Wednesday, 19 December 2012

Taiwan: 4. Tag (National Palace Museum)

Es wäre vielleicht zu erwähnen, dass ich den Abend bzw. die Nacht mit Tiffany auf ihrem Zimmer verbracht habe. Aber ganz harmlos mit anregenden Gesprächen und Diskussionen über Gott und die Welt ;) Irgendwie verstehen wir uns einfach gut und teilen vor allem die Sicht auf die Dinge wenn es um die Photographie geht. Tiffany designt im Übrigen Bademoden und witzigerweise kennt sie daher auch Wicked Weasel. Sehr lustig.

Wir quatschen bis in den Morgen hinein. Irgendwann ist es 4 Uhr morgens und ich verabschiede mich in mein Bett. Zum Glück gehe ich heute nicht früh los, das hätte ich auch gar nicht geschafft mit nur 2 Stunden Schlaf.

Daher schlafe ich einfach mal ein bisschen länger und plane um 12 Uhr aufzustehen. Letztendlich wird ca. 14 Uhr daraus und ich fühle mich ziemlich platt und mir ist kalt. Die Wände in dieser Wohnung kühlen super schnell aus. Isolierung kennen die in Taiwan scheinbar genauso wenig wie in Japan. Zum Glück bin ich heute alleine unterwegs, ich hätte gar keinen Nerv für jemand oder etwas anderes. Heutiger Plan ist das National Palace Museum oder Nationales Palastmuseum, eins der größten und wichtigsten Museum überhaupt in Taiwan.

Nachdem ich mir meine Route angeschaut und noch die ein oder andere E-Mail verschickt habe, mache ich mich auf den Weg. In der Fuxing Road, auf dem Weg zur Daan Station gibt es eine nette Bäckerei/Kaffeeladen, in dem ich mir erstma ein fettiges Eier-Käse-Gebäck und nen Kaffee hole und auf dem Weg zur Bahn verputze. Den Kaffee trinke ich natürlich lieber vor dem Eingang der Bahn aus, sicher ist sicher. Denn in Taipei darf man keine Getränke in der Bahn trinken, sonst gibt's kräftige Strafen. Dummerweise fange ich durch den heißen Kaffee sofort an zu schwitzen und die verschiedenen Klimazonen in der MRT tun ihr übriges.

Von Shilin muss ich einen Bus bis zum Museum nehmen. Zum Glück enden fast alle Busse genau dort, also muss ich auch nicht genau schauen welchen ich nehmen und wann ich aussteigen muss. Auf dem Weg sehe ich einen wunderschönen kleinen Chinesischen Park. Dort hätte ich schöne Fotos machen können, blöd nur, dass ich meine große Kamera nicht dabei habe. Chang Kai-shek scheint hier mal gewohnt zu haben, es ist sogar eine Busstation nach ihm benannt.




Das Museumsgelände ist riesig und beeindruckend. Es waren dutzende Busse mit asiatischen Touristen angekarrt, die meisten wahrscheinlich Chinesen und Japaner. Es gibt drei große Ausstellungshallen aber ich entscheide mich jetzt schon, dass ich mir wahrscheinlich nur eine anschauen werde. Also rein ins Hauptgebäude. Auf Audioguide oder Plan verzichte ich, denn heute ist sich-treiben-lassen angesagt.


Das Nation Palace Museum enthält die mit Abstand größte Sammlung chinesischer Kunst- und Kulturgegenstände Chinas. Die zigtausenden Gegenstände wurden damals von den verschiedenen chinesischen Kaisern in der verbotenen Stadt in Peking gesammelt und dort aufbewahrt. Aufgrund der Konflikte und Kriege mit Japan wurden der Großteil dann nach Shanghai und päter Nanking  evakuiert. Als dann nach dem Ende des 2ten Weltkriegs die Chinesen meinten sich jetzt gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, hat General Chiang Kai-shek vorsorglich alles nach Taiwan schaffen lassen. Im Nachhinein wahrscheinlich eine überaus kluge Entscheidung, da somit ein unglaublich reicher Kulturschatz erhalten blieb. Es ist schon blanke Ironie, dass das größte Zeugnis der reichen chinesischen Kultur nicht mal auf dem Festland China steht, sondern im abtrünnigen Inselstaat Taiwan.

Das Hauptgebäude ist groß, sehr groß. Auf mehreren Etagen werden unterschiedliche Epochen, Schwerpunkte und Kunstfertigkeiten behandelt. So gibt es z.B. einen großen Teil, der sich nur mit der filligranen Kunst der Jade-, Horn- und Holzschnitzerei beschäftigt. Aber auch die Malerei und Kaligrafie kommt nicht zu kurz.


Eine ganze Abteilung stellt die verschiedenen Bronzegefässe und -gerätschaften aus. Von alltäglichen und zeremoniellen Gefäßen bis über Glocken und letztendlich Waffen, gibt es hier eine Menge zu sehen. Dem interessierten Leser kann ich nur die Website des Museums empfehlen -> Website (besonders interessant: die Sparte "curious").

Am spannensten sind für mich die Unterschiede und Hintergründe der verschiedenen Dynastien im alten China, die detailliert und interessant beschrieben werden. Ich lerne die Dynastien Zhou, Tang, Song, Ming und Qing zu unterscheiden, sowohl in ihren Designs als auch in den verschiedenen Kulturgütern und Kunstgegenständen. Meine persönliche Lieblingsära ist hierbei definitiv die Zhou-Dynastie, das Mandat des Himmels. Irgendwie gefallen mir die altertümlichen Markierungen und Muster ganz besonders. Auch die etwas romantisierte, philosophisch angehauchte aber trotzdem mystizierte Defintion des Mandats des Himmels gefällt mir und meinem Gerechtigkeitssinn. Der Himmel gestattet einem gerechten und weisen Herrscher das Regieren während ein Despot und Tyrann bald gestürzt werden würde, da die himmlische Unterstützung ausbleibt.

Die englische Erklärung zum Mandat des Himmels ist nur ein Beispiel wie gut die Übersetzungen auf den Infotafeln geschrieben sind. Teilweise sind die Erklärungen richtig poetisch und flammend geschrieben, ich bin positiv überrascht. Den meisten Teil meiner Zeit verbringe ich daher mit Lesen der Infotafeln, der Blick auf die vielen Exponate ist da eher kürzer.

Jadeschnitzkunst at its best!


Nach 3 Stunden habe ich alle Räume in der ersten Ausstellungshalle durchwandert und bin eigentlich fertig. Ich hole mir einen freien WLAN-Zugang und informiere Fifi und Tiffany über meine geplante Rückkehr nach Daan. Die beiden sind gerade von ihrer Fahrradtour zurückgekommen und machen jetzt erst mal beide ein Nickerchen in meinem Zimmer, wtf?!

Eigentlich will ich noch etwas Schönes im Souvenirshop kaufen aber ich kann mich einfach nicht entscheiden. So eine schöne Wandrolle oder ein Bild, oder oder oder...manche Sachen sind viel zu teuer oder zu unpraktisch im Transport. Also kaufe ich einfach gar nix.

Es ist mittlerweile saukalt geworden, obwohl der Regen aufgehört hat. Mit vielen anderen warte ich auf den Linienbus und friere mir einen ab. Ich warte eine ganze Stunde bis endlich ein Bus kommt. Da ich immer noch nichts gegessen habe penne ich schon fast im Stehen. Es wird ausserdem schon langsam dunkel.

In der Wohnung angekommen ist kein Mensch mehr da. Nicht mal die Mahjong-Fraktion. Finde ich gar nicht so schlecht. Ich whatsappe Fifi ob wir noch was essen gehen wollen aber ihr geht es nicht wirklich gut. Bin nicht wirklich überrascht. Ich sage ihr, dass sie sich lieber auskurieren soll und suche mir selber was zu essen. Da ich aber ziemlich spät dran bin, sind die meisten Schnellimbisse geschlossen, nur die „normalen“ Restaurants haben offen. Ich bin nicht in der Stimmung für Essensabenteuer und laufe einfach umher bis ich etwas Einfaches finde. Zufällig sehe ich einen MOS Burger Laden und hole mir irgendwas mit Fleisch und Reispatty, sowie einen Schrimp-Burger. Die Dame an der Kasse fragt mich ob mir bewusst ist, dass der Fleischburger groß ist und ich bejahe das. Ich habe ja auch großen Hunger.


Was ich dann letztendlich vor mir sehe ist nach deutschen Burger King oder McDonalds Standards eher eine mittelkleine Größe. Schmeckt auch nicht so gut, da es von Fett nur so trieft. Der Shrimpburger ist aber super. Werde das in Japan noch mal ausprobieren wenn die Gelegenheit da ist.

Ich schaue etwas TV und zappe zwischen Kung-Fu Filmen, dem Film „Priest“ und einer deprimierten Doku über das berühmte verbrannte Mädchen aus Vietnam hin und her. Es ist herrlich ruhig in der Wohnung und ich beschließe heute etwas früher schlafen zu gehen.

Kaum bin ich im Bett, kommt die ganze Mahjong-Fraktion zurück nach Hause und lärmt lautstark beim Essen, TV gucken und was weiß ich noch. Rücksicht auf Gäste ist was anderes. Ich denke aber sie wissen gar nicht unbedingt, dass ich da bin. Ich bin eigentlich auch nur ein bisschen genervt, denn wer bin ich schon, dass ich deren soziale Routine innerhalb der Woche unterbinden will. Immerhin spielen sie nicht wieder Mahjong, daher wird es gegen 2:30 Uhr schon wieder ruhiger und ich bekomme noch ein bisschen Schlaf ab.