Sunday, 4 March 2012

9. Tag in 2012 (Hiroshima, Miyajima und Kushiyaki)

Mit leichtem Schädel wache ich gegen 6:30 auf und mache mich auf den Weg zur Tokyo-Station. Heute geht es nach Hiroshima (広島) !!! Komischerweise ist Hide-san schon oder noch wach. Seiner Gesichtsfarbe nach zu urteilen hat er noch gut einen im Tee.

Flagge von Hiroshima

Am Shinkansen-Bahnhof hole ich mir eine leckere Bento-Box, wie so ziemlich jeder, der Shinkansen fährt. Leckerer wäre nur wenn das Teil auch warm wäre. Da ich mir mein Notebook mitgenommen habe kann ich endlich die letzten beiden Tage im Tagebuch/Blog nachholen und tippe wie ein Weltmeister. Der Schädel weicht nach einem Schläfchen im, wie immer luxuriösen Shinkansen, und viel grünem Tee. Ich kann lange schlafen und muss auch nur ein mal in Osaka umsteigen. Der Shinkansen von Osaka nach Hiroshima sieht schon wieder ganz anders aus, wie aus dem 70er Jahren in Erdfarben gehalten. Aber super gemütlich.

Ich versuche das schöne Wetter in Hiroshima zu beschreiben, aber ich hab ganz ohne Absicht zuerst "strahlender Sonnenschein" und dann "Bombenwetter" geschrieben, auweia. Nicht so die gute Wortwahl wenn auf dem Weg nach Hiroshima ist...Also das Wetter ist jedenfalls richtig toll und begebe ich mich auf direktem Wege zum K's Backpacker Hostel. Es hat gute Bewertungen bekommen und liegt ideal in der Nähe des Bahnhofs. Den Weg finde ich ohne Probleme und dort angekommen bin ich gleich vom netten weiblichen (natürlich) Personal, aber auch von der echt guten Innenauststattung überrascht. Das übertrifft in der Qualität locker das Khaosan Samurai, auch wenn es natürlich etwas größer ist. Im Hostel ist irgendwie gar keiner ausser mir, dabei ist es um die Mittagszeit. Sind wohl alle unterwegs bei dem schönen Wetter. Ich erfrage den schnellsten Weg zum Miyajima-Schrein auf der kleinen Insel vor Hiroshima, die mit dem weltberühmten Tori. Scheint mir bei dem Wetter die beste Wahl zu sein. Heulen im Museum kann ich morgen immer noch wenn es regnet...

Wie geil, mein Railpass gilt sogar auf der JR-Fähre von Miyajima-Maeguchi zur Insel. So lässt es sich angenehm und kostengünstig reisen :)

Fähren-Wettrennen im Minutentakt





Hipstomatic-Effekt
Ich hatte ganz verdrängt, dass auf der Insel Freiwild rumläuft. Also echte Hirsche und Rehe, die in der Sonne chillen und die Touristen erheitern. Die Geweihe sind jedoch allesamt gestutzt.
Der Fluß der Touristen, von denen gerade mal 2% Gaijin sind, wird gekonnt in die Einkaufsstrassen und Souvenirshops geleitet. Von weitem sieht das Tori echt beeindruckend aus und das schöne Wetter sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Die 300円 für den eigentlichen Shinto-Schrein sind mir nicht zu schade und ich begebe mich in den auf Stelzen stehenden Schrein. Muss toll aussehen wenn Flut ist, aber leider kommt die erst in ein paar Stunden. Ich denke ich habe trotzdem ein paar gute Fotos schießen können.





Das mit dem Reh war sogar Absicht :)
 

Touristen, die sich gegenseitig mit dem Tori im Hintergrund fotografieren





Mein Mittagessen: Fischpaste mit Käse am Stiel, umwickelt mit Bacon
 



Nach meiner Rückkehr setze ich mich kurz in den Living Room und schreibe an meinem Tagebuch. Immer noch nicht wirklich voll hier, aber es herrscht schon etwas Betrieb. Hmm, wie finde ich jetzt schnell jemanden mit dem ich essen gehen kann? Jemanden vom Staff kann ich ja nicht wirklich fragen. Also ich könnte schon, wenn ich nicht so ein Schisshase wäre. Ich frage wenigstens nach einer gute Empfehlung und bekomme gleich mehrere Tipps, inklusive Umgebungskarte. Also mache ich mich alleine auf die Socken und latsche in Richtung Innenstadt.

Ganz nett hier, ziemlich bunt und irgendwie anders als Tokyo oder Kyoto. Hat irgendwie wieder seinen ganz eigenen Flair. Aber natürlich geht es auch hier nur um die üblichen Dinge: Essen, Trinken, Shoppen, Karaoke, Pachinko und was noch so in dieser Region der Unterhaltung angesiedelt ist.

Da ich Lust auf Kushiyaki habe, suche ich direkt den auf der Karte markierten Laden, der u.a. auch Kuchiyaki anbieten soll. Lustigerweise finde ich ihn nicht, aber ein reines Kuchiyuki-Restaurant ganz in der Nähe. Also geh ich einfach rein und werde in den folgenden 30-40 Minuten aufs vortrefflichste bedient. Ich bestelle mir Sake und ein Set aus 10 verschiedenen Sticks. Jedes ist ein kulinarischer Hochgenuß. Weil ich die Leber vom Grillen mit My Van noch in guter Erinnerung habe bestelle ich mir hier auch gleich einen Extra-Stick. Boah, ist der lecker! So eine zart-gegrillte Leber hab ich noch nie gegessen! Butterweich und eine wahre Geschmacksexplosion! Ich bestelle gleich noch eine Portion nach. Mir fallen die Worte von Frank, einem meiner Quasi-Senseis vom Iaido ein: "Je älter man wird desto mehr merkt man, dass Essen noch irgendwie das einzige Vergnügen im Leben bleibt."



Satt, zufrieden und vom Sake etwas angetütert begebe ich mich wieder zurück ins Hostel. Auf dem Rückweg hole ich mir noch ein Bier und Frühstück für morgen. Es kommen mir lauter Partywütige entgegen, aber diesmal stört es mich nur mäßig. Ich gehe lieber früh pennen um morgen früh ins Museum zu gehen.

Im Living Room schmeiße ich mich ans Notebook und tue Dies und Das. Zwei Mädels, wahrscheinlich Australierinnen fangen an einen Film zu schauen und ich gucke brav mit. Es ist der Film "Little Miss Sunshine" und er hat einen ganz guten Unterhaltungswert. Nach dem Bier, einem Tee und dem Ende des Films gehe ich ins Bett. Es ist nicht mal 23 Uhr.