Friday, 21 December 2012

Taiwan: 7. Tag (Weltuntergang, Shots, Luxy und mein erstes Karaoke)

Heute mache ich mal tagsüber nichts. Der erhöhte Alkoholkonsum gestern Abend zwingt mich quasi dazu. Sollte echt mal weniger trinken. Viel Schlaf hilft etwas. Dieses Zimmer ist zwar saukalt und irgendwie ist die Luft merkwürdig trocken aber einem geschenkten Gaul guckt man ja nicht ins Maul.

Ein bisschen unschön finde ich die Situation mit dem Bett und den Handtüchern trotzdem. Alles war schon vorher benutzt und die Handtücher werden auch einfach nicht trocken wenn ich sie aufhänge. Also packe ich alles ein und trage es zusammen mit meinen Klamotten zum Waschsalon.

Im Waschsalon stelle ich mich wie der letzte Mensch an und peile einfach nicht wie das System funktioniert. Dabei sind die Maschinen sogar Japanisch und die Zeichen für mich verständlich. Letztendlich schluckt eine Maschine fast alle meine mühsam gesammelten Münzen bis ich merke, dass ich was falsch mache und die Münzen nicht wieder kriege. Tiffany ist zum Glück in der Nähe und kann helfen. Das Waschmittel und der Weichspüler aus dem Automaten ist dann auch noch alle und das Handtuch wird nicht mal im Trocker wirklich trocken, arrrgh. Gefühlt verbringe ich den halben Tag in dem Waschsalon und lese, schreibe und ärgere mich vor mich hin.

Heute ist übrigens der 21.12.2012, also inoffizieller Tag des Weltuntergangs. Bislang steht aber alles noch in Taiwan. Liegt vielleicht an der Zeitzone, die Mayas sind ja noch im 20.12., oder?

Weil man beim Weltuntergang am besten feiern sollte, gehen wir heute alle in das offenbar recht bekannte Luxy. Ich treffe mich mit Fifi und ihren Kumpels direkt davor. Ich bin etwas früher da und habe Zeit mir das Publikum anzugucken. Bin etwas verwirrt, die Leute sind extrem stylisch angezogen (Kleidchen und Anzug) und ich bin somit total underdressed mit meiner Jeans und den Turnschuhen. Trotzdem scheinen die Türsteher nicht auszusortieren und lassen auch normal angezogene Leute rein. Scheinbar kommt hier jeder rein, zumindest so kurz nach Öffnung.

Nach der Fahrt mit dem Fahrstuhl trifft man im Eingangsbereich bereits auf nette Lasereffekte. Hier wird clubtechnisch ganz dick aufgetragen. Spiegel, Laser, Lichteffekte, Plüsch, Ledercouches, Neonzeugs, alles da. Macht aber echt was her der Laden.

Wir gehen nach 10 Minuten wieder raus, holen uns den Stempel und laufen dann in Richtung einer Shotbar. Unsere Truppe besteht jetzt aus Fifi, mir, Eric und seinem Kumpel und noch einem Typen. Eric war wohl gerade eine Weile in Australien und spricht ziemlich gutes Englisch. Eigentlich spricht er wie ein amerikanischer Gangsterrapper und nutzt die gesamte Bandbreite an Slang aus der Bronx oder woher auch immer. Das wirkt teilweise recht lustig, aber scheint einfach sein Ding zu sein. O-Ton von Eric am Telefon: "You know man, I'm keeping it real with you man:" Er und sein Kumpel sind total aufgekratzt (komisch, dabei sind es doch Kiffer).

Die Bar ist wirklich eine Bar in der nur Shots serviert werden und heißt AQ Cava. Wasser gibt es zum Glück gratis.

Wir bestellen jeder 9 Shots und ich kriege jetzt schon Panik bei dem Gedanken. Sicherheitshalber ordere ich nur verschiedene Wodkasorten und nicht alles durcheinander.

Die gesamte Bestellung für 4 Personen.

Da habe ich noch Zweifel...

Nach der Hälfte bin ich zuversichtlicher.

Mission accomplished!
Eric und sein Kumpel machen bei jedem Shot einen Riesenaufstand als ob sie gerade das ultimative Killerzeugs getrunken hätten. Wie gesagt, recht aufgekratzt die Jungs. Mag auch daran liegen, dass sie recht schnell dicht sind und dann eine längere Pause einlegen und erstma Wasser trinken.

Der Typ mit Brille ist eher von der ruhigen Sorte aber echt nett. Ich erfreue ihn damit, dass ich ihm bei einem Songtitel helfen kann der gerade läuft (alter Riminiklassiker, haha). Sein Englisch ist nur bedingt gut aber wir unterhalten uns ein wenig.

Irgendwie muss ich plötzlich doch was anderes als Wodka trinken und ich habe fast Schiss vor dem grünen Zeug, das wie Absinth aussieht. Ist zum Glück nur Pfefferminzschnaps, also harmlos (Gottseidank!).

Neben uns am Tisch sitzt eine Gruppe von Ausländern, die sich als kleine verlorene Gruppe von Deutschen heraustellt. Es sind Studenten aus Heidelberg und sehen allesamt wie richtige Nerds aus. Wir helfen ihnen ein bisschen das Bestellsystem des Ladens zu verstehen. Die Jungs und Mädels sind etwas schüchtern und auf den Mund gefallen. Ob die heute noch Spaß haben weiß ich nicht...

Weiter geht's, zurück ins Luxy. Der Laden ist bereits ziemlich voll und die Stimmung der Knaller. Insbesondere der Techno-Floor ist ziemlich gut, auch wenn's nicht unbedingt mein Stil ist.
Es ist "End of the World Party" und es wird ausgelassen und mit großen Showprogramm gefeiert. Ich bin geflasht. Nicht nur von den leichtbekleideten Damen sondern von...ok, hauptsächlich von den leichtbekleidetenen Damen aber auch wegen der Musik und überhaupt dem ganzen Drumherum!

Ein Video vom Höhepunkt der Show



Fifi und ich tanzen und tanzen, einfach weil die Mucke geil und die Stimmung vollkommen am kochen ist. Richtig abgehen tu ich dann als der DJ sogar Dubstep spielt. Heaven is a dancefloor. Ich fühle mich glücklich.


Zwischendrin erkämpfe ich mir so einen Leuchtefinger und nutze ihn um damit schonungslos Tattoos oder andere Eigenarten der meist weiblichen Gäste zu begutachten. Zwischendrin sehe ich dann die langhaarigen Typen aus Heidelberg wie sie fett abgehen und ich freue mich drüber.





Rayray ist eine DJane und scheinbar ziemlich bekannt. Sie hat den obligatorischen schwarzen Rapper dabei.






Irgendwann verlassen wir das Luxy und gehen noch mal zurück ins Roxy 99, oder auch die Resterampe für heute abend. Fifi will dort noch ihre weiblichen Freunde treffen.

Die sind natürlich wie immer allesamt nett und hübsch anzusehen. Eine davon ist aber schon so betrunken, dass sich bereits die Ausländer auf sie stürzen. Resterampe halt...

Fifi kriegt vom Barkeeper einen Shot nach dem anderen für uns und wir trinken gemeinsam auf den überstandenen Weltuntergang. Eric und seine Jungs sind nicht mehr dabei also bin ich wieder der einzige Typ in einer Gruppe von Mädels. Das fällt auch den anderen Typen bzw. Ausländern auf und ich führe ein skurriles Gespräch an der Bar.

Ein Typ aus Detroit quatscht mich an und macht mir im Laufe des Gespräches recht schnell eindeutige Komplimente. "You seem like a nice guy." , "You seem well connected.", "Are these girls your friends?". Aahaa! Er will über mich an die Mädels ran! Und er sucht was zum Kiffen glaub ich. Sehr merkwürdig, wirklich...

Ein Mädel aus der Gruppe namens Aya ist Taiwanesisch-Japanisch und ich spreche mit ihr etwas Japanisch. Macht echt Spaß mal wieder Japanisch zu sprechen. Im betrunkenen Zustand geht das natürlich immer besser. Irgendein Typ hängt die ganze Zeit an ihr und ich frage sie auf Japanisch wie lange sie ihren Freund schon kennt. Ist aber gar nicht ihr Freund. Russe ist er. Er wirkt wie ein typischer Aufreißer und will wohl eine kleine asiatische Trophäe mit nach Hause nehmen heute nacht. Bin ein klein wenig neidisch. Als mir Fifi dann aber steckt wie Aya wirklich drauf ist verfliegt das schnell. Denn er ist die Trophäe heute nacht und die Kleine hat es faustdick hinter den Ohren. Gerade noch mal Glück gehabt, hehe.

Der Abend ist immer noch nicht zu Ende als wir am Ende zu viert (Fifi, Eva, Cindy und ich) in ein Karaokezimmer bei K-TV fahren. Eva (oder Cindy?) hat Geburtstag und gibt einen aus. Oha, mein erstes Karaoke ever und dann noch mit 3 Mädels. Ist das jetzt der Himmel oder die Hölle?

Letztendlich wird es eher die Hölle, zumindest für die Mädels glaub ich. Denn ich kann in meinem desolaten Zustand weder vernünftig singen noch mich ordentlich artikulieren. Ich stoße gleich am Anfang ein Glas Wein um und es zerspringt in tausend Scherben. Cindy (oder Eva?) ist etwas abgenervt von mir habe ich das Gefühl. Naja, wenigstens beim Singen habe ich eine Entschuldigung. Der Hall nervt nämlich tierisch und ich kann mich selber gar nicht richtig hören. Irgendwie haben wir aber alle trotzdem Spaß zusammen. Der kleine Karaokoraum ist auch echt cool und gemütlich. Man kann über ein Telefon Essen und Getränke ordern und sich dabei richtig wichtig vorkommen, vor allem weil es schon weit nach Mitternacht ist.

Als wir uns alle in der morgendlichen Sonne verabschieden werde ich das Gefühl nicht los, dass ich durch meine mangelnden Sangeskünste und Grobmotorik bei mindestens 2 von 3 Mädels echt verkackt habe.

Gottseidank gab's beim Karaoke wenigstens etwas zu essen.