Monday, 17 December 2012

Taiwan: 2. Tag (Dim Sum, CKS Memorial, Danshui, Shilin Night Market und wieder Dim Sum)

Ich komme leicht geknickt und mit schlechtem Gewissen an der Wohnung an. Da ich noch keinen Schlüssel habe muss ich auf Fifi warten. Als sie dann kommt entschuldige ich mich erstmal, dass ich sie letztendlich im Club alleine gelassen habe. Ihr ist das eher egal, fast ist es mir peinlich, dass ich mich entschuldigt habe.

Nach einer Dusche und frischen Klamotten fühle ich den Kater leider immer noch. Fifi ist bombig drauf und hat schon den nächsten Tagesordnungspunkt; Dim Sum bzw. dumplings essen gehen mit Tiffany. Vorher treffe ich aber noch meinen Gastgeber Patrick, der eigentlich in Kaohsiung wohnt und dessen Zimmer ich bewohnen darf. Netter Kerl, ist DJ. Kaohsiung ist eine alte Stadt und nicht so weit von Tainan, vielleicht sollte ich ihn da mal besuchen zumal ja auch der Iaido Dojo von Kobara-sensei dort unten ist.

Ich bin ziemlich fertig und müde, reder daher nicht wirklich viel. Für das Foto vorm Dim Sum Laden bin ich einfach noch zu kraftlos. Aber mit der ersten Tasse grünen Tee und dem köstlichen Aufgebot von dumplins kehren meine Lebensgeister zurück und meine Stimmung hebt sich deutlich. Herrliches Zeug, ich könnte mich nur noch davon ernähren. Tiffany und Fifi meinen beide ich soll ein bestimmtes Gericht probieren, sagen mir aber nicht was es ist. Erst nachdem ich selber den wirklich merkwürdigen Nachgeschmack bewerkt habe, klären die beiden mich auf, dass es Taiwans berühmter Stinky Tofu ist, den ich da verputze. Naja, kann man essen. Jedenfalls besser als Natto.


Links ist der Stinky Tofu

Die Tische sind übrigens alle nur aus Metall und man kann kleckern so viel man will. Die Höhe der Tische und die Hocker sind auch nicht auf europäische Bedürfnisse eingestellt, ich sehe aus wie ein Riese in einer Puppenstube manchmal.


Nach dem großartigen Gelage laufen wir Richtung Chiang Kai Shek Memorial Park. Tiffany wird am Eingang von einem Typen auf dem Roller abgeholt, scheinen wohl ein Date zu haben. Fifi und ich schlendern in den Park und schauen uns Dies und Das an.









Der Park wird von den verschiedensten Leuten für die verschiedensten Dinge genutzt. Es gibt Violinspieler, die einfach unter freiem Himmel üben, Gruppen von Senioren, die Schach oder Mahjong spielen und überall gibt es kleine bis große Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die zusammen Tanzchoreographien üben. Und die sind allesamt richtig gut! Mit 12 konnte ich mich jedenfalls nicht so geschmeidig zu Hip Hop Beats bewegen, trotz Standardtanzkursen bei Tanzschule Keller...

Auch die eigentlichen Grünanlagen des Parks sind wirklich schön. Weniger idyllisch, mehr kräftig und irgendwie altertümlich, was vielleicht an den knöchernen Bäumen liegen könnte. Es ist brüllend heiß und mein Restalkohol und die Dim Sum machen mich schläfrig. Als ich ein interessantens Treiben in einem kleinen Parkbereich entdecke, haue ich mich erstmal auf die nächstbeste Parkbank und schau mir das an.

Es scheint eine Kung Fu Gruppe zu sein, die draussen trainiert und sowas wie Prüfungen hat. Alles sieht sehr offiziell und organisiert aus, sogar Kameras laufen. Der Meister sitzt wie ein König auf der Bank und sieht sich die verschiedenen Gruppen an. Ab und zu gibt er ein paar Kommandos und Kommentare, sieht aber eher desinteressiert aus (oder rotzcool, keine Ahnung).




Als wir ankommen sind die meisten Gruppen eher ungelenk und wahrscheinlich Anfänger. Ich will aber unbedingt die guten Jungs sehen, zumal sie in der Schlage bereits mit diversen Waffengattungen warten. Als dann so ein ca. 12jähriger Junge, der wie ein Nerd aus dem Lehrbuch aussieht, loslegt, bin ich voll geflasht. Der Kleine springt und kickt wie Jackie Chan himself und würde mich wahrscheinlich mit dem kleinen Finger zerlegen können, so agil und kraftvoll sind seine Bewegungen. Der Typ scheint auch wirklich zu den besseren zu gehören, denn sein Meister rührt sich plötzlich und gibt konkrete Anweisungen und steht sogar auf, um ihm Bewegungen noch mal genauer zu zeigen. Da sehe ich dann auch warum er der Lehrer ist, denn er legt in Sachen Power noch mal ne Schippe drauf. Dabei sieht der aus wie knappe 65. Alter Falter, in Taiwan sollte ich mich wirklich mit keinem anlegen, hier können alle Kung Fu!!

Achja, vor Begeisterung nicke ich dann gepflegt auf meiner Bank an. Fifi hat es mit Belustigung dokumentiert...


Das CKS Memorial wurde leider gerade renoviert.


Als nächster Tagesordnungspunkt machen wir uns auf nach Danshui (淡水), was im Norden und an einer Flußmündung liegt, fast schon am Meer. Die Zugfahrt dauert ca. 1 Stunde, die wir beide für ein Schläfchen nutzen. In Taiwan scheint das auch keinen zu stören wenn man in der Bahn pennt, find ich super :)





Danshui ist ein beliebter Ausflugsort und durch den Meereswind angenehm kühl. Es wabert ein interessanter Nebel um die nahegelegenen Hügeln und überhaupt ist die Luftfeuchtigkeit richtig hoch, was der ganzen Szenerie eine Art magisches Leuchten gibt (leider auf den Fotos schlecht zu sehen).

Panoramafoto, klicken für die volle Größe


Überall sind Menschen, die sich an den Hunderten Fressständen mit Snacks und Leckerein eindecken. Es herrscht so etwas wie Jahrmarktsstimmung. Erinnert mich irgendwie an Japan. Wir laufen die ganze Uferpromenade hoch und probieren hier und da etwas. Fifi überredet mich bei irgendeinem Budenspiel mitzumachen und mein Preis ist...eine aufblasbarer Morgenstern.

Ich sollte lächeln fürs Foto. Dabei lächelt man doch nicht mit einem Morgenstern, weiß doch jeder!
Deutsche Schweinshaxe bzw. Eisbein
Wir laufen und laufen...rauf und runter. Ein, zwei Tempel liegen auch auf dem Weg. Dass die Tempel mit bunter Leuchtschrift und jeder Menge Neonröhren ausgestattet sind wirkt etwas befremdlich auf mich. Auch von innen sieht alles irgendwie nicht andächtig sondern total chaotisch und irgendwie unsauber aus. Überhaupt hat alles eher rauh, krude und abgewohnt, was es aber mit einem ganz eigenen Charme versieht.








EinTempelgelände von der Hinterseite.

Die Spanier scheinen in Danshui auch ihre Spuren hinterlassen zu haben. Das alte, restaurierte Fort Santo Domingo ist eine der Sehenswürdigkeiten. Die Architektur wird deplatziert inmitten der kargen, funktionalen Wohnbauten und den verteilten Tempeln hier und da.

Fort Santo Domingo

Nachdem ich dann durch das viele Laufen quengelig werde machen wir uns auf dem Weg zum nächsten Stopp des Tages. Fifi schaut vorher noch mal in einem der Kanpai Läden vorbei, für den sie als IT-Chefin arbeitet. Alleine deswegen kennt sie schon die Hälfte der Leute alle Läden in Taiwan, den Rest wahrscheinlich weil sie so ein kommunikativer Mensch ist.

Die Reise geht ein paar Stationen wieder Richtung Taipeh, nach Shilin (士林) zum berühmten Shilin Night Market. Bevor wir uns aber ins Getümmel stürzen schlägt Fifi eine Fuß- und Rückenmassage vor. Eine halbe Stunde Fuß, eine Stunde Rücken, das alles für ein Appel und ein Ei. Klar, da bin ich dabei. Der Laden ist gut besucht und scheint auch gezielt japanische Touristen anzusprechen, den vieles passiert zweisprachig.

Als allererstes bekomme ich eine lustige kurze Hose verpasst und darf meine Füsse in einen warmes Fußbad packen. Tee gibt es auch und sogar Fernsehen kann man dabei. So weit, so gut.

Meine Perspektive
Fifis Perspektive
Was dann an Fußmassage kommt ist ein harter Test an meine Männlichkeit. Ich bin mit Sicherheit in Sachen Schmerzen kein Weichei und kann auch einiges aushalten, aber diese Schmerzen während der Massage hatte ich in der Form noch nicht erlebt. Der kraftvolle Masseur beginnt erst mit einer druckvollen, jedoch angenehmen Massage des eigentlichen Fußes, arbeitet sich dann aber übers Schienbein bis zum Knie hoch und hinterlässt auf seinem Weg zerstörte Nerven und ein leicht wimmerendes Etwas, das mal meine Wenigkeit gewesen ist. Diese Hände können Backsteine zerbröseln und zerdrücken mir jetzt zentrale wichtige Nervensystempunkte an meinen Schienbeinen, von denen ich natürlich nie ahnte, dass sie so schmerzen könnten. Es ist so schmerzhaft, dass es schon wieder lustig ist. Auch Fifi links und die Japanerin rechts wimmern ab und zu während ihnen die anderen Masseure und Masseusen zusetzten. Mein Folterknecht scheint absichtlich auszutesten ob der Ausländer auch was aushalten kann. Ich will natürlich nicht kneifen und sage immer brav, dass alles in Ordnung ist wenn er des öfteren mal nachfragt. Aber ich muss schon oft die Zähne zusammenbeissen. Und immer wieder die Schienbeine, auuuaaaaaa!!

Nachdem ein Bein fertig ist, packt er es in ein heißes Handtuch ein und ich fühle mich wie eingegipst. Er hätte es auch amputieren können, fühlen tue ich eh nix mehr. Ich habe wirklich etwas Angst vorm zweiten Bein...

Nachdem die Beine dann durch sind (im wahrsten Sinne des Wortes) geht es ein Stockwerk tiefer auf die Liegen zur Rückenmassage. Ich warne ihn noch etwas vor, dass er meine linke Schulter etwas behutsam behandeln soll und dann geht die ganze Folterei in die nächste Runde. Aber diesmal ist es zum Glück nicht so schlimm sondern eher angenehm. Ein paar fiese Nervenenden findet er aber auch hier.

Nachdem das überstanden ist geht es auf den night market, für mich leicht humpelnd. Es ist richtig was los. Mir gefällt's hier sogar. In Kuala Lumpur hat mir der night market nicht so gefallen, da gab es nur Schrott und immer das Gleiche. Hier gibt es aber wirklich nette Sachen, von Klamotten bis handgefertigten Kram und natürlich jede Menge exotische Gerichte wie z.B. Schlangen, an die ich mich aber nicht wage.

Wir essen verschiedene Sachen obwohl ich eigentlich noch ziemlich satt von heute früh bin. Aber wenn ich schon mal da bin. Faszinierend ist auch wo wir essen, denn es ist sowas wie eine unterirdische Fressmeile, an der sich dicht an dicht die verschiedenen Geschäfte drängen. Die Luft ist stickig und voll von Gerüchen von dampfenden Speisen, gute wie schlechte. Fifi legt mir nahe ich sollte mal ein typisches Gericht probieren, dass sowas wie Sargbrot bedeutet. Man klappt es auf und innen sind Thunfisch oder Fleisch vermischt mit einer Ei/Stärkepaste und Gemüse. Super lecker und magenfüllend.



50 Taiwan Dollar sind ca. 1,20€, hammergünstig!!
Nach Shilin fahren wir zurück nach Taipeh. Fifi meint sie hat eine Überraschung für den nächsten Laden. Es stellt sich als das "On Tap" heraus, Tiffanys Arbeitsplatz. Der Laden ist eine typisch westliche Sportsbar und dementsprechend auch stark nur von Ausländern frequentiert. Gut besucht ist sie aber an diesem Sonntag eher nicht.

Wir spielen zum Zeitvertreib etwas Jenga, was erstaunlich unterhaltsam und spannend werden kann je mehr man trinkt.


WiFi enabled menu
Irgendwie bleiben wir auch länger als ursprünglich gedacht und trinken mehr als geplant. Mein Geld geht jetzt schon zur Neige, aber ich habe ja auch den Großteil noch gar nicht gewechselt, puuh. Morgen dann.

Fifi fährt früher heim und ich bleibe noch ein wenig und quatsche mit Tiffany. Wir haben ja eh den gleichen Heimweg, also laufe ich dann einfach mit ihr zurück, sie kennt ja den Weg (im Gegensatz zu mir). Sie amüsiert sich sehr über meine Eskapade von letzter Nacht und legt den Finger immer wieder in die Wunde. Aber ich hab's ja verdient...

Nachdem die letzten betrunkenen Ausländer rausgeschmissen wurden macht Tiffany den Laden zu und wir gehen nach Hause. Es ist absolut ruhig auf den Straßen, beinahe idyllisch. Es stellt sich raus, dass sie erst 22 ist. Dabei dachte ich, sie ist einfach so cool wie sie immer tut. Scheint dann doch nur Selbstschutz und überspielte Unsicherheit zu sein, so so. Es ist aber sehr angenehm mit ihr zu quatschen, auch weil ihr Englisch perfekt ist. Bei Fifi ist es teilweise etwas anstrengend weil sie doch eher Taiwan-Englisch spricht und in Sachen Grammatik und Aussprache eher holprig unterwegs ist.


Da wir beide noch Hunger haben gehen wir in den 24h Laden gleich neben der Wohnung. Hier werden auch hauptsächlich Dim Sum verkauft also gönnen wir uns ein paar als Mitternachtssnack. Ich probiere Reismilch, interessanter Geschmack. Gute Gesellschaft, gute Gespräche und gutes Essen. Ein entspannter Abschluss zu einem unglaublich ereignisreichen Tag.