Saturday, 25 February 2012

2. Tag in 2012 (Ein perfekter Abend mit Yakiniku)

Ich wache gegen 10 Uhr auf und fühle mich eigentlich super. Lege mich natürlich wieder hin und merke erst später wie stark mein Kater doch ist. Mir tun vor allem die Beine vom Laufen und vom Tanzen schon richtig weh. Muskelkater in den Schienbeinen zu haben ist eine ganz neue Erfahrung für mich.

Heute bin ich mit My Van Le zum Dinner verabredet. Vorher erledige ich aber noch ein paar Dinge, wie zum Beispiel Geld wechseln. Ich kriege von der wie immer superfreundlichen Takako eine Wegbeschreibung zum nächsten (?) Geldwechsler. Es ist eigentlich ganz in der Nähe von Ueno-Station, sollte also nicht so schwer zu finden sein, ich habe ja sogar eine kleine Karte. Letztendlich brauche ich aber ewig und laufe 10mal im Kreis weil ich einfach eine andere Detailtreue in den Karten gewohnt bin. Die japanischen Karten und Wegbeschreibung sind genau wie Tokyo, super eng und ganz genau. Jedes einzelne Haus ist verzeichnet und ich Honk denke einfach in zu großen Dimensionen. Erst nach 20 Minuten Suche sehe ich dass mein erster Instinkt eigentlich richtig und die geschätzten 8min Walk vollkommen korrekt waren. Ich finde das Geschäft vom Namen her wieder, aber es ist ein Schmuck- und Uhrenladen?! Und wieder Verwirrung. Im 2. Stock ist aber dann doch der Currency Exchange, man muss nur mutig sein und reingehen.

Zur "Belohnung" gehe ich erstma fein bei Matsuya essen, auch um den Hangover zu bekämpfen. Ich habe nämlich eigentlich gar keinen Hunger, aber ich muss essen wenn ich heute noch klarkommen will.

Später verabrede ich mich um 6 mit My Van im Khaosan Annex. Ich freue mich sie wieder zu sehen und einfach mal ganz entspannt, ohne Zeitdruck etwa gemeinsam zu unternehmen. Ein bischen stolz bin ich auch mit einer hübschen Frau das mit Männern vollgepackte Wohnzimmer im Annex verlassen zu können. Like a boss!

Wir gehen in Shibuya lecker Yakiniku essen. Ich kriege es ganz gut hin zu bestellen, brauche aber trotzdem die englische Karte. Sicher ist sicher. Etwas Verwirrung ob nun Tabehodai (all you can eat) ist bzw. was es am Ende kostet. Zuletzt haben wir 3 Zettel, die insgesamt um die 10.000 Yen ergeben, das wäre etwas krass aber mir ist es egal. Wir zahlen dann doch nur gerade mal 4.000 Yen für ein wahrhaft fürstliches Mahl.

Sieht das lecker aus oder was?

Triple Colored Prawns, wtf?
Danach machen wir noch einen Verdauungsspaziergang, der Abend ist eigentlich noch jung. Echt schön mit ihr durch Shibuya zu wandern, eine ganz neue Erfahrung. Wir kommen zufällig an einem Pet Shop vorbei und werden von der Niedlichkeit der süßen Welpen und Kätzchen förmlich erschlagen.



Eigentlich ein perfektes Date, My Van lacht viel und geht richtig auf. Sie liebt es wieder Deutsch zu sprechen und ich bin happy, dass sie sich freut. Sie hat so ein gewinnendes, zauberhaftes Lachen, damit wickelt sie mich ganz einfach um den Finger. Und doch, sie ist schüchterner als man denkt, in manchen Dingen etwas unsicher, in anderen Dingen dann wieder total bestimmend. Ein typischer Zwilling würde ich sagen. Voll von Gegensätzen und wirklich faszinierend. Eigentlich total gefährlich für mich! Vor allem weil sie gerade auf der Suche nach sich selbst ist. Gerade noch hat sie ihr Leben in der Schweiz quasi aufgegeben und war mal eben in Nepal und Vietnam. Nun Japan und bald dann Amerika und wer weiß wohin danach. Sie hat ein eigenes T-Shirt Label (www.myanhclothing.com), dass sie jetzt verstärkt angehen will und ich sehe wie sehr sie ihr Baby liebt.

Als wir dann noch auf dem Heimweg in der Khaosan Bar einkehren, wird das Gespräch erst so richtg interessant. Wir reden und reden und reden. Ein sehr intensive, intimes, offenes und verbindendes Gespräch. Ich mag sie sehr und ich glaube sie mag mich auch. Ganz Gentleman bringe ich sie natürlich noch nach Hause, muss aber auf den Gute-Nacht-Kuss verzichten.

Ich verrmisse sie jetzt schon. Sie war eine tolle Begleitung und es hätte sicher Spaß gemacht noch mehr Zeit zu verbringen. Vielleicht besucht sie mich in Berlin. Ob diese Magie der Begegnung in einer Stadt wie Tokyo dann noch vorhanden ist, wird man sehen.


Friday, 24 February 2012

1. Tag in 2012 (Kein Rucksack, dafür mehr Party)

Fertig vom Flug, hab nicht viel geschlafen aber ansonsten alles gut überstanden. Habe eine äußerst coolen japanischen Film gesehen "Slapstick Brothers". Super lustig und sogar mit ein bisschen Action in Form von echt gut choreografierten Kampfszenen. Es geht um das japanische Manzai (漫才), dass sogar ich teilweise verstehen kann. Natürlich spielt zur Einstimmung gleich die hübscheste japanische Schauspielerin mit, die ich je gesehen und vor allem gehört habe! Satomi Ishihara, Mann, ich bin jetzt schon geflasht! Blöd nur, dass ich nie erfahre wie der Film ausgeht, weil 20 Minuten vor der Landung das Entertainment ausgeschaltet wird!

Mein Koffer kommt natürlich nicht in Japan an weil wir in Moskau richtig zum Flug hetzten mussten. Mit wir meine ich mich und nen anderen Deutschen, der jetzt auch wie ich über 24 Stunden auf sein Gepäck warten muss!! Liegt nur daran weil halb Hanoi von Schönefeld zurückfliegen muss und den ganzen Verkehr echt aufgehalten hat. 

So hab ich immerhin nicht allzu viel zu tragen auf meinem Weg in die Innenstadt. Treffe mich als erstes mit Chikako-san und kriege von ihr das Iaito ihres Mannes für das Training. Samstag kann ich aber nich teilnehmen da ja mein Hakama usw. im Rucksack und somit noch in Moskau ist. Sie befragt mich sichtlich besorgt zur Situation mit Gerald und Esaka-sensei. Ich erfahre, dass Hinago-sensei aus dem Dojo gekickt wurde und dass Esaka-sensei so richtig sauer sei wie wir Deutschen mit der neuen Situation im Kokusei Renmei umgehen. Ich glaube ich spinne, was ist denn da bitte los?! Ich empfehle Chikako-san weniger diplomatisch mit den Deutschen zu sein und einfach die Probleme ehrlich anzusprechen damit das Ganze nicht noch mehr eskaliert. Hoffentlich kriegen die alle ihren Kram wieder zusammen, ich bin leicht besorgt.

Im Khaosan Samurai Hostel ist wie immer alles cool. Saori-san ist neu und kommt mir irgendwie bekannt vor. Auch ne echt Hübsche. Ich kaufe erst mal ein Khaosan Shirt um wenigstens teilweise frische Sachen zu haben. Ab unter die Dusche und weg mit dem Stress, Duschgel usw. "leih" ich mir einfach aus dem Fundus im 1. Stock. Zum Abtrocknen muss mein mitgebrachtes Mini-Handtuch aber reichen. Dann mache ich ein Nickerchen, um den Jetlag etwas zu besänftigen. Takako-san ist dann auch da und freut sich. Gehe als erstes nach Asakusa und fühle mich heimisch. Aber irgendwas ist wieder anders, also ganz anders als die Jahre zuvor. Irgendwie weniger euphorisch, irgendwie so vertraut und unspektakulär aber trotzdem toll. Wie eine Spannung die in der Luft liegt. Ich merke, dass ich immer mehr lesen und verstehen kann. Geiles Gefühl.

Mein neues Handy macht erstaunlich gute Bilder, ne?
Ich bin gleich als erster Gast in der Bar. Ziehe ein paar Sake weg und begebe mich dann in Begleitung von Hanae-san ins Khaosan Annex wo heute die Takoyaki-Party ist. Full House und coole Stimmung. Es sind extrem viele Japaner da und das gefällt mir natürlich. Überraschend ist aber, dass total viele Gaijin Japanisch sprechen und zwar richtig gut!! Ich muss mich ranhalten! Ich unterhalte mich mit Rintaro-san und freue mich wirklich ihn als bekanntes Gesicht zu sehen und ebenso erkannt zu werden. Deswegen komme ich halt gerne immer wieder hier her. Feels like coming home.

Ein Typ aus Tasmanien (wie exotisch) quatscht mich an und versucht ins Gespräch zu kommen. Netter Typ, sucht bestimmt Anschluss. Er ist sogar so nett, dass er mir ein gutes Asahi-Bier aus seinem Zimmer holt. Etwas später lasse ich ihn aber im Stich und quatsche mit 16jährigen japanischen Schulmädchen, die mich gleich auf Facebook adden (WTF!?!) Was zur Hölle machen die auf ner Gaijin-Party ohne überhaupt Alkohol trinken zu dürfen?!

Von irgendwo her höre ich Deutsch mit Akzent und plötzlich befinde ich mich mittem in einem deutschen Gespräch mit My Van, der vietnamesischen Schweizerin und Holger, dem deutschstämmigen Australier, der seit Jahren unterwegs ist und von seinen Fotos lebt. Seine Bilder und seine Travel Map sind durchaus beeindruckend. My Van hat gerade ihre Reise umd die Welt angefangen. Wir verstehen uns super. Es freut sie sichtlich wieder Deutsch sprechen zu können. Gehen nach der Party noch in die Khaosan Bar wo es wie immer rappelvoll ist. Challin ist auch da und begrüßt mich herzlich (sie war die Dame, die ich letztes Jahr mit Anlauf ins Fettnäpfchen hab treten lassen und wir sind mittlerweile auf Facebook befreundet). Wieder jemand, der einen Tausende Kilometer von der Heimat entfernt willkommen heißt. Schönes Gefühl.

Ich schließe mich später einer verrückten Gruppe von Gaijin an, die ins The Womb in Shibuya gehen wollen. Ich alter Auskenner hab sogar schon davon gehört. Anführer ist Jacob, ein amerikanischer Soldat wie er im Bilderbuch steht. Stationiert in Okinawa und mit begrenzten Kenntnissen über Land und Leute führt er uns teilweise in die richtige Richtung, teilweise muss ich aber auch das teure Internet anschmeißen und uns lotsen. Wir nehmen den letzten Zug, aber ein junger Spanier aus unserer Truppe musss furchtbar dringend pissen, also steig ich mit ihm aus. A) weil ich auch pinkeln muss, aber vor allem wegen B) weil ich genau weiß wie furchtbar dieser Druck ist und C) er alleine nicht klargekommen wäre. Wir verlieren dauernd Tim, aber er selber hilft uns dann beim Suchen. Besoffene Gaijin in Shibuya, voll typisch und peinlich...

Im Womb spielt heute Calvin Harris!!! Ich raste aus, wie geil ist das denn bitte?!?!! Da komm ich nach Japan und dann spielt hier Calvin Harris?! Rimini lässt grüßen, hah! Ich sag's ja, only in Japan! Der Eintritt liegt bei geschmeidigen 4.900 Yen, aber das ist mir egal. Auch der Wodka Red Bull für 1.000 Yen! Her mit dem Zeug, ich will feiern! Die Stimmung ist Hammer, die Musik der Wahnsinn. Als Calvin Harris dran ist legt er meistens seine eigenen Mucke auf, aber das habe ich ehrlich gesagt auch gehofft.



Es sind nur leider etwas zu viele Gaijin für meinen Geschmack im Club. Ich trinke und trinke, werde aber nicht so richtig dicht. Von den vielen hübschen Japanerinnen stechen 3 Halb-Japanerinnen extrem aus der Masse heraus. Sie sind kräftig am feiern und auch recht erprobt darin wie es scheint. Der ganze Club hat seine Augen auf die 3 geworfen, die Massen teilen sich förmlich wenn sie sich durch den Club bewegen. Es gibt nicht viele Frauen bei denen man als Mann auch mal leicht ins Sabbern geraten kann, aber gleich drei davon auf einem Fleck sind mir dann fast schon zu viel. Ich unterhalte mich sogar mit einer aber die ist sowas von auf einem anderen Planeten (da wo alle arroganten und zu schönen Frauen leben), da komm ich nicht ran. Hmmm, vielleicht bin ich doch etwas dicht, hehe. Stattdessen schau ich mich lieber auf der Tanzfläche um und ich glaube es gäbe auch ein oder zwei potientelle Interessentinnen, aber entwender sind die zu schüchtern oder ich zu doof. Wahrscheinlich bin ich selber beides..

Gegen 5:30 fahren wir wieder gemeinsam Richtung Hostel. Ein paar Jungs fehlen, keine Ahnung wo die abgeblieben sind, haha. Ich begleite spontan eine betrunkene Schwedin zu ihrer Station und setze mich damit von den Jungs ab. Warum? Weil ichs kann!

Hammer 1. Tag in Japan, ich hätte nie gedacht, dass das so heftig wird. Falle um 6 ins Bett und brauche nicht mal Ohrstöpsel um einzuschlafen.