Monday, 31 December 2012

16. Tag (Regen und neue Freunde zum Feiern)

Es regnet heute ziemlich stark. Dementsprechend ist meine Laune auch nicht die Beste. Vor allem weil ich es partout nicht schaffe, dass Saori sich mit mir treffen möchte obwohl sie frei hat. Sie hat nen ziemlichen Kater, kein Wunder nach dem Gelage gestern.

Ich gehe nur kurz raus und esse was bei dem großen Sakura-ya, das ich schon aus Itabashi kenne. Die Kellnerin spricht sehr gut English und bringt mir auch prompt ein englisches Menü. Ich bestelle mal was simples; mit Käse überbackene Kartoffeln und ne gebratene Makrele. Letzteres braucht ewig, schmeckt aber ganz lecker. Hätte ich mal kein Bier bestellt, mir ist schon wieder viel zu warm.

Da es immer stärker regnet versuche ich gar nicht erst etwas anderes zu probieren und kehre ins Hostel zurück. Ich überlege heute einfach mal allein wegzugehen, am besten in einen Club, der eher für Japaner ist und alles mögliche an Musik hat. Meine Wahl fällt auf den Club Atom. Ich sichere mir brav Screenshots von der Route und gehe dann wieder in die Bar mit der Hoffnung, vielleicht eine spontane Begleitung zu finden. Meine Bekanntschaften von gestern bzw. von vor einer Weile reagieren leider genauso wenig wie Saori.

Die Bar ist um 21 Uhr nicht besonders gut gefüllt und die Leute sehen irgendwie langweilig aus. Ich trinke zwei Drinks und will mich schon auf den Weg machen, da kommt eine etwas verloren wirkende, aber aufgekratzte Asiatin in die Bar. Sie ist gerade angekommen und kommt aus Taiwan. Peng, und schon haben wir ein Gesprächsthema. Joanna ist quasi zu Silvester in Tokyo gestrandet, ihre Freundin musste unerwartet zurück nach Taiwan. Ich lasse es mir nicht nehmen sie ebenfalls auf die NYE Party der Facebook-Gruppe von Tims Freunden einzuladen, genauso wie zu meiner heutigen Unternehmung. Als dann Ashley auch ein Lebenszeichen per Mail von sich gibt, bitte ich sie gleich mit dazu. Sie kommt mit einer putzig aussehenden Waschbär-Mütze und versprüht gleich gute Laune. Sie und Joanna verstehen sich gleich super, haben die gleiche Kamera, haha. Der Abend ist also gerettet.

Plötzlich wird auch die Bar voller, bekannte Gesichter und auch Bini und Freundin kommen vorbei. Wir quatschen also wesentlich läger als ursprünglich geplant, ziehen dann aber zu dritt los. Ich bin also der Anführer von zwei Japanneulingen und fühle mich dabei ganz wohl muss ich zugeben. Da ich noch sehr gut nachfühlen kann wie verloren man sich teilweise vorkommen kann, gebe ich ab und zu eine paar Tipps zum Besten und besonders Ashley ist darüber sehr dankbar.

Ich dachte ich kenne den Weg zum Club Atom, hab mir ja sogar Notizen gemacht. Verlaufe mich aber tooottaaaal. Wir gehen im Lawson Konbini lieber erstmal Alkohol kaufen, das hilft beim Denken. Aus Versehen kaufe ich statt Sake den starken Shochu für Ashley, aber das steckt sie weg. Vom netten Verkäufer versuche ich mir dann den Weg erklären zu lassen, bin aber etwas verwirrt wegen der Karten, die er mir präsentiert. Kann einfach nicht unseren Standort mit dem vom Club Atom verbinden.

Scheiß drauf, wir nehmen einfach ein Taxi, kostet eh nur 710 Yen. Zu dritt ist das ja nix. Der Taxifahrer ist auch total nett und erlaubt uns unsere kleinen Späße im Taxi.

Das coolste Taxibild ever!!!!!
Na toll, der verdammte Laden ist genau eine Ecke neben The Womb! Hätte ich das gewußt, wäre ich anders gelaufen, grrr. Naja, jetzt sind wir ja da. Uh oh, Ashley hat ihren Pass nicht dabei, wir kommen deswegen nicht rein. Sie hat alles andere dabei, diverse Altersnachweise, sogar ihr koreanisches Visa. Der Türsteher ist aber ein Arsch und wird sogar leicht aggressiv als er uns verständlich macht, dass es nur mit Pass geht. So ein Wixer. Das erste Mal, dass ich auf nen Japaner sauer bin.

Ashley hat ein schlechtes Gewissen aber wir lassen uns nicht die Laune verderben und  gehen einfach ins Womb nebenan, da weiß ich wenigstens, dass alles gut läuft. Wir haben dann auch Glück, im Womb wird nicht ausschließlich nach Pässen gefragt, jegliche ID reicht. Der Eintritt ist aber sportlich; 3.500 Yen, puuh.

Der Laden ist wieder immerder Knaller, richtig geil. Die Mucke fetzt und diesmal hat's sogar Tänzerinnen. Ein Facebook Video dazu gibt es hier.
 


Joanna ist total happy weil sie Leute gefunden hat um in Tokyo Party zu machen und kein Trübsal blasen muss. Ashley amüsiert sich auch großartig. Beide danken mir tausend Mal für den geilen Abend. Ich fühle mich wie der Partykönig von Tokyo :D

Nach dem vielen Tanzen und Trinken gehen wir noch in das nächste Kushinoya und verputzen alle ein leckeres Mahl. Ein Typ pennt ganz ungeniert auf dem Tresen und hat erstaunlicherweise ein recht großes Tattoo auf dem Rücken.


Die erste Bahn geht erst um 5:01 Uhr und wir haben noch mehr als 30 Minuten Zeit. Also verbringen es mit Warten vor der verschlossenen Station und reden über Waffengesetze in den USA und Amokläufe. Ashley hält das Recht auf Waffen für integral im amerikanischen Gesetz, ist aber strikt gegen Waffen und weiß nur keine Lösung. Sehr amerikanisch irgendwie. Joanna bringt die Frage nach der Unabhängigkeit Taiwans auf, sie weiß auch keine Antwort auf eine Lösung in naher Zukunft. Harte Thema zu einer unmenschlichen Uhrzeit, haha.



In der Bahn dösen wir dann alle seelig vor uns hin. Echt ein cooler Abend, ob der noch von der morgigen Silvesternacht getoppt werden kann? Wird schwer!