Thursday, 20 December 2012

Taiwan: 6. Tag (Tainan Tempeltour und Ladies Night in Taipei)

Ich schlafe bis ca. 10 Uhr und schultere dann meine Sachen für die Tempeltour. Entscheide mich heute mal nur zu laufen, entsprechend leicht kleide ich mich. Die Sonne knallt auch schon richtig. Man merkt, dass man im Süden ist. Bevor ich losgehe buche ich noch schnell online die Rückfahrt. Um 16:49 Uhr geht es wieder zurück nach Taipei.

Als erstes laufe ich zum nahegelegenen Park und orientiere mich erstmal ganz enstpannt anhand der Karte in meinem Reiseführer.



Auch wenn der Park eine triste Schönheit und gewisse Idylle ausstrahlt so passt doch die Geräuschkulisse nicht wirklich. Der Stadtlärm ist allgegenwärtig. Außerdem wirkt der Park eher roh und unbehandelt bzw. ungepflegt. Der Teich sieht aus wie eine brackige Lache, die Wege sind nicht gefegt und trotzdem wirkt alles irgendwie schön, fast wild. Vielen alten Menschen scheint das genau so zu gefallen, der Park ist voll von ihnen.

Nachdem ich mir überlegt habe wo ich überall hin will latsche ich weiter Richtung Innenstadt. Die Sonne brennt. Ein etwas schockierendes Bild bietet sich mir in einer Unterführung. Ein trauriges Bild von Obdachlosigkeit und Verwahrlosung, das ich eigentlich nicht fotografieren möchte aber es schockiert mich doch zu sehr, um es nicht zeigen zu wollen. Im Vergleich zu Japan haben die dortigen Penner wenigstens versucht den Anschein von Würde noch aufrecht zu erhalten....traurig traurig....


Erneut fällt mir auf wie unglaublich viele Motorroller es hier gibt. Entsprechend viele Rollerwerkstätten gibt es, sogar ein Laden nur für Rollersitze!

Das übliche Strassenbild ist wie folgt: teure, hochwertig aussehende Geschäfte, z.B. für Brautmoden, reihen sich an abgeranzte Schuppen oder Garküchen, die dann wieder neben nem Applestore liegen. Und dazwischen dann ab und zu mal wieder eine Rollerwerkstatt, haha. Der Bürgersteig wird auch als Erweiterung des Geschäfts und persönlichen Lebensraum gesehen, man kann also gar nicht geradeaus gehen sonder muss immer wieder auf die Straße ausweichen.

Als erste wichtige Sehenswürdigkeit schaue ich mir den Chinhkan Tower an, das zweite Fort der Holländer in Taiwan mit dem ursprünglichen Namen Fort Provintia. Das Fort selber wurde nachdem die Holländer es verloren hatten irgendwann in eine Schule umgewandelt und bekam seine typischen chinesischen Dächer. Es ist erstaunlich klein und kompakt. Ich quetsche mich die enge Holztreppe hinauf. Die Menschen müssen definitiv kleiner gewesen sein damals. Wirkt eher wie ein größeres Gartenhaus, nicht wie ein altes Fort.

Rechts ist (unterwürfige) Übergabe des Forts an Koxinga zu sehen

Eine Miniatur des Forts in seinem Urzustand
Im Fort ist viel über die Geschichte von Taiwan zu lesen, super interessant. Viele Nationen waren an der Entstehung von Taiwan beteiligt; Japan, China, Holland, USA.

Ein kleines Mädchen (vermutlich von den Phillipinen) schreit ihre Mutter mit „hurry up“ an, als sie mich bemerkt. Süß.

Es ist schon Mittag und ich habe immer noch keinen Hunger, gönne mir aber ein erfrischendes Eis auf dem Gelände des Chinhkan Tower weil es hier so schön ruhig und grün ist.

Irgendwann geht es aber weiter. Der God of War Temple ist gleich nebenan. Die markante und berühmte Tempelanlage ist wie so oft in den chinesischen-buddhistischen Tempeln grellbunt, aber auch schön detailliert und Bedeutungsschwanger. Die Einflüsse des tibetischen Buddhismus sind deutlich sichtbar würde ich als Laie sagen. Die Einfachheit von Japan gefällt mir zwar irgendwie mehr aber die Details und Hingabe in der Gestaltung ist in den Tempeln von Tainan wirklich sehenswert.







Das scheint eine Szene aus Buddhas Leben zu sein.
The Grand Matsu Temple (Godess of the Sea)
Zwischendrin suche ich Schatten in den vielen Gassen von Tainan.

Tainan ist wirklich eine interessante Stadt, völlig anders als alles was ich bislang gesehen habe. Das Leben ist irgendwie typisch chinesisch, so geschäftigt und laut. Aber zur Mittagszeit wenn sich alles ums Essen dreht und die Menschen in die Straßenrestaurants drängen, wird es fast familiär, entspannt und lässig. Von leise kann natürlich keine Rede sein.

Nach viel Gelaufe besuche ich wieder den Koxinga-Schrein und das angeschlossene Museum, diesmal ist auch alles geöffnet. Interessanter Typ dieser Zheng Chenggong, wie er auch genannt wird. Geborener Japaner, Händler und Pirat und letztendlich Volksheld von Taiwan.

Der Koxinga-Schrein bei Tageslicht
Koxinga-Schrein von innen

Abstrakte Koxinga-Statue im Museum
Laufe dann zurück zum Taipei Hauptbahnhof, um mich wieder mit Yu Wen zu treffen. Finde zum Glück dort ein freies WLAN. Mein Internet-Roaming funzt nämlich nicht mehr, ich Trottel habe die SMS mit der Info zum Bestätigen gelöscht. Vielleicht auch besser so, ich bezahle mich jetzt wahrscheinlich schon wieder dumm und dämlich.

Ich warte ewig auf Yu Wen, die Zeit wird langsam knapp für meine Rückfahrt. Sie kommt extrem verspätet weil noch so viele Gäste da waren. Mache ihr aber kein schlechtes Gewissen denn für einen kleinen Snack zusammen ist noch Zeit.

Dann machen wir noch ein schönes Foto zusammen und verabschieden uns. So eine liebe Person, ich bin sehr dankbar für ihre Hilfe und Freundlichkeit :)


Die Rückfahrt bin ich eigentlich nur am Schlafen. Verpasse dadurch auch die SMS von Fifi mit dem Zeitpunkt für das Treffen am Abend. Wundere mich über ihre vorgeschlagene Zeit und checke dann, dass ich ihr die falsche Ankunftszeit mitgeteilt habe. Hab mich um eine ganze Stunde vertan.

Oha, Hektik, Stress!! Muss vorher unbedingt noch nach Haus, duschen und umziehen, Geld abheben. Klappt aber alles noch und ich fahre mit dem Taxi direkt zur ATT 4 Fun Mall. Kleines Hilfsmittel: der Google Maps Ausschnitt den Fifi praktischerweise per Whatsapp schickt. Ich liebe die moderne Technik!

Heute wird also geschmaust und vorgeglüht im Kanpai Yakiniku Restaurant, zusammen mit Fifi und Tiffany. Das Kanpai ist eine Art japanisches Party-Restaurant, mit Kuss-Spielen und Restaurantweiter Vorstellungsrunde. Es wird viel gegröhlt, geklatscht und gemeinsam angestossen. Ich werde in Chinesisch vorgestellt und Fifi beäumelt sich dabei. Irgendwas mit gutaussehend und mit dem später folgenden Kuss-Spiel bei dem man Getränke umsonst bekommt. Soll ich etwa mit dem Kellner knutschen?! Nee, also nicht mit mir. Da bin ich mal Spielverderber.


Mit dem Video bekommt man einen guten Eindruck von der tollen Stimmung bei Kanpai.


Fleeiiisch!!!

Steak vorher

Das Essen ist jedenfalls grandios. Yakiniku ist für mich als Fleischfresser einfach das Größte. Das Steak am Ende ist sowas von zart, ich erlebe wahrhaftige Geschmacksorgasmen.

Steak gebraten
Natürlich essen wir nicht nur wie die Weltmeister, wir trinken auch ne Menge. Fifi und Tiffany dabei aber deutlich mehr als ich, zumal sie beim Kuss-Spielen (professioneller Lesbenkuss mit Beweisfoto) jeder noch mal ein Getränk bekommen. Ich trinke nur zwei Asahi-Bier und zwei Sake.

Ständig diese Photos ;-)

FiFi with WiFi
Am Ende bekomme ich sogar das coole Cap von einem der Kellner gestellt. Einfach weil ich danach gefragt habe. Naja, eigentlich habe ich nach "einem" Kanpai Cap gefragt und nicht nach seinem, aber da es wohl sonst keine mehr gab, hab ich einfach seins bekommen...inklusive dem kompletten Schweiß von seiner Schicht...aber das Cap ist cool.

Es geht weiter in den Brass Monkey, eine Sportsbar/Pub/Disco. Heute ist Ladies Night *g*

Es gibt Unmengen an Alkohol, die Ladies trinken weniger harte Sachen heute komplett für umsonst. Ist ja fast wie Flatrate saufen oder Fuffiparty was ich vor 13 Jahren noch lustig fand. Im Laden sind ca. 70% taiwanesische Frauen und 30% Männer. Von den Männern sind dann wieder 80% Ausländer, also für meinen Geschmack wieder mal zu viele Ausländer. Der "Taipei meat market" im vollen Gange.

Jeder Ausländer hat dann auch bereits nach kürzester Zeit die Zunge in einer Taiwanesin. Der Laden erinnert mich alte, weniger schöne Discozeiten in denen die Musik eher Nebensache war. Bin einfach noch zu nüchtern, um hier Spaß zu haben, also ab an die Bar und es gibt Shots (Jäger-Bomb, warum kannte ich das vorher nicht?!).

Irgendwann wird die Musik besser oder ich anspruchsloser weil betrunkener, wahrscheinlich beides.  Fifi und Tiffany haben jedenfalls ne Menge Spaß und ihre gute Laune steckt an.

Tiffany, icke und Fifi. Knutschender Ausländer im Hintergrund.

Es gibt so ein, zwei wirklich interessante Mädels in diesem Laden. Am Ende tanze ich mit der, nach meinem Geschmack, besten Tänzerin. Sie und ihre Freundin freuen sich sichtlich über die Aufmerksamkeit. Ich erfülle auch gerne den Fotowunsch von Rebecca und Kelly, aber eine Verlinkung bzw. Freundschaft auf Facebook lehne ich dann doch lieber ab. Trotzdem tanzen wir viel und unterhalten uns auch super. Echt nette Mädels. Schade, dass die beste Tänzerin leider nicht die Hübscheste ist. Ganz abgesehen davon bin ich leicht angewidert von dem platten Angegrabe und Rumgeknutsche überall, verdirbt mir eher die Lust aufs Flirten. Wen es interessiert, mehr Fotos vom Abend gibt es hier.

Irgendwann haben Fifi, Tiffany und ich keinen Bock mehr und fahren mit dem Taxi nach Hause. Vorher kaufen die Mädels aber noch mehr Alkohol, wtf?!! Ich kaufe lieber Flüssigkeit um schon mal dem Kater entgegen zu wirken.

Wir sitzen dann noch in der Wohnung auf der Couch, gucken TV und trinken weiter. Mich nervt es etwas, dass wir Hannah Montana gucken und dabei besoffenen Schwachsinn labern. Irgendwann muss ein Abend auch mal zu Ende sein können.

Als die beiden meinen, sich wieder in mein Bett zu hauen schmeiße ich beide aus meinem Zimmer, sage gute Nacht und verschließe die Tür. Ganz besoffener Gentleman haue ich dabei Tiffany irgenein Körperteil beim Raustragen gegen den Türrahmen. Oops...

Auch ne Art Gute Nacht zu sagen, nicht die feinste Art, sicherlich…ob sie morgen wohl sauer sind?