Tuesday, 1 January 2013

17. Tag (New Year's Eve im Club Asia)

Ich schlafe erneut lange um Kräfte zu sparen. Eigentlich habe ich keine Lust auf irgendwas, außer auf den Abend. Bin sogar etwas aufgeregt würde ich sagen. Mein erstes Silvester in Japan!

Da Saori mich am Sonntag mehr oder wenig ignoriert hat, bin ich nicht so gut auf sie zu sprechen. Ich glaube sie spielt einfach mit mir oder hat schlichtweg keinen Bock mehr. Ich weiß, dass sie seit 8 Uhr arbeitet und sehe sie natürlich auch als ich mir Schlappen hole. Wir kommen aber erst wieder ins Gespräch als ich alleine in der Küche sitze und sie überraschend hereinkommt, um ihre Pause zu machen.

Ich spreche die Situation an und wie es scheint haben wir beide das Gleiche vom anderen gedacht, nämlich, dass es dem anderen nicht ernst ist und dass die Situation einfach zu schwierig wird wenn wir weitermachen. Trotzdem ist da etwas und wir berühren uns wo wir nur können, natürlich immer so, dass die Kamera es nicht sieht. Wir sprechen uns etwas aus, was meine Stimmung etwas hebt. Eine Aussicht auf ein Wiedersehen ist aber immer noch zu gering. Verdammt, warum muss ich mir denn IMMER die schwierigen Fälle aussuchen?! Saori arbeitet heute in der Bar, also werde ich dort den Abend starten und dann mit Joanna losziehen.

Lerne Niklas kennen, einen Berliner, der momentan in München lebt. Er kommt gerade aus Neu-Kaledonien wo er Freunde besucht hat. Ganz schön weit weg. Er war schon mal vorher in Japan. Er hat auch noch keinen Plan was er heute abend machen will, also lade ich ihn natürlich ein, er kennt ja den Treffpunkt am Hachiko. Besonders viel quatschen wir aber im Hostel nicht.

Ich sehe einen grandiosen letzten Sonnenuntergang auf dem Dach des Hostels.



Ich habe Riesenhunger, also frage ich Saori wo es in der Nähe einen Gyoza-Laden gibt. In dem kleinen Buch für Restaurants in der Nähe fällt mein Blick dann auf Yakitori und ich ändere meine Meinung. Nichtmal jetzt können wir es vermeiden uns zu berühren, obwohl es direkt in der Rezeption ist.

Der Laden ist direkt neben der Asakusa-Station der Ginza-Line und mir schon tausend Mal aufgefallen. Von aussen sieht er aus wie eine bessere Bretterbude und nicht wirklich vertrauenswürdig. Von innen sieht der Laden aber extrem cool und offen aus. Ein rustikaler Charm aus selbstgebautem, dauer-improvisiertem und bunten Dingen. Definitiv ein Laden, den ich öfters besuchen sollte. Ich bestelle 6 Spieße, davon 2x mit Leber. Ach herrlich, ich liebe das Zeug einfach. Und günstig es auch noch! 660 Yen für 6 Spieße finde ich super! Beim Gehen öffnet die Chefin (?) sogar extra noch mal die Tür und sagt auf Englisch Danke und auf Wiedersehen, wie süß.


Es gibt nix zu tun außer wieder ein Schläfchen zu machen, also so sei es. Nachdem das erledigt ist mache ich mich fertig und begebe mich gegen 18:45 in Richtung Bar. Ich hebe tatsächlich noch mal 10.000 Yen ab, einfach weil ich denke ich sollte ruhig spendabler sein zur Feier des Jahres. Auf dem Hinweg kommt mir eine flott-laufende Saori auf der anderen Strassenseite entgegen. Häh, müsste sie nicht die Bar aufmachen?! Der Holländer vom Help-Staff wartet auch schon auf sie, genau so wie Joanna. Haha, wie Asi, wir warten darauf, dass eine Bar öffnet. Irgendwann kommt sie dann aber auch und ist etwas durch den Wind. Wir bestellen ein, zwei Drinks und Niklas stößt auch zu uns. Da Ashley absagt und lieber in einen günstiger Club mit einem VIP-Ticket geht, wird Niklas quasi ihren Platz übernehmen, auch gut. Wir sind etwas spät dran und machen uns erst gegen 20 Uhr auf den Weg zur U-Bahn. Blöde Ginza-Line, so mistig heiß und so langweilig. Aber immerhin haben wir Zeit zum quatschen.


Es kommt raus, dass Niklas vor 4 Jahren bei Bosch ein 6monatiges Praktikum gemacht hat. Das Bosch Gebäude in Shibuya diente mir immer als Orientierungspunkt auf meinem Weg zum Dojo. Und wieder ein interessanter Zufall, dessen Bedeutung ich nicht erahnen kann. Ich frage ihn etwas zu den Möglichkeiten und Umständen einen Job in Japan zu bekommen. Er erklärt mir, dass es an sich gar nicht so schwierig ist, man muss nur die entsprechenden Firmen kennen und anschreiben. Gerade die Automobilindustrie ist stark in Japan vertreten und bieten Möglichkeiten für diverse Studiengänge an.

Er erzählt von seinen Erfahrungen in dem ihm zugeteilten Dorm. Er ist spät abends in der ersten Nacht gleich mit einem Gast aufgetaucht und das ging ja wohl gar nicht für die Japaner. Mit Ach und Krach haben die es für eine Nacht dann doch erlaubt. Überall Regeln, sehr typisch.

Das Praktikum bei Bosch war super sagt er. Er hatte ein gutes Verhältnis zum Chef, der trotz japanischer Herkunft doch recht Deutsch geworden ist. Selbst als Niklas mal großen Mist mit der Stock-Datenbank gebaut hat weil er zu viele Queries abgesetzt hat und das System für satte 3 Tage ausfiel, kam er noch mal mit dem Schrecken davon. Sogar gut bezahlt wird das Praktikum bei Bosch. Hmmmmm....der Mann bringt mich auf Ideen. Zumal er gar nicht mal wirklich Japanisch spricht.

Am Hachiko treffen wir Tim und seine Freundin Nancy (Australo-Chinesin), der Rest der Truppe ist aber noch nicht da. Wir laufen aber schon mal los und finden es auf Anhieb. Es hat nur gar nicht geöffnet also gehen Niklas, Joanna und ich noch was trinken während Tim und Nancy warten. Niklas kennt eine coole Bar im 15. Stock in der Nähe, tolle Aussicht, echt schick.

Der Tresen!

Ich glaub ich trinke da wirklich einen Appletini...




Als Joanna mal auf dem Klo ist reden wir über Beziehungen und über seine ihn einengende japanische Ex-Freundin und die Probleme mit dem Kulturunterschied. Fühle mich da sehr bestätigt und verstanden. Er scheint mir aber eher ein typischer Kerl zu sein, der seinen Freiraum braucht. Vielleicht bin ich ja mittlerweile jetzt auch so?

Nach den Drinks gehen wir zum Club Asia. In der Schlange werden wir von jemandem angesprochen, der scheinbar heute DJ ist. Wir kommen für wesentlich weniger rein, einfach weil er uns auf seine Gästeliste gesetzt hat. Geilo!

Der Club ist richtig cool. Es gibt einen großen Techno-Floor, einen kleinen Irgendwas-Floor mit zentraler Bar und sogar einen Drum'n Bass Floor. Ach schön, hier bleib ich. An der Treppe steht auch gleich ein großes Fass Gratis-Sake über das wir dann auch gleich herfallen.


Niklas kommt im Club nicht richtig in die Gänge, kann ihn aber verstehen. Berliner sind halt verwöhnt was elektronische Musik angeht. Die Musik ist nicht allererste Sahne aber auch nicht schlecht.

Ich kippe freien Sake so oft ich kann, wer weiß ob es Nachschub gibt. Beim Faß quatscht mich ein Japaner und will mit mir anstossen. Da ich aus Deutschland bin spricht er gleich auf Shinji blabla an, den Fußballer bei Dortmund oder irgendwo.

Die Gruppe von Tim ist ziemlich jung und ziemlich schwul. Sehen alle aus wie das Paradebeispiel eines Hipster, gehen aber alle ab wie Schmidts Katze. Die Mädels tragen alle Perücken und wechseln wild hin und her, kann sie irgendwann gar nicht mehr unterscheiden. Einer der Jungs will wohl mit mir knutschen, aber so betrunken werde ich heute definitiv nicht sein, auch wenn ich das schon fast süß von ihm finde (uh oh, kommt da der Appletini durch?).

Ab und zu schaue ich auf dem DnB Floor vorbei wo es teilweise so cool ist, dass ich einfach nur über beide Ohren grinse. Scheint hier richtig ne DnB Community zu geben, haben oft DNB JPN T-Shirts an. Muss ich mal recherchieren.




Die Stimmung ist Bombe, es ist super voll auf dem Mainfloor. Es gab zwar keinen Sake-Nachschub aber die Drinks sind auch nicht von schlechten Eltern. Wir feiern, tanzen und freuen uns auf den Countdown. Es ist so eng, dass man sich nicht mehr bewegen kann als es los geht. Ich finds einfach krass und einfach toll! Prost Neujahr!!

Zum mitternächtlichen Höhepunkt wird plötzlich Ponponpon gespielt!!! Ich rast aus! Alle rasten aus! Sogar eine Sängerin kommt auf die Bühne auf dem Mainfloor, das wird doch nicht die Tante höchstpersönlich sein?! Nee, sieht anders aus...

 



Ballon-Attacke!!
Jetzt wird erst komischerweise erst RICHTIG voll. Die ganzen Gaijin hauen ab und die Japaner nehmen ihre Plätze ein. Ich dance mit Joanna, mit irgendwelchen Mädels, sogar mit ner Japanerin (glaube ich). Puuh, hier ist was los. Joanna ist mega dicht und mega happy. Wir müssen so langsam auf sie aufpassen. Der Schweiß der gesammelten Menge sammelt sich in einem engen Treppengang und rinnt von den Wänden. Einmal dagegen gestolpert ist das komplette T-Shirt nass.


Irgendwann sehe ich Joanna und Niklas wild knutschen. Auch ne Art auf sie aufzupassen. Nik der alte Abstauber. Sie düsen dann auch früh zusammen ab, wahrscheinlich ins Love-Hotel. Obwohl ich eigentlich kein Interesse an Joanna hatte weil ich sie einfach als coole Freundin sehe, bin ich natürlich doch etwas pikiert. Aber ich freue mich auch, denn Spaß werden beide sicherlich haben, hehe.

Nachdem ich planlos diverse Male im Club hin und her gelaufen bin ohne wirklich wissen was ich jetzt von wem und von der Nacht will, folge ich einfach den Gruppe von Tim als sie sich bereit machen zu gehen. Sie wollen noch einen Kebap essen, wie man hier sagt. Wie geil, ein Döner Kebap Stand, direkt neben dem Club. Und genau so wie ich ihn auch mag, nur grüner Salat, Fleisch und Soße. Die Portion ist lächerlich klein, aber genau richtig für jetzt.

Döner macht schöner, auch in Japan
Den Heimweg bestreite ich allein. Bin genervt von den ganzen Massage-Angeboten auf dem Weg. Alle quatschen einen dumm an.

Mache in Asakusa einen Abstecher zum Senso-ji, der bereits gut besucht ist. Die Polizei mit Wegeleitsystemen ist omnipräsent. Zum ersten Mal wünsche ich mir was im Tempel; einfach nur die große Liebe zu finden.

 


Bin emotional etwas angeschlagen, war zu erwarten.

Happy New Year! Ein Frohes Neues Jahr! 明けましておめでとう!