Thursday, 27 December 2012

12. Tag (Mori Art Museum, Tokyo Skytree)

Heute plane ich nichts zu tun bis zum Abend. Treffe mich mit Junka-san für einen Besuch auf dem Tokyo Skytree (東京スカイツリー) und einem Abendessen.

Es bleibt also den Tag über beim Ausschlafen, im Hostel frühstücken und dann etwas in Asakusa bummeln.
Danke für den Hinweis!
Zurück im Hostel packe ich mich in den Aufenthaltsraum und hole Notizen für mein Blog nach. Saori-san kommt in die Küche für ihre Pause und wir verwickeln uns beide in ein Gespräch. Ihr geht es ähnlich wie mir, Weihnachten will sie lieber irgendwas tun anstatt zu viel Zeit zu haben (bei ihr ist es arbeiten, bei mir ist es reisen). Sie hat morgen frei und nichts geplant, also bin ich so mutig und frage sie ob wir zusammen was unternehmen wollen. Sie sagt direkt zu. Hui.

Aber bevor ich mir Gedanken über morgen machen kann, muss ich auch schon wieder los Richtung Roppongi, um Junka abzuholen. Ich schmeisse mich mal in den Anzug, einfach weil ich's kann. Jedes Jahr habe ich mich etwas underdressed gefühlt in Japan wenn ich schick essen war, aber diesmal bin ich der Gegend und der Begleitung entsprechend angepasst.

Junka arbeitet im Roppongi Hills Mori Tower. Da noch viel Zeit bis zu ihrem Feierabend ist möchte ich die Gelegenheit nutzen und ins Mori Art Museum gehen, das im 53. Stock untergebracht ist. Die aktuelle Ausstellung ist "Aida Makoto: Monument for Nothing" bzw. 会田誠天才でごめんなさい (was übersetz soviel heißt wie: Sorry, dass ich ein Genie bin).


Der Typ ist schon etwas krank. Ein begnadeter Künstler, keine Frage, seine Bilder sind teilweise sehr beeindruckend und visuell mit Tiefgang und Detailreichtum. Viele Bilder haben einen typischen Manga/Anime Einschlag und greifen auch klassische japanische Motive auf. Manch andere sind einfach total simpel aber dafür mit großer Aussagekraft (z.B. das fast skizzenhaft wirkende Bild "Imagine", welches die Ansicht eines Piloten in Anflug auf zwei Wolkenkratzer zeigt, natürlich klar das World Trade Center).

Azemichi

Blender

Harakiri School Girls

Picture of a Waterfall
Einer meiner Lieblingsbilder (Image from gadabout.jp)
Es gibt riesige schöne Bilder, die zum verweilen und entdecken einladen, dann aber auch wieder Bilder wie das treffende betitelte "Space Shit" welches einfach nur eine Kackwurst im Weltall zeigen. Auch interessant die lebendige Installation von Pappe und Karton, die quasi während der Ausstellung vom Künstler erweitert wird. Sieht aus wie bei einem Umzug.

Kleines Highlight ist die große Plastik "The Non-Thinker". Ein Reismännchen, das auf einem goldenen Kackhaufen sitzt....ähm, wut?!

The Non-Thinker

Es gibt sogar einen Extra-Raum für über 18jährige. Dort werden die ganz kranken Sachen gezeigt. Bishojo-Splatter Bilder von Frauen mit amputierter und noch verbundenen Gliedmaßen, allesamt in unterwürfigen Positionen aus den schlimmsten Abspritzfantasien der Künstlers. Sogar Fotografien gibt es, zum Glück ohne Amputationen. Aber eine nackte Frau, die es mit einer gigantischen Kakerlake treibt, ist irgendwie auch nicht besser. Was das Video soll, das den Künstler von hinten nackt zeigt wie er masturbiert, frage ich mich auch. Das soll alles Kunst sein??! Trotzdem, irgendwie faszinierend. In Deutschland hätte das mit Sicherheit nicht sein dürfen...hmm, oder?

In Summe jedenfalls eine sehr interessante Ausstellung. Und die Aussicht vom Mori Tower zum Sonnenuntergang ist auch sehr schön.





Pünktlich wie die Maurer treffe ich Junka in der Lobby. Sie ist schick angezogen und freut sich mich zu sehen. Sie spricht weniger Englisch als früher mit mir, es ist wohl etwas eingerostet seit sie es nicht mehr für die Arbeit nutzt, sagt sie. Wir fahren mit der U-Bahn zum Tokyo Skytree, der hat mittlerweile sogar eine eigene Station!

Beeindruckende Ansicht von unten
Schon der Bahnhof Tokyo Skytree Station ist beeindruckend, alles neu und auf große Besuchermassen ausgelegt. Glücklicherweise ist heute nicht so viel los und wir kommen schnell durch. Alles natürlich wieder perfekt koordiniert und organisiert.

Der Eintritt ist 2.000 Yen pro Person für die Hauptplattform. Dabei war das Anstehen an der Kasse nur der Anfang, zu den Fahrstühlen stehen wir dann doch länger an. Junka ist richtig aufgeregt.

Der Fahrstuhl ist extrem schnell und hat ne richtige Lichtershow. Total romantisch ^_^

Oben angekommen entweicht den Neuankömmlingen ein gemeinschaftliches 「すぅぅぅごーいー!!」 Die Aussicht ist wirklich großartig, die Stadt ist ein Lichtermeer, durchzogen von den strahlenden Flüssen der Straßen. Sogar Tokyo Tower sieht von hier oben klein aus.

In der oberen Bildmitte sieht man den Tokyo Tower


Wir legen noch ne Schippe drauf und gehen für schlappe 1.000 Yen noch mal höher auf ca. 450m Höhe. Dieser Fahrstuhl erlaubt die freie Sicht nach oben und draussen und verschlägt einem erneut den Atem. Ganz oben gibt es einen spiralförmigen Rundgang. Natürlich gibt es auch die durchsichtigen Bodenplatten zum draufstellen, Junka traut sich aber nicht 「怖い!」



Die Aussicht muss hier tagsüber bei klarem Himmel einfach großartig sein, man kann sicherlich Fuji-san sehen. Heute ist aber natürlich nicht zu sehen. Schade.

In der Basis des Skytrees gibt es eine ganze Menge an Restaurants und ich kann mich einfach nicht entscheiden was ich heute essen möchte. Wir nehmen dann ein westlich-japanisches Restaurant, also westliches Essen, das japanisch zubereitet wird. Klingt jedenfalls interessant. Ist im Endeffekt eigentlich ganz lecker, nur etwas zu viel, typisch westlich also.


Die Unterhaltung mit Junka ist irgendwie schleppend, ganz anders als das letzte Mal. Ich versuche ein paar Fragen zu stellen, aber obwohl wir auch japanisch sprechen kommt irgendwie keine gute Stimmung auf. Daher fahre ich am Ende zurück ins Hostel und versuche den Abend auch nicht künstlich zu verlängern. Junka muss ja eh morgen arbeiten. War aber trotzdem sehr schön sie wieder zu sehen. Mal im Anzug mit einer hübschen Frau in Tokyo unterwegs zu sein hat halt auch was für sich.

Das wars dann schon mit Weihnachten...heute war der 2. Weihnachtstag, krass. Gut umschifft die Klippe würde ich sagen. Jetzt kann ja Silvester kommen.