Saturday, 30 April 2011

1. Tag (Anreise)

Der Wahnsinn beginnt von Neuem!

Robin und ich fahren tatsächlich nach Tokyo! Nach einem langen Hin und Her habe ich irgendwann einfach die Entscheidung gefällt: ja, wir fliegen! Ich erinnere mich gar nicht wann genau und warum genau, aber ich weiß, dass ein Großteil auf dem Ausblenden der möglichen Gefahren bestandt.
Letztes Jahr war ich schon gut vorbereitet, aber dieses Jahr bin ich das eben noch besser! Ich kann mehr Japanisch sprechen, mehr lesen (100% Steigerung, haha) und mehr verstehen. Mein Handy hat tausend Apps, u.a. den Safe Area Checker, um die aktuellen Radioaktivitätswerte in der Region abzurufen, weiterhin habe Robin und ich Rail Pässe (JR Rail Pass) und letztendlich verbringen wir fast die Hälfte der Zeit weiter südlich in Kyoto. Es sollte also alles mehr oder weniger glatt gehen...sollte...

Die Reise steht bislang sowieso unter einem, nein mehreren guten Sternen! Ich...habe...eine...verdammte...SONNENBRILLE!!!! Damit habe ich schon mal eine große Sorge weniger (und sie sieht sogar noch gut aus). Richtige Schuhe habe ich übrigens auch, so richtige Walking/Trekking-Schuhe von KangaRoos. Natürlich dürfen meine Altmänner-Einlagen nicht fehlen. Somit kann es dieses Jahr nicht wieder zu körperlichen Ausfallerscheinungen kommen. Mehr dazu siehe meine Blogeinträge vom letzten Jahr ;) Achja, das Beste, dass der Daft Punk Tron:Legacy Soundtrack im Onboard-Entertainmentsystem verfügbar ist! This voyage has been blessed.


Mit Aeroflot bzw. Russian Airlines fliegen ist besser als ich dachte. Der persönliche Service ist zwar mistig aber dafür ist der Flieger auf dem neuesten Stand der Technik: ich kann Pong zocken, hab nen USB-Anschluß und kann sogar ins Internet wenn ich ne Kreditkarte zücke, steht da jedenfalls. Auch das Essen ist richtig gut und reichhaltig.  Aber die russischen Stewards schiessen echt den Vogel ab. Schnauzen tatsächlich nen Fluggast an, weil er aus Versehen den Rufknopf statt der Lampe gedrückt hat. Auch die Stewardessen (oder heißt das jetzt Flugbegleiterinnen?) ziehen eine Fresse vom Feinsten. In Russia, service flies you.

Beim Landeanflug sehe ich den Fuji-san (富士山)!! Ein besseres Omen kann es gar nicht geben (Anmerkung: letztes Jahr habe ich verzweifelt versucht einen Blick auf ihn zu erhaschen). Am Flughafen wuchten wir unsere Wanderrucksäcke über und nach einer Zigarettenpause für Robin geht es los.

Zum Hotel zu finden klappt diesmal sowas von gut, selbst als wir uns abhetzen müssen, um den letzten N'EX (Narita Express) zu bekommen. Dank Rail Pass kostet uns das Ganze nur ein Lächeln.


Im Zug sind wir komplett allein und versuchen erstma runterzukommen. Robin ist happy aber auch fertig vom Jetlag. Ich merke ihn auch etwas, bin aber noch relativ fit. Alles was mir vor etwa einem Jahr bei meiner Japanreise wiederfahren ist, sehe ich nun in Robin. Tja und diesmal kann ich das sogar alles visuell dokumentieren :)


In Asakusa angekommen, nutzt Robin wie so oft in den folgenden Tagen eine der Rauchermöglichkeiten und mischt sich unter die qualmenden Japaner. Ich sehe zum ersten Mal eine Gruppe von Menschen, die für die Opfer des Erdbebens sammeln. Ein Japaner in gelber Jacke spricht mich an und ich lehne ab etwas zu spenden. Nicht weil ich nicht will, sondern weil ich schon viel in Deutschland gespendet habe (was ich ihm auch auf Englisch sage) und weil ich doch arg unter Jetlag leide und irgendwie nur noch ins Hostel will.


Im Khaosan Samurai Hostel angekommen gleich die erste freudige Überraschung. Takako-san sitzt am Empfang und beim Eintreten sehe ich sofort, dass ich ihr scheinbar bekannt vorkomme, sie sich aber nicht sicher ist. Sie ist wie immer zuckersüß und ich gebe mich ihr quasi irgendwann zu erkennen, als sie uns über die Gegebenheiten im Hostel informieren möchte. Wie unglaublich leicht auf einmal alles ist; reden, fragen, charmant sein, japanisch reden und verstehen, einfach sorgenfrei kommunizieren. Wir kriegen ein eigenes Doppelzimmer ohne Aufpreis, saucool! Ich fühle mich wie bei Freunden angekommen und das liegt nicht nur an Takako.

Als erstes latschen wir nach Asakusa bzw. zum Kaminari-mon und Senso-ji Tempel. Dort löse ich gleich mein Versprechen ein und mache Fotos für meinen Kumpel Daniel aka DJ Raw D und seine Partyunternehmung "Der Bass macht den Beat" (DBMDB). Die T-Shirts haben wir gratis bekommen und mein Plan war es diese in Japan schön in Szene zu setzen. Die Nakamise-dori ist wieder mal brechend voll, aber ich fühle mich gleich richtig wohl.






Danach wird geplegt bei Yoshinoya gegessen und wieder Richtung Hostel losgemacht. Wir sind echt fertig, der Jetlag haut rein. Mehr als 4 Stunden pennen geben wir uns aber nicht. Aufstehen ist hart aber wir sind härter!

In Asakusa sind um 20 Uhr leider bereits die Bürgersteige hochgeklappt. Nur ein paar Gruppen angetrunkener Japaner laufen noch umher (man hört sie meilenweit). Ich zeige Robin den Rockza Stripclub (hmja, leider nur von aussen) und sehe ein bekanntes Gesicht. Es ist die Pennerin mit der Tiara, die wohl gerade in eine Ecke schifft (!!).



Naja, es gibt eigentlich nicht viel zu sehen um diese Uhrzeit und wir gehen in die Khaosan-Bar, um unseren gratis Begrüßungs-Sake zu kippen. Auch wieder ein Ort, an dem ich mich sofort wieder wie zu Hause fühle, trotz der Enge. Es sind natürlich ein paar andere Ausländer anwesend. Die Amis gehen mir irgendwie sofort auf den Sack als ich ihr furchtbares Kaugummi-Englisch höre und was sie so teilweise von sich geben ("it's like, oh my god, so awesome, I totally love it, I know right?").


Izumi-san steht hinter der Bar. Sie ist relativ neu bei Khaosan und macht ihre Sache super gut. Eine perfekte Bartenderin; sie verwickelt uns gut in Gespräche und sie spricht Englisch mit britischem Akzent, da hat sie bei mir schonma gewonnen). Wir quatschen mit den anderen Ausländern (Briten) über dies und das, nur nicht über das Offensichtliche (nämliche Fukushima). Takako kommt später auch dazu und ich freue mich wirklich sehr mit ihr (endlich) mal näher zu quatschen. Ich glaube wir haben einen Draht zueinander (z.B. religiöse Ansichten). Izumi denkt ich sehe aus wie Harrison Ford (wtf?!) und empfiehlt uns einen Technoclub (Womb in Shibuya oder Shinjuku). Sie war wohl auch schon mal in Berlin und liebt die Technoszene dort. Sie erzählt, dass die Mädels der japanischen Poptruppe AKB48 13 oder 14 Jahre alt sein sollen?!?! Das wäre schon ein bisschen krass...definitiv zu jung, um sie eigentlich cool zu finden... In den ganzen Gesprächen wird irgendwie auch wieder deutlich wie gering das Selbstbewußtsein der japanischen Frauen ist. Generell können sie sich wohl nur bei Ausländern wirklich frei geben...und mit frei meine ich ein bisschen verrückt, haha



Nach ein paar Bier fallen wir tot ins Bett. Die Fotos für DBMDB schicke ich quasi im Schlaf ab.