Thursday, 1 March 2012

6. Tag in 2012 (Schnee in Tokyo und Shadowing)

Es schneit!!! Schnee in Tokyo, eine absolute Premiere für mich!



Morgens selbst Spiegeleier gemacht, hat etwas für Verwunderung in der Familie gesorgt. Dann noch selbstgemachte Mochi von Rumiko, lecker! Etwas Kanji geübt. Dann den Finger total blöd am Rasierer geschnitten, hat ewig geblutet.

Interessante Serie im TV gesehen. Toughe Komissarin deckt einen Mord auf bei dem die Frau den eigenen Mann deckt, der nachdem er den Mord begangen hat irgendwann dann Selbstmord beging. Eine typisch japanische Geschichte, aber auch so typisch dramatisch und emotional in Szene gesetzt, dass ich richtig ergriffen bin. Mann, ich werde alt. Hab ja schon fast einen zweiten Wohnsitz am Wasser, so nah bin ich da gebaut mittlerweile. Was mir aber etwas negativ auffällt ist, dass die japansiche Ehefrau eigentlich IMMER als die schwache, hilflose Person dargestellt wird, die alles auf sich nimmt nur um die Ehe oder irgendwas aufrecht zu erhalten. Dadurch ist sie dann natürlich in ihrer Stärke dem Mann überlegen, aber trotzdem wird der Selbstmörder als Held dargestellt, denn er hat seiner Frau quasi Schlimmeres erspart. Der krasse Gegensatz dazu stellt die Kommisarin dar, die eigentlich nur agressiv und knallhart wirkt und sich trotzdem vor dem Chef stärker durchsetzten muss als ihre Kollegen.

Ein Shinto-Schrein auf dem Weg zur Itabashihoncho-Station.

Vor der Schule fahre ich noch zur Ikebukuro Station (池袋駅) um den Railpass einzulösen. Eigentlich kein Problem, hab dann am Schalter aber doch nur die Hälfte verstanden. Zum Glück kenn ich das Prozedere schon, sonst wäre ich wieder gänzlich verwirrt. Aber hey, ich sage ja auch immer "日本語は大丈夫です" (Japanisch ist kein Problem) und schon hab ich den Salat. Jedenfalls lasse ich die Gültigkeit des 1-wöchigen Railpasses am Samstag beginnen, da ich an diesem Wochenende irgendwo hin fahren will. Vielleicht Osaka, vielleicht Kobe, vielleicht sogar Hiroshima? Muss ich mir noch überlegen.

Fahre danach in die Schule und erwarte eigentlich einen Teil der Gruppe anzutreffen um gemeinschaftlich etwas Japanisch zu üben, die hängen aber schon im Klassenraum rum, was ich viel zu spät bemerke.

Heute haben wir eine andere Lehrerin, die echt lustig und nett ist. Sie zieht den Unterricht fast in einem Singsang durch und mir gefällt ihre Art wirklich sehr. Sie ist bestimmt schon um die 50. Die Russin im Kurs geht mir echt auf die Nerven, sie quatscht nämlich immer rein und verhält sich so als ob der Unterricht nur für sie stattfindet. Ich finde es ja gut wenn sie das gerade Gehörte auch anwenden und vertiefen möchte, aber sie redet einfach drauf los und nimmt überhaupt keinerlei Rücksicht auf die anderen. Die Lehrerin muss sie teilweise unterbrechen und macht einfach weiter. Gut so!

Dann kommt es, das sogenante Shadowing!! Das ist der größte Scheiß unter Gottes Himmel, den ich je erlebt habe. Jeder Schüler hat eine Konversation auf einem Blatt bekommen und der Lehrer spielt das Ganze vom Band ab. Nun muss man fast zeitgleich den Text nachsprechen und zwar alle zusammen, gemeinsam und gleichzeitig. Erst durch Lesen und Hören des Textes, dann nur durch Hören und dann nur noch quasi reflexartig aus dem Erinnerungsvermögen. Das Ergebnis jeder Runde ist eine Kakophonie von mehr oder weniger schlechten Japanisch, bei dem ich weder mich noch die anderen noch den Text hören, geschweige denn verstehen kann. Ich kotze! Was soll das bitte bringen einen Text komplett auswenig zu lernen und dann wie vom Band abzuspulen?! So lernt man doch keine Fremdsprache! Das ist so typisch Japanisch, deswegen sprechen die meisten auch nicht so gutes Englisch oder kennen ihr eigenen Wortbedeutungen nicht, weil es immer nur im Stechschritt wiederholt wird. Das mag vielleicht bei anderen funktionieren, aber bei mir mit Sicherheit nicht! Arrrggh, ich kann ja nicht mal so schnell wiederholen oder lesen was ich da sprechen muss, wie soll ich mir dann da was merken bitte?! Absolut nicht mein Fall dieser Scheiß. Hätte ich gewußt, dass das hier zum Standardprogramm gehört, hätte ich den Kurs so nicht gebucht. Die anderen stört das nicht oder nicht mehr. Sie machen einfach mit und scheinen dabei auch etwas zu lernen. Aber ich sperre mich dagegen, schon aus Prinzip. Das gemeinsame Wiederholen nachdem der Text zu Ende gehört wurde finde ich ja schon grenzwertig, aber Shadowing kommt ganz oben auf meine Liste von Dingen, die die Welt nicht braucht. 

In der Summe komme ich aber beim Unterricht ohne größere Probleme mit und verstehe eigentlich alles. Leider ist das Tempo bei der anderen Lehrerin deutlich schneller. 

Danach in eine Izakaya mit der Spanienerin Elisa weil alle anderen einfach abdüsen und nicht mehr socializen wollen. Rumiko-san wollte heute eigentlich Karaoke machen aber zum Glück fällt es aus. Hätte auch nicht so Bock drauf gehabt wenn ich ehrlich bin. Elisa und ich sind beide Widder und dadurch ziemlich ähnlich. Was ein lustiges Gespräch. Elisa befasst sich viel mit japanischer Kultur, alte sowieo neue, und hat auch die Idee mit dem gemeinsamen Besuch des Yasukuni-Schreins gehabt. Trinken zwei kleine und eine große Flasche Sake und Elisa ist ziemlich angeheitert. Dementsprechend interessant wird das Gespräch und ich erfahre so einiges über sie. Wir amüsieren uns prächtig.
Meine Stimmung sinkt dann aber als sie von einer Party erzählt auf die sie im Anschluss gehen möchte und nicht mal Anzeichen gibt ob ich vielleicht mitkommen könnte oder wollen würde. Naja, egal, es war trotzdem ein nettes Beisammensein.

Abends erzählt mir Hide-san, dass sein Großvater früher in der Showa-Zeit tatsächlich Katanas geschmiedet hat! Hammer, wie geil ist das denn? Wir begeben uns gleich auf die Suche und finden wirklich ein Schwert von ihm, dass online angeboten wird bzw. wurde. Er hat nicht direkt den Namen Shibuichi benutzt, sondern eine andere Lesart, die ich mir leider nicht gemerkt habe.
Zufälle gibt's!

http://www.e-sword.jp/sale/2011/1110_1033syousai.htm