Saturday, 14 May 2011

15. Tag (Der letzte Tag, das letzte Training, das letzte Bier)

Letzter Tag in Japan vor der Abreise = letztes Training. Außerdem: Shoppingtag!

Es geht früh los zum Budo-Shop Sakuraya in Chiyoda. Ich sage brav, dass ich vom Esaka-Dojo komme, aber meine Grammatik ist furchtbar. Die ältere Dame im Laden denkt natürlich erst, ich will ein Iaito kaufen, aber ich weiß ja genau was ich eigentlich will. Sie holt sicherheitshalber lieber doch einen jüngeren Japaner (im Anzug?!), der mir in Englisch weiterhilft. Ich gehe mit einer Schwerttasche aus Brokat, einem Seiden-Sageo und ner Jacke für Gunnar aus dem Laden, natürlich mit 10% Esaka-Dojo Rabatt. Feiner Laden, nette Leute.


In Asakusa shoppen wir weiter. Hauptsächlich Mitbringsel für Zuhause. Gleich am Metro-Ausgang finde ich (endlich) eine schöne Kette fürs Armgelenk für mich. Schon dezent aus Holz, echt schick. Hätte gleich mehrere kaufen sollen. Jetzt seh ich fast aus wie ein Buddhist, haha.
Nach und nach finden wir unsere Geschenke. Robin findet sogar eine pornöse Brieftasche. Asakusa ist und bleibt einfach einer meiner Lieblingsorte in Tokyo, trotz all der Touristen.

Wir gehen spontan Sushi essen, Kaiten-Sushi sogar. Das erste Mal in Japan überhaupt, dass ich Sushi esse glaube ich. Ich zahle für 5 Teller feinstem Fisch nur 670円 !!! Unglaublich eigentlich, hammergünstig! Ich zeige allen noch mal kurz, dass ich ein trotteliger Gaijin bin als ich vor Panik jemanden rufen will als es plötzlich Stau auf dem Laufband gibt. Ich dachte gleich fliegen alle Teller runter, aber falsch gedacht, das war alles Absicht, um neue Teller raufzustellen. Peinlich, peinlich...

Im Hostel begrüßt uns eine kranke, aber wie immer liebreizende Izumi. Manchmal weiß ich echt nicht ob sie flirtet, uns entertainen will oder wirklich einfach nur so superlieb und nett ist.

Ich breche recht früh zum Training auf und lasse Robin alleine im Hostel zurück. An der Ueno-Keisei-Line Station will ich Tickets für den Zug zum Flughafen für den nächsten Tag kaufen und platze in eine Art spontane Schwarzmarktaktion. Irgendein Ausländer hat zuviele Tickets gekauft und will sie wieder loswerden, aber ich reagiere zu spät und kriege nur die Hälfte ab. Letztendlich habe ich überhaupt keinen Vorteil davon, aber es war eine lustige Situation. Drei wildfremde Ausländer, die in Tokyo auf einer Station Tickets untereinander verscherbeln.

Ich fahre ganz nostalgisch mit der Yamanote-Line und setze mich in Shibuya am Hachiko erstmal etwas hin und schreibe Tagebuch. Ich habe noch Stunden Zeit, aber wo kann man besser 2 Wochen Japan ausklingen lassen als am Hachiko? Ich sehe wieder Tausende schöner Frauen, lustige Typen und viele Gaijin. Ich würde mich jetzt auch gerne mit Freunden treffen und ins Wochenende starten, so wie alle anderen auch. Ich werde etwas wehmütig weil all das bald wieder weit weg sein wird.

Den Weg zum Dojo finde ich diesmal ohne Probleme, ich weiß ja jetzt, dass die Stadtkarten an der Straße fast nie genordet sind. Unterwegs sehe ich bereits einen Iaidoka (Erkennungszeichen: schwarze Schwerttasche). Hah, das der Typ der letztes Mal so komisch locker trainiert hat und mir total unsympatisch war! Zufälle gibt's...
Aber diesmal liegen die Dinge ganz anders, ich bin anders. Er stellt sich als sehr nett und hilfsbereit heraus und spricht sogar gutes Englisch. Da wir beide zu früh dran sind, schauen wir uns das merkwürdige Training oder die Probe an, die gerade im Dojo stattfindet. Es scheint eine Sicherheitsfirma zu sein, die ihren Angestellten Disziplin einbläuen will. Das geht so: strammstehen, laut brüllen, verbeugen, immer und immer wieder. Der Chef oder auch Vorbrüller ist hammermäßig autoritär. Das Ganze nimmt fast militärische Züge an. Mir scheint, dass wer am lautesten antworten bzw. zurück brüllen kann weiter in der Rangordnung steigt. Die zwei Frauen in der Truppe scheinen nur genervt zu sein und machen nur halbherzig mit. Motivationstraining mit und durch Brüllen, ganz doll.

So sieht ein richtiger Dojo aus!

Tachigawa-san, so der Name des bereits erwähnten Iaidokas, macht mit mir alleine Ashisabaki (Fußtraining) und wirkt überrascht, dass ich die Lektionen und Übungen bereits kenne. Ich fühle mich irgendwie glücklich, Teil der Iaido-Gemeinschaft zu sein. Als der bzw. die Senseis kommen, wird es plötzlich hektisch weil ich ja gar kein Schwert habe. Ich dachte Yokosawa-sans Schwert nehmen zu können, so wie letztes Jahr, aber das war ein Irrtum. Ich bekomme einfach irgendein anderes (leider noch kleiner als letztes Mal). Diesmal werde ich nicht direkt trainiert, aber ab und an kommt Nashima-sensei, der mich auch gleich wieder erkannt hat, und Esaka-sensei vorbei und korrigieren mich.

Die Atmosphäre im Dojo diesmal ganz anders, es wird wirklich ernsthaft trainiert, trotz kleinerer Unterhaltungen am Rande. Das war letztes Jahr noch ganz anders, da hat jeder so ein bisschen hier und ein bisschen da trainiert. Jetzt kann man die Konzentration spüren und deutlich sehen. Ein junger Japaner wird von Esaka-sensei durchgehend im Befehlston angemacht, fast schön wütend angefahren. Er scheint ihn fördern zu wollen oder ist unzufrieden mit seiner Leistung. Bei mir ist der Sensei aber immer freundlich. Der andere Typ tut mir fast schon leid, denn sein Iai ist 100x besser als meins!

Ich kriege endlich raus, wer mich letztes Jahr trainiert hat. Es war Matsumoto-sensei! Diesmal aber bleibt er mir fern. Ein Typ kommt erst ca. 20 Minuten vor Ende des Trainings und darf zur Belohnung/Bestrafung die gemeinsamen Abschlußkatas und die Abgrüßung machen. Er macht viele Fehler und deswegen werden wir alle am Ende darauf hingewiesen gefälligst die Kommandos und Abläufe zu verinnerlichen, so dass wir sie ggf. auch selber ansagen können. Das Training war gut, ich habe Dinge an denen ich arbeiten kann und mitnehmen werde. Ich bin wegen des geplanten Interviews etwas aufgeregt. Brian erinnert sich an mich und wird übersetzen, da er perfekt Englisch und Japanisch spricht. Er wurde übrigens beim Taikai (Wettbewerb) von der kräftigen Nadine (aus Regensburg) besiegt. Er hat schon den 1. oder 2. Dan und sie musste ohne japanische Dan-Gradierung wohl gegen ihn antreten. Haha, voll unfair sowas, sie macht ja Iaido schon wesentlich länger.

Es geht wieder gemeinschaftlich in die Stamm-Izakaya und ich lege mit dem Interview los. Großartige Sache das, mal schauen was ich damit machen kann. Das Interview ist weniger journalistisch interessant als der Prozess an sich. Die Ansichten und Meinungen des Senseis sind immer wieder interessant. Nach dem Interview lässt sich der Sensei über die Freundschaft und Qualität des deutschen Iai aus.Er vertraut Gerald und Raymond als Lehrer und insbesondere an Gerald erinnert er sich in verschiedenen Geschichten. Ich erfahre viel über die deutsche Iai-Geschichte. Ich erzähle nochmals was ich vom verstorbenen Ishihara-Sensei gesagt bekommen habe und diesmal kommt es wohl bei Esaka-sensei an. Er ist sichtlich beeindruckt und sogar berührt, dass ich mich an solche Worte erinnern kann und sie auch weiter beherzige. Hmm, vielleicht wird es jetzt mal an mich erinnern wenn wir uns in Deutschland wieder sehen. Schön wäre es ja. Esaka-sensei ist übrigens auch Widder, so wie ich :)

Leider wechseln wir das Thema nich wirklich, es geht immer wieder darum wie toll wir Deutschen doch sind, wie loyal (wobei ich dazu sogar einiges erläutere) und wie ähnlich wir den Japanern doch sind in dieser Hinsicht. Eine gute Verbindung, fruchtbar und beständig, so drückt sich der Sensei aus und ich kann ihm natürlich nur Recht geben.
Es ist mir aber irgendwann peinlich, dass wir immer noch bei dem Thema sind. Das Ganze ist einfach zu idealisiert und entspricht nicht unbedingt den Tatsachen. Luke sieht auch schon etwas abgenervt aus.

Um 22 Uhr ist hektischer Aufbruch und ich gebe Luke mein letztes omiyage (er sagt ich habe ihm letztes Jahr auch schon eins gegeben, häh echt?!). Der Abschied vom Sensei ist herzlich und ich bin happy wegen des Gesprächs und der verschiedenen Erkenntnisse. Zusammen mit Brian fahre ich mit der Ginza-Line zurück und relativiere ein paar Details über das deutsche Iai. Ich finde er sollte ruhig das ganze Bild sehen. Er tut das Gleiche über die aktuellen Entwicklungen in der Iaido-Organisation, was mehr als interessant ist. Er gibt mir sogar seine Visitenkarten und ich habe natürlich keine eigene dabei, super. Super netter Typ der Brian.

Im Hostel angekommen ist Robin schon beim dritten Bier. Ich dusche schnell und wir düsen ab in Richtung Khaosan-Bar. Sie ist rappelvoll, sogar mit Japanern. Keine Izumi, aber John ist wieder da, so wie ein Japaner mit amerikanischem Akzent (Nao?) und eine ziemlich angetütete Taiwanesin namens Jennifer. Sie ist laut und lustig, aber auch anstrengend to talk to. Ich zische schnell ein paar Bier und schon ist auch schon die last order angesagt. Nao kriegt vom Barkeeper gesteckt, dass ich Japanisch verstehe, wohl als kleine Vorsichtsmaßnahme, haha. Weil wir noch nicht ins Bett wollen, folgen wir John gefühlte 6km in eine Bar in Asakusa, die treffenderweise Samurai heißt. Sie ist zu 90% mit Gaijin besetzt und John kennt den einen oder anderen. Ganz besonders wäre hier ein Paar zu erwähnen. Er Franzose, sie Japanerin. Beide sind so um die 40 und dem Alkohol scheinbar gut zugetan. Der Franzose ist der absolute Oberknaller und erzählt uns hackestramm die dreckigsten und lustigsten Japanstories, egal ob die Alte zuhört oder nicht. Viele Storys handeln von Escortdamen in den Clubs in Shinjuku und auch eine Massage-Story ist dabei. Meistens hat er sich in prikäre Situation gebracht und sollte abgezockt werden, was ihm natürlich nicht so gefallen hat. So wie der Typ sich dann aber verhalten hat, kann er von Glück sagen, dass er noch am Leben ist. So ein wilder Franzose ist wohl schwer zu bremsen für den Durschnitts-Yakuza. Er ist jedenfalls immer heile davon gekommen, hat nach seiner wilden Zeit eine Japanerin geheiratet und hängt jetzt mit ihr in Gaijin-Bars ab. Leute trifft man hier nachts um 3, schon der Hammer.

Der letzte Abend in Tokyo endet genau wie der erste. Bierselig und mit einem großen Grinsen im Gesicht.

バイバイ東京。また来年 ^_^





P.S. Kleine Story noch vom darauffolgenden Heimreisetag, der vollkommen unspektakulär verlief, bis eben auf die folgende Begegnung:

Robin und ich fahren mit dem Bummelzug Richtung Flughafen und irgendwann steigt eine attraktive gebräunte und luftig gekleidete Asiatin ein. Sie setzt sich direkt neben mich und ich bin sofort vollkommen weg von ihrem Geruch. Man sagt ja, dass sich Menschen gut riechen können, aber ihr Duft ist einfach der Wahnsinn. Ich kann ihn nicht beschreiben, aber ich merke, dass wir uns irgendwie sofort sympatisch sind, wenn nicht sogar voneinander angezogen fühlen. Es dauert daher auch gar nicht lange, dass sie mich anspricht und fragt ob der Zug auch wirklich zum Flughafen fährt. Daraus entwickelt sich ein Gespräch, das durchaus angenehm ist. Sie wirkt sehr intelligent und hat das gewisse Etwas. Soweit alles ganz normal (abgesehen davon, dass ich ja leider gerade wegfliege und sie jemanden abholt). Das Ungewöhnliche an ihr sind aber ihre Arme. Sie ist aber offenbar eine Ritzerin, Borderline-Syndrom oder so. Ihre Unterarme sind komplett zerschnitten, von oben bis unten. Sie versteckt das nicht mal, sie trägt ein kurzes T-Shirt und zeigt ihre Narben, die sie mit Sicherheit nicht aus ästhetischen Gründen hat. Da sie aus Indonesien kommt und eine etwas dunklere Hautfarbe hat, sieht man die Narben umso deutlicher. Und wie das immer so ist, ist sie gerade wegen dieses offensichtlichen Problems (und des Geruchs natürlich) irgendwie total faszinierend. Ich suche mir auch immer nur die Problemkinder, nee nee nee.Ich werde solche Begegnungen in Japan wirklich vermissen.


Friday, 13 May 2011

14. Tag (Zurück nach Tokyo und Kurzbesuch in Kamakura)

Yeah, heute geht es zurück in die "Heimat" !! Da ich es eh schon nicht mehr erwarten kann abzuhauen, bin ich schon sehr früh wach. Das Bild was sich mir im großen Aufenthaltsraum zeigt, spricht wieder Bände. Der halbe Cleaning Staff pennt auf den Sofas und Sitzkissen, auf den Tischen leere Flaschen und Dosen. Ich kann also als Gast nicht mal in Ruhe TV gucken oder mich überhaupt im Raum aufhalten ohne jemanden aufzuwecken. Saftladen! Bevor ich gehe, teile ich der vollkommen harmlosen und unschuldigen Frau vom regulären Staff meine Unzufriedenheit mit. Tja Pech für sie, der Manager ist halt noch nicht da. Keine Ahnung ob sie das weitergibt, aber ihr Kollege sah zumindest interessiert aus und hat ganz große Augen gekriegt.

Die Fahrt nach Tokyo ist unspektakulär, aber die Berge sind schön. Der Nebel wabert an den Hängen. Ich kann im Zug gut schlafen. Robin kann mittlerweile in jedem Verkehrsmittel pennen. Wir freuen uns sehr, als wir wieder in Tokyo sind.





Izumi und Rintaro vom Khaosan Samurai amüsieren sich über die Kyoto Hostel Geschichten. Ich sage ihnen ganz direkt, dass mir ihr kleines Hostel immer noch am liebsten ist. Mein Talent Komplimente zu machen aber auch Menschen auf den Schlips zu treten ist gleichermaßen verteilt, wie es scheint...

Weil es zu schade wäre es nicht zu tun, fahren wir noch mal nach Kamakura und besuchen Chikako-san. Wir treffen uns am Bahnhof und gehen zusammen etwas einkaufen. Natürlich hat sie den Kleinen, Keisuke dabei, der mittlerweile wild am brabbeln ist. Ach es ist so angenehm bei denen zu Hause. Es gibt Tee und Mochi und ich mag kaum glauben wie entspannt und heavy ich bin im Vergleich zum letzten Jahr. Zerstört war ich damals, jetzt aber fest und beständig. Keisuke ist sooo niedlich und lustig! Er quatscht mit 2 Jahren bereits ne Menge und witzigerweise verstehe ich ihn sogar. Irgendwie sind wir zwei Gaijins aber zu langweilig und er pennt entgegen seiner Gewohnheiten ein. Ist aber ganz gut, so hat Mami mehr Zeit zum quatschen. Sie erzählt mir von großen, teils dramatischen Veränderungen im Dojo bzw. in der Iaido-Organisation. Esaka-sensei will tatsächlich aus dem ZNIR (Zen Nihon Iaido Renmei) austreten! Er tut dies aber aus Überzeugung und kommt damit nur einer abgekaterten Sache zuvor. Der Plan für eine neue Organisation mit internationalem Charakter steht schon. Bin gespannt was da noch alles passiert.
Ich sehe immer mehr wie unbedeutend das Dan-System im Iaido eigentlich ist. Mit Geld ist in Japan auch ein Dan einfacher zu kaufen als bei uns. Dan = Können = Respekt? Ich glaube nicht. Ich bin einfach froh dabei sein zu sein und Iai zu machen. Die Überwindung des eigenen Egos, des Verlangens, der Fehler, was kann buddhistischer sein als das? Ich sehe mich auf dieser Reise dem Buddhismus immer mehr verbunden. Auch wenn ich mich keinem Glauben oder Ritualen unterwerfen möchte, so sehe ich doch wie sehr auch die Japaner Buddha verehren, und das nicht ohne Grund. Der Gedanke mißfällt mir nicht mehr etwas "buddhistisches" zu tun, was es auch immer sein mag am Ende des Tages.
Zurück zu unserem Gastgeber. Keisuke wacht irgendwann wieder auf und wir spielen etwas mit ihm. Die mitgebrachten omiyage kommen gut an (ein Berliner Bär für Keisuke, Haribo und andere Süßigkeiten für die Yokosawas), aber Chikako-san gibt mir mit auf den Weg, dass ich nicht allen sagen soll, dass sie Haribo mag sonst schwimmt sie irgendwann in dem Zeug, haha. Als sie uns dann noch freundlicherweise zum Flughafen fährt, sagt Keisuke ganz putzig auf Wiedersehen und bye-bye. Wie mir Chikako-san dann später mitteilte, war er dann ganz erschrocken, dass er das ありがとう (Dankeschön) vergessen hat. Müde und happy fahren wir heim und Robin ratzt wie immer.

Wir gehen direkt in die Bar und treffen zwar keine Izumi aber dafür John. Er ist Saxophon-Spieler und Englisch-Lehrer in seinen besten Jahren (Ü35, fast 40 glaub ich). Ich frage ihn über Jobmöglichkeiten in Japan aus. Hmmm, ich als Lehrer? Für Englisch?! In meinem Alter?!! Er würde es mir absolut zutrauen. Aber ohne entsprechende Ausbildung?! Man braucht nämlich mindestens einen Bachelor. Hmm, Mut zum Risiko? Muss mich in Deutschland mal informieren über dieses Assisstend Language Teacher Programm (ALT).


Wednesday, 11 May 2011

13. Tag (Mehr Regen, mehr Bier)

Bis 11 Uhr gepennt. Ich gehe gleich los und probiere Geld abzuheben. WTF, invalid card????!?! Dazu kommt noch, dass wir bzw. Jenny vergessen haben den 11.05. im Hostel zu buchen. Der Typ von der Rezeption schneit nämlich ins Zimmer und will, dass wir auschecken! Ich hab nichmal genug Geld um eine weitere Nacht zu buchen!! Na super, als ob ich nicht schon genug Probleme hätte. Natürlich regnet es wieder immer noch.

Ich konnte dann doch die eine Nacht mit der Karte bezahlen, aber das war ein ganz schönes Bangen. Aber wieso kriege ich bitte kein Geld aus dem Automaten? Es ist doch welches drauf, ich sehe es doch online! Verdammte Scheiße!! Wir haben doch Hunger!! Scheiß Kyoto, es muss verhext sein.

Zum Glück gibt mir mein neuer Buddy Sander (der Holländer) ein Sandwich ab. Saved my day!
Ich muss bis 15 Uhr warten bis ich mit der Postbank via Skype telefonieren kann (Zeitunterschied). Die Kreditkartenabteilung fängt nämlich erst um 8 Uhr an. Die Dame regelt das souverän und erhöht erstma sicherheitshalber mein Limit um 500€. Es klappt! Endlich wieder Bargeld!!!! Trotzdem regnet es noch.

Wir gehen erstma mit Matze bei Sukiya essen. Danach fahren Robin und ich zur Kyoto Station um die Reservierungen im Shinkansen zu machen. First train outta here! Es regnet weiter ununterbrochen.

Im Hostel besetzt der Cleaning Staff weiterhin alles. Wir holen uns superfrüh am Tag Alk und halten dem Treiben lautstark entgegen. Wir gucken DVDs, Robin ist in krassen Nerdgesprächen über Animes, Mangas und Games vertieft und ich versuche mit ner neuen Holländerin ins Gespräch zu kommen. Sie ist mit ihrem Freund da und die zwei sind ein lustiges, wenn auch ungleiches Päarchen.

Gegen 20 Uhr ist der ganze Laden rappelvoll. Es regnet nämlich immer noch in Strömen und keiner hat Lust rauszugehen. Alle quatschen laut und lustig durcheinander. Viele Nationen, viele Themen und viel Alk (zumindest von unserer Seite). Zwischenseitlich schießt so ein Typ vom Cleaning Staff echt den Vogel ab. Abgesehen davon, dass der Typ überall an Ort und Stelle pennt und sich einen Dreck darum schert ob vielleicht dort jemand sitzen möchte, pflanzt er sich einfach vor die Spielekonsole und fängt an zu zocken während wir DVDs aussuchen, die wir gucken wollen. Ich glaub ich spinne. Ich verscheuche ihn und kann nur mit dem Kopf schütteln. Als ob es sein eigenes Wohnzimmer wäre und wir ausnahmsweise mit seinen Sachen spielen dürften. Vollidiot.

Alle sind versorgt und bierselig. Matze unterhält sich in Japanisch mit Suji und ich verfluche meine mangelnden Sprachkenntnisse. Auf jeden Fall kommt er damit an, Sachen gibt's...
Wir trinken einfach ein Bier nach dem anderen und lästern über den Regen und den blöden Cleaning Staff. Eine gewissen Unruhe kehrt ein, als Mizuki vom Hostel (der Name ließ mich erst zusammenzucken, aber sie sieht schon recht scharf aus) uns fragt wer denn "den Schwarzen" reingelassen hätte. Der gehörte nämlich nicht zu den Hostelgästen und es ist verboten Fremde in Hostel zu lassen. Das Ganze ist absurb und aufgrund der Hautfarbe des Unbekannten natürlich unfreiwillig rassistisch bis komisch. Nur ein weiterer Beweis für die merkwürdigen Verhältnisse im Khaosan Kyoto Hostel.

Morgen stoß ich mal dem Manager Bescheid, das ist doch Scheiße mit dem Cleaning Staff.

12. Tag (Regen, Regen und Geldprobleme)

Es regnet wieder in Kyoto, aber so richtig. Es ist ein konstanter Fluß von Wasser, der in Deutschland sicherlich bereits zu Hochwasser geführt hätte, aber in in Kyoto scheint man das Wasser besser ableiten zu können. Das Abwassersystem muss ja ein reißender Strom sein, so viel wie da reinfließt.
Das Geld ist immer noch nicht auf meinem Kreditkartenkonto angekommen, das nervt alles sehr! Der Cleaning Staff im Khaosan Kyoto Hostel ist ständig am kochen, essen, schlafen, DVD gucken und Wii zocken, zusammengefasst: sie okkupieren den Gemeinschaftsraum. Nicht nur ich, sondern auch die anderen Gaijin kommen sich mittlerweile als Störenfriede vor. Nur der reguläre Hostel Staff und eine kleine Koreanerin namens Suji sind echt nett. Trotzdem kein Vergleich zum Hostel in Tokyo.

Robin und ich fahren mit dem Bus zum Kinkaku-ji Tempel (金閣寺) mit dem goldenen Pavillion. Mich nervt es, dass ich alles organisieren muss, ich kann mich nicht mal auf mein Japanisch konzentrieren, ständig muss ich den Weg bestimmen und aufpassen wie was geht. Busfahren in Kyoto ist z.B. schon wieder anders als Bahnfahren, man bezahlt am Ende, meist 220 円 und nicht am Anfang. Dann noch dieser permanenten Mistregen. Meine Laune ist wirklich mies aber als Robin danach fragt, blase ich erstmal Dampf ab und danach geht es mir schon besser.

Im Regen zum Tempel zu fahren war es auf jeden Fall wert. Eine zauberhafte Atmosphäre, sehr friedlich und die Gärten sind einfach wunderschön. Es gibt ansonsten nicht viel zu sagen, man muss es einfach selber sehen. Der goldene Pavillion an sich ist meiner Meinung nach überbewertet, aber das Drumherum ist mehr als lohnenswert.




Bei uns gibt es Wunschbrunnen, in Japan gibt es Wunschsteine.
Robin und ich latschen schweigsam mit unseren Regenschirmen zum nächsten Tempel, dem Ryoan-ji (竜安寺), wo der berühmte Zen-Steingarten steht. Das Haus und derSteingarten sind sehr schön und wir lassen uns Zeit die Bedeutung für uns selber zu erkunden. Eine gewisse Erfurcht ist unter den Besuchern zu erkennen, es wird sich nicht lautstark unterhalten und man betrachtet mehr oder weniger in sich gekehrt den Garten. Ich selbst sehe nur ein schönes "Kunstwerk". Kein tiefsinniges Objekt der Wahrheitsfindung, kein monumentales Heiligtum. Es ist einfach nur ein Werk, welches die Schönheit der Dinge in sich aufnimmt und dem Betrachter präsentiert. Es vermittelt Ruhe und einen Fluß und lässt sicherlich jede Menge Interpretationen zu. Sowas hätten wir mal im Kunstunterricht in der Schule besprechen sollen, hah.


Viel mehr beeindruckt hat mich der Stein (Tsukubai, 蹲踞) mit den 4 Kanji, die in Verbindung mit einem anderen Kanji (Kuchi, 口), welches in der Mitte zu finden ist, folgendermassen gelesen werden können: 吾, 唯, 足, 知 (ware, tada, taru, shiru oder auf Englisch I, only, plenty, know). Diese Worte kann man vielfältig auslegen, hier ein paar Beispiele:

  • What one has is all one needs
  • I am content with what I have
  • I alone know I am content with things
  • If you learn to be content, you are rich in spirit
  • I learn only to be contented
  • He who learns only to be contented is spiritually rich
  • All I know in life is to be contented, to be grateful
  • I know only satisfaction

Was es für mich bedeutet bleibt mein Geheimnis.

Image from Wikipedia, licensed unter Creative Commons.
Zur Erinnerung kaufe ich mir einen Anhänger für meine Schwerttasche. Endlich ein Andenken mit Bedeutung! Es passt auch gut zum Iaido, denn hier lernt man und lernt man, nur am Ende zu wissen, dass die Ruhe und Fortschritt nicht im Wissen, sondern im Akzeptieren des Nichtwissens der Sache liegt. Zen ist schon ne coole Sache.

Als wir gegen 5 zurück im Hostel sind lese ich eine Mail von Sae und Eli, dass wir uns um 6 Uhr treffen sollen. Na super, schon wieder Stress. Wir sind noch nicht mal fertig mit allem und haben noch keine Pause gemacht.Wir haben nicht mal Geld!!! Es sind nur noch 1000円 übrig!!

Anmerkung vom 08.01.2012: Der Rest dieses Tages war so nervig, dass ich in damals nicht mal aufschreiben wollte. Der Rest ist also das Ergebnis meiner staubigen und verdrängten Erinnerungen.

Wir schieben die Zeit etwas nach hinten raus und hoffen, dass ich bis dahin wieder Geld aus dem Automaten ziehen kann. Ich warne sie aber sicherheitshalber vor, dass wir gerade blank sind. Wir sind trotz Hektik pünktlich am verabredeten Treffpunkt in einem Einkaufszentrum. Keine Spur von den Mädels. Ich bin genervt. Ich versuche sie nach einer Wartezeit von ca. 10 Minunten direkt anzurufen, aber sie geht nicht ran. Ich bin noch mehr genervt. Wir warten weitere 20 Minuten, suchen die nähere Umgebung ab, ich rufe ab und an, trotzdem kein Lebenszeichen. Ich bin wirklich angepisst. Auf einmal sehen wir sie, gemütlich schlendernd beim bummeln im Einkaufszentrum. Sie sind nicht mal auf der Suche nach uns. Als sie uns sehen, bleibe ich demonstrativ und offensichtlich genervt sitzen. Auf den kleinen Wortwechsel antworte ich etwas in Japanisch, im Sinne von "jetzt ist es auch egal" und Sae findet genau diese Formulierung ist im Japanischen eher wie "ach leck mich am Arsch". Ich widerspreche ihr nicht. Ich kläre noch mal ganz deutlich, dass wir Null Kohle haben und für ein gemeinsames Essen auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen wären. Natürlich besinne ich mich irgendwann meiner Manieren und entschuldige mich auch für mein gestresstes Selbst. Heute ist einfach nicht mein Tag und es ist natürlich nicht ihre Schuld.

Robin übernimmt beim Gang zum Restaurant Sae und ich quatsche mit Eli. Bei ihr tut es mir besonders leid, dass sie mich von meiner schlechtesten, genervten Seite kennenlernt. Die Unterhaltungen sind den Umständen entsprechend recht angenehm. Zumindest beim Essen geht es mir schon sichtlich besser. Besonders lustig finde ich, dass Suji aus dem Hostel als Bedienung im Restaurant arbeitet und uns wiedererkennt. Das Essen ist auch lecker, wenn ich nur wüsste wie der Name von dem Zeug war. Irgendwas Fritiertes mit einer leckeren Soße. Naja, hiermit enden meine Erinnerungen an den Tag auch. Wir drücken den beiden noch unsere restlichen 1000 Yen in die Hand, ich entschuldige mich noch mal förmlich und unsere Verabschiedung fällt sehr merkwürdig (awkward) aus. Vielleicht lag es an der Umarmung in aller Öffentlichkeit oder an meiner Laune, auf jeden Fall hab ich das Gefühl, dass wir die Beiden nicht so schnell wiedersehen. Schade um Eli, weniger schade um Sae.

Achja, es regnet übrigens immer noch...

Tuesday, 10 May 2011

11. Tag (Nagoya und Gaijins want to party)

Einen Tag vorher habe ich bereits Platzreservierungen im Shinkansen gemacht und um 9:26 sitzen wir daher wieder bequem im Zug nach Nagoya (名古屋). Ich esse ein recht merkwürdiges Bento zum Frühstück, bin danach aber gut gesättigt. Heute soll es überall recht warm werden, aber eigentlich auch bewölkt. Den Wetterberichten kann man hier nicht trauen denn es ist letztendlich brüllend heiß in Nagoya und der Himmel die meiste Zeit absolut klar.

Nagoya scheint eine reiche Stadt zu sein, alles ist großzügiger gebaut, von engen Gassen keine Spur. Selbst die engeren Gassen sind noch riesig breit und extrem sauber. Die Leute sind luxuriöser angezogen und alles sieht nach Geld aus.




Wir besuchen das Nagoya-Castle (名古屋城, Nagoya-jo). Eine Affenschande, dass es 1945 so kurz vorm Ende des Krieges von den Amis komplett zerbombt wurde. Aber die Japaner sind ja bekanntlich gut im Wiederaufbau, daher hat die Burg jetzt sogar einen Fahrstuhl! Klingt komisch, ist aber so...




Ein vertrockneter Garten auf dem Burggelände.

Wir machen ganz langsam. Geht bei der Hitze auch gar nicht anders. Das Burggelände bietet nur wenig Möglichkeiten um sich in den Schatten zu verziehen. In einem Unterstand, der ganz romantisch Ausblick auf einen vertrockneten Tümpel bietet, sitzt leider bereits ein Pärchen. Uns aber egal, wir sind fertig von der Sonne und pflanzen uns einfach ebenfalls hin. Ein klein wenig unangenehm ist es ihnen schon, aber ich denke es ist vielleicht eh das erste Date und beide sind ein wenig unsicher. Vielleicht ist es aber auch ein ganz normales Date in Japan, einfach anders als bei uns. Sie sitzen aber verdächtig nah beieinander, das sagt schon viel aus! Wir lassen sie machen und chillen etwas. Als ich mal den Blick auf die beiden werfe liegt sein Kopf auf ihrer Schulter und er pennt einfach mal! Absolut witzig das Bild. Ich glaube er schnarcht sogar. Sie sieht überhaupt nicht aus als ob sie das stören würde, im Gegenteil, ich glaube sie findet die Nähe und das Vertrauen schön. Aus Respekt vor dem Anbändeln der beiden und weil wir wieder Kräfte gesammelt haben, ziehen wir dann irgendwann wieder ab und begeben uns auf Nahrungssuche.



Wir folgen Misakos Empfehlung und hauen unser Geld für ひつまぶし (hitsumabushi) im teuren Einkaufszentrum der Upper Class "La Chic" raus. Das Restaurant ist sehr nett, nur die Musik nervt etwas. Auf Japanisch bestellen klappt wieder wunderbar. Ich fühle mich underdressed, die anderen Gäste, vor allem die Frauen, sind ziemlich posch und fancy angezogen. Misako hat wieder mal ihren erlesenen Geschmack demonstriert. Denn das Essen ist auch superlecker, scheiß auf's Geld!


Hoffentlich ist auch bald welches auf dem Kreditkartenkonto, sonst wird es hier etwas stressig. Eigentlich hab ich die Finanzen gut im Griff und entsprechend hin und her geschoben, aber wir sind doch etwas spendabel mit dem Geld und verlassen uns auf die Reserven auf meinen Konten.


Wieder in Kyoto und im Hostel gehen wir abends zusammen mit Matze und Wolfram (dem Inbegriff eines Spießers aus Bonn, zumindest in Aussehen, Sprache und Gestik) Party machen. Wir versuchen es zumindest. Sander aus Holland habe ich noch ganz vergessen, mit ihm verstehe ich mich ganz gut. Wir quatschen über Objektive und Fotomotive. Er ist quasi ein richtiger Fotograf obwohl er noch super jung ist und hat diverse Kameras und Objektive dabei. Er spezialisiert sich auf Timelapse-Fotos bzw. -Videos. Er kommt aus der Nähe der deutschen Grenze und versteht daher recht gut Deutsch. Er ermutigt uns immer Deutsch zu sprechen und nicht Englisch, was wir ganz witzig finden. Sein Englisch ist übrigens der absolute Brüller. Er spricht rasend schnell und hat für einen Holländern ne Menge Slangworte, die aber einfach zu ihm passen irgendwie. Mit ihm zu sprechend bzw. ihm zu folgen ist eine Herausforderung, die sich aber lohnt zu meistern, denn er steckt voller Ideen und kreativer Energie. Das Geilste ist, dass er nach Sichtung meiner Fotos vom Fushimi-Inari Schrein unbedingt auch dort Fotos machen will und zwar sofort. Also schicke ich ihn bereits im Dunkeln auf dem Weg und er begibt sich alleine mit seiner Ausrüstung auf die Jagd nach Inspiration. Was'n Typ, haha.

Unsere Kneipentour ist sowieso eher ein Reinfall, er hat nichts verpasst. Es ist halt Montag und die Golden Week ist vorbei. Also eher tote Hose in Kyoto. Die Läden in die uns Matze schleppt sind eher mau, aber wenigstens kann ich mal wieder Vodka trinken. Wir quatschen viel über japanische Sprache und Gepflogenheiten. Je bierseeliger es wird, desto öfters habe ich das Gefühl, dass Matze insgeheim nicht so viel Respekt vor den Japanern und ihrer Kultur hat, trotz seiner vielen Erfahrungen. Oder vielleicht auch gerade deswegen? Ein paar seiner Stories sind schon harter Tobak, da denkt man schon, dass der eine oder andere Japaner echt nen Ding an der Waffel hat. Andere Stories sind aber wieder herzallerliebst, z.B. von dem Japaner im Park, der ihn einfach anquatscht und mit nach Hause einlädt, einfach so, ohne Hintergedanken, ein Fremder! Echte Gastfreundlichkeit, hier gibt es sie noch! Naja jedenfalls versucht Matze schon ganz klar in Japan Frauen aufzureißen, aber vielleicht ist es auch einfach eins dieser Männergespräche wo jeder ein bisschen dicker aufträgt ;)

Wir landen irgendwann in einem absolut leeren Club für 500円 nur für den Freidrink. Ladies kommen heute umsonst rein, aber es fehlt von ihnen jede Spur. Es gibt sogar extra reservierte Plätze für die Mädels. Da weder Typen noch Mädels im Club sind, setzt sich Matze demonstrativ auf die gemütlichen Frauenplätze und wird wie erwartet prompt vom Türsteher verscheucht, vollkommen ungeachtet der gähnenden Leere. Typisch Japanisch halt. Definitiv unterhaltsam. Aber das war auch schon das einzige Highlight im Club, vielleicht bis auf den alleine vorm Spiegel tanzenden Typen, der sich wohl ein bisschen sehr geil findet. Unterwegs schafft es Matze immer wieder halbwegs hübsche Japanerinnen anzuquatschen, das kriegt mit seinen Sprachkenntnissen super hin. Nur meist kommt es über die anfängliche Überraschung der Mädels nicht heraus und außerdem sind Flyerverteilerinnen an sich schon schwer rumzukriegen.

Ganz am Ende des Abends trinken wir noch Bier im Hostel und benehmen uns wie richtige Touristen. Die Sache mit Sae klärt sich übrigens so, dass sie angeblich dachte, ich will was von ihr und sie mir daher eigentlich auch nur ihre Freundin Eli bekanntmachen wollte.....wer's glaubt!! Da ich nicht weiß wie ich Sae stecken soll wie sehr sie mich abtörnt, sage ich halt die Wahrheit über Eli und auf einmal passt es ganz genau. Japanisches Schlupfloch, jeder hat sein Gesicht gewahrt und keinem wurde weh getan. Wir verabreden uns also wieder zu viert zu einem erneuten Treffen am Dienstag. Irgendwie freue ich mich drauf aber gleichzeitig klingt es jetzt schon nach Stress.

Monday, 9 May 2011

10. Tag (Fushimi-Inari Schrein)

Sonntag. Ich schreibe das hier ganze 2 Tage später und muss Robin fragen was wir eigentlich in den letzten Tagen gemacht haben. Ich muss sogar anhand der Fotos mein Erinnerungslücken stopfen. Irgendwas ist hier verhext, die Stadt fühlt sich komisch an.

Ich weiß nur noch, dass wir auf den Berg des Fushimi-Inari-Schrein (伏見稲荷大社) gestiegen sind, der berühmte Schrein mit den ca. 1.300 Torii (keine Ahnung woher ich die Zahl habe). Ich dachte zwar nicht, dass es soweit oben liegt, komme aber gut hoch (hab ich schon erwähnt, dass ich meine Schuhe liebe?!). Der Weg ist jedoch ziemlich lang und es kommt uns vor als ob es kein Ende nimmt. Robin ist fix und alle, schlägt sich aber wacker. Zum Glück gibt es selbst hier auf dem Weg überall Getränkeautomaten oder kleine Geschäfte.





Oben angekommen bietet sich uns ein interessanter Blick über Kyoto. Diese Stadt ist gänzlich anders als Tokyo, fast wie eine Geschwür aus Stahl und Beton in einem grünen Tal. Trotzdem wirkt es still und fast verzaubert.


Es geht eigentlich noch weiter hinauf und wohl auf der anderen Bergseite wieder runter, aber wir beide passen. Als Belohnung für das Fitnessprogramm gönnen wir uns japanischen Barbeque, gleich in der Straße zum Hostel. Die Kellnerin ist hübsch (fällt mir natürlich als erstes auf), hat aber ein Lächeln, das wie in ihr Gesicht gemeißelt ist. Als ich auf Japanisch ein üppiges セット (Set) bestellen will, geht sie erst zu ihrem Kollegen und ich kann erkennen, dass irgendwie keiner der beiden Bock auf diese große Variante haben. Sie erklärt mir also, dass es nicht geht. Ich frage dreisterweise zurück 「ありません?」 (nicht da?). Sie bestätigt das brav. Ich frage erneut 「ほんとう?」 (wirklich?) und plötzlich sehe ich den Ansatz eines genervten Zuckens in dieser Skulptur eines festgefrorenen aber auch schönen Lächelns.

Wir bestellen also nur normales Zeugs und haben nach kürzester Zeit ganz plötzlich einen anderen Kellner, der auch ganz zufällig Englisch spricht. Ich würde sagen, ich habe erfolgreich eine japanische Kellnerin abgenervt und zur Aufgabe gezwungen, mwuahahahaha. Der neue Kellner scheint uns die ganze Zeit zu beobachten und quatscht uns mehr als einmal doof dazwischen. Das Essen ist aber herrlich, vor allem das eingelegte Rindfleisch. Wir bestellen fleißig nach und können uns kaum satt essen. 



Salat legt man wohl nicht auf den Grill, das teilt uns der Kellner noch mal eindeutig mit, haha. Am Ende werden wir meiner Meinung nach etwas mit der Rechnung beschissen, aber nur um 300円. Eigentlich schade, dass es solche coolen BBQ-Grills nicht auch bei uns gibt. Wahrscheinlich sind die Deutschen wieder zu bürokratisch was den Brandschutz angeht, gehe ich jede Wette ein.

Ich brauche mal Pause von Robin und quatsche später im Hostel mit Matze, von dem ich mir schon dachte, dass er Deutscher ist. Zufälligerweise bin ich gerade in einem Radio Fritz Shirt rumgelaufen, das hat ihm dann letztendlich verklickert, woher ich komme. Wie sich herausstellt, kommt er auch aus Berlin, genauer gesagt Weißensee/Prenzlauer Berg, ist 21 und seit Oktober 2010 in in Japan. Er bereist das Land mit dem Fahrrad und hat auf Shikoku bei einen buddhistischen Pilgerweg mitgemacht. Begonnen hat sein Trip in Japan mit der Arbeit im Khaosan Hostel in Fukuoka, was im Süden von Japan ist. Crazy Typ der Matze, total jung, heißspornig, unerfahren, aber eben auch ziemlich mutig wie ich finde. Es tut ihm sichtlich gut mal wieder mit Deutschen bzw. mit Berlinern zu quatschen. Er verfällt oft ins Japanische, was er ziemlich gut spricht (wobei er fast ausschließlich die informelle Form nutzt, die ich ja nich so bevorzuge). Wir reden über alles mögliche, aber natürlich vor allem über Japan und was wir damit verbinden. Weil wir Kerle sind, landet es auch recht schnell beim Thema Frauen. Die Inhalte kann ich hier natürlich nur bedingt wieder geben bzw. hab sie lieber gleich verdrängt, haha. Ich weiß nur noch, dass er leicht neidisch auf meine Erfahrungen mit meiner japanischen Ex im letzten Jahr ist, obwohl er doch selber gleich mehrere Mädels in Japan in der Mache hat!


Sunday, 8 May 2011

9. Tag (Ein wunderschöner Tag in Kyoto)

Gottseidank, der Schlaf hat mich kuriert! Die Nase ist frei und ich bin wieder fit. Ein Glück, denn heute treffe ich Sae, die mich irgendwann über Facebook geaddet hat, sowie ihre Freunde.

Vorher versuchen Robin und ich aber erneut auf eigene Faust die Gegend zu erkunden und siehe da, es geht sogar wenn man sich fit fühlt.


Der Bezirk Gion ist toll, lauter kleine Bauten und enge Gassen. Jedes Gebäude sieht aus wie aus einem alten Samuraifilm aus der Edo-Zeit. Leider sind die Straßen auch für Autos freigegeben. Polizisten regeln der Verkehr und verbeugen sich vor jedem Auto, dass sie stoppen oder sonstwie anweisen müssen.

 


In der großen Tempelanlage des Kennin-ji sehe ich warum so viele Menschen die Schönheit von Kyoto preisen. Die Gebäude an sich aber vor allem die kleinen Gärten vor und in den Gebäuden sind  zauberhaft schön. Die Stille ist beruhigend und lässt mich entspannen. Ich beobachte minutenlang wie ein Mönch den kleinen Steingarten in der Mitte des Gebäudes mit einem Schlauch wässert. Dabei entstehen bunte Farbenspiele mit Licht und Wasser, aber kein Foto wird dem tatsächlichen Anblick gerecht.




Einer der Hallen trägt ein imposantes Gemälde von zwei Drachen an der Decke. Ich steh auf Drachen, insbesondere wenn sie so dynamisch und beeindruckend dargestellt werden.


Das Wetter wird immer heißer und damit auch besser. Vorher war es ziemlich nieselig und öde. Irgendwann sitzen wir daher im Maruyama-Park, essen Grüntee-Eis, lauschen einem Straßenmusiker der Kehlkopfgesang macht und lassen die Atmosphäre ihr Übrigens tun. 


Randnotiz: die Raben sind hier wohl die Bosse, die Tauben dagegen die Schisser. Sobald so ein Vieh von Rabe sein markerschütterndes Krächzen loslässt und sich nur in die Nähe von 3215 Tauben bewegt, hauen die sofort geschlossen ab. Dementsprechend war echt was los auf dem Platz.

Wir treffen Sae und ihre Freunde in der U-Bahn gegen Mittag. Ich bin schockiert wie dünn sie ist. Sie redet viel, ist aber weniger nervös als ich dachte. Es dauert ein klein wenig bis wir alle warm miteinander werden. Ich mag Saes beste Freundin Eli (エリ) irgendwie sofort. Wenn Sae die Extrovertierte, US-Amerikanisch beeinflusste ist, dann ist Eli die Ruhige, Clevere, Zurückhaltende. Obwohl sie nicht wie ein typische Japanerin wirkt und sich eher leger und europäisch kleidet.
Sae hat jedenfalls Null Ahnung von gar nix, am wenigsten von ihrer eigenen Stadt, was'n Abtörn. Elis Begleiter und somit Dritter im Bunde ist 38, sieht aber aus wie 30. Er und Eli sind Arbeitskollegen. Ich halte beide für ein Paar, das sich extrem zurückhalt, bin mir aber nicht 100% sicher. Mir gefällt Saes übertriebene Art überhaupt nich, Elis dagegen sehr. Der "ältere Herr" im Bunde ist total in Ordnung und lustig. Er erzählt ein wenig über Kyoto und die verschiedene Orte, die wir besuchen. Auf jeden Fall ist es eine tolle Sache wenn Einheimische sich die Zeit nehmen und einen rumführen, da kann man wirklich nur dankbar sein für all diese zufälligen Begegnungen, ob über FB oder wo sonst.

Gleich die erste buddhistische Tempelanlage ist so hammermäßig schön, dass sie den Vormittag locker schlägt. Ich komme aus dem fotografieren gar nicht mehr heraus.






Der Fisch schwimmt tatsächlich im Teich


Bleibt ein geworfener Stein liegen, so bringt das Glück.

Wir besuchen die berühmte Kiyomizu-dera Tempelanlage und machen alles touristische was nur geht. Wir trinken Wasser aus der Quelle und machen den Gang mit verbundenen Augen zwischen zwei Liebessteinen. Finden man den Weg ohne hinzusehen, so verliebt man sich bald. Derjenige der einem dabei hilft, gilt dann als Vermittler. Sae schafft es mit Elis Hilfe. Ich scheitere im Eigenversuch und lande sogar trotz Hilfe von Sae irgendwo ganz anders. Allet klar Universum, ick hab verstanden...
Ich kaufe mir etwas Schnickschnack und Deko für zuhause und vergesse prompt die ganze Tüte in der Tempelanlage. Das verstimmt eigentlich nur leicht, was aber viel mehr nervt ist wieder mal Sae. Ihr oberflächliches Gelabere und tölpelhafte Art kommt bei mir gar nicht gut an, das wirkt irgendwie alles total unjapanisch auf mich. Eli dagegen taut mehr und mehr auf und spricht sogar ab und zu Deutsch mit mir, da sie mal Au-pair in der Schweiz war, sehr cool!



Zufällig entdeckt, sehr treffend und bewegend
Als dann der Magen knurrt suchen wir uns etwas zu essen und es wird beschlossen, dass es Sukiyaki sein soll. Gar nicht so einfach einen guten Laden zu finden, sogar für die Einheimischen. Sae hilft da nicht wirklich, sie kennt nur den Weg von ihrer Wohnung zur Arbeitstelle mit der U-Bahn und das wars fast schon. Sie verläuft sich sogar in ihrem eigenen Zimmer, so wenig Peilung hat die Frau.
Wir nehmen tabehodai (たべほだい), quasi all-you-can-eat. Das Fleisch wird in Mengen aufgefahren und wir essen uns so richtig satt. Es ist herrlich, ein wahres Geschmackserlebnis! Die Konversation ist durchweg angenehm, richtig anregend. Ich denke ich tue Sae etwas unrecht, vielleicht ist es nur ihre Art Unsicherheit zu überspielen, wer weiß.

Nach dem Essen gehen wir bowlen, scheinbar eine typisch japanische Aktivität. Es ist Samstag abend und in den engen Gassen von Kyoto ist richtig was los. Ziemlich cool diese Gegend, ich verstehe warum viele diese Stadt so mögen. Bowlen geht klar, sie haben sogar meine Schuhgröße, wer hätte das gedacht. Die richtige Kugel zu finden ist hingegen schon schwieriger. Ich lege trotzdem ein Traumspiel von 150 (!!!) Punkten hin und beeindrucke unsere Japaner ein bisschen. Ein Foto gibt's aber leider nur vom 2ten Spiel, aus dem ich auch wieder als Gewinner hervor gehe.

Hihi, Robin und mein Name in Katakana!
Sae bowlt furchtbar und sieht dabei auch furchtbar aus. Eli bowlt richtig fein und sieht echt putzig dabei aus. Robin bowlt...naja, er bowlt immerhin ;)
Nach dem Bowling schleppen wir Sae noch mit eine relativ schäbige Gaijin/Hipster/Gangster/House/Ticketsystem-Kneipe gegenüber vom Hostel (300 Yen per night). Sae will ständig mein Tattoo sehen und fummelt an mir rum. Das stört mich echt, aber ich zeige es ihr trotzdem irgendwann. Natürlich findet sie es ja sooo toll, blablabla...nerv! Zumindest die Bar gefällt mir immer besser, die Musik wird housiger und fast wie in einem Club. Ein europäischen Paar aus dem Hostel ist auch da und sie hat uns beide schon öfters angegrinst im Hostel, genau wie jetzt auch. Wie freundlich manche Menschen doch sind :)
Das Robin und ich als zwei Gaijin mit einer einzigen Japanerin in einer Bar saufen ist mir erst nach zwei Drinks nicht mehr so unangenehm. Am Ende bringe ich Sae noch zur U-Bahn und hätte nicht mal angetrunken jetzt noch versucht da irgendwas zu landen. Als wir alleine sind redet sie ständig von Beziehungswünschen und -ängsten, ihren Problemen und und und. Ich zeige etwas Mitgefühl und Verbundenheit und erzähle von meinem letzten Jahr und wie ich es gemeistert habe. Sie scheint nicht erst dadurch eine Menge auf mich zu setzen aber so wirklich habe ich keine Lust sie wieder zu sehen. Auf dem Nachhauseweg überlege ich mir bereits wie ich ihr das erklären soll ohne sie zu verletzen. Sie ist ja ein lieber und netter Mensch eigentlich. Vielleicht habe ich mir selber einfach zuviel erhofft?

Ich lache mich im wahrsten Sinne des Wortes in den Schlaf weil Robin aus Versehen und vollkommen verpeilt im Dunkeln zum Thailänder ins Bett klettern wollte. Der hat das natürlich mitbekommen und sich stark gewundert warum ein halbnackter Deutscher ihn aus dem Schlaf reißt und in sein Bett steigen will. Grandiose Aktion, Robin und ich konnten nur noch lachen und haben das auch immer wieder in den folgenden Tagen :-D Die Tücken eines 4er Dorms mit Stockbetten, hahaha.