um nicht gänzlich einzugehen gehen wir wieder in ein Automatenrestaurant (すきや) und ich bestelle mir eine Riesenportion Fleisch mit ganz viel Brühe. Robin nimmt irgendwas mit Käse.




    Kann danach trotzdem nicht mehr. Kaufe Aspirin (das einzige Medikament was ich in Japanisch bestellen kann) um das Fieber zu senken und schlafe einfach.

    Willkommen in Kyoto...na das kann ja was werden...