Saturday, 17 March 2012

In Japan again! 2012年に日本語を勉強します (Einleitung)

Werte Leser und Besucher.

Wir schreiben das Jahr 2012 und meine mittlerweile dritte Reise nach Japan vom 24.02 - 11.03. ist bereits wieder zu Ende.
Weniger als ein Jahr nach meinem letzten Besuch habe ich mich spontan Anfang 2012 dazu entschlossen, dieses Mal meiner Reise einen größeren Sinn zu geben und mich ganz der japanischen Sprache zu widmen. Also habe ich spontan einen Intensiv Kurs in einer Sprachschule gebucht, in der Hoffnung, dass ich so die größten Fortschritte machen kann.

Um dem ganzen noch etwas mehr Effekt zu geben, habe ich die Sprachschule gleich mit Homestay verbunden, also der Unterbringung in einer japanischen Familie in Tokyo, sogar inklusive Teilverpflegung. Ich war sehr gespannt an wen ich da gerate, ob ich mich mit den Familienmitgliedern verstehe und wie es sein wird in einer japanischen Sprachschule zu lernen.

Doch davon abgesehen, war ich nie entspannter nach Japan zu fahren. Mein Planungsaufwand hatte sich dieses Jahr auf ein Minimum beschränkt. Auch standen mir diesmal mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, die ich auch gewillt war großzügig zu verwenden.



Ich trat die Reise mit einem gebeutelten Herzen und einer gewissen Einsamkeit an, jedoch auch mit der Selbstsicherheit endlich gefestigt im Verständnis der Sprache und Kultur zu sein. Daher war diesmal die Hoffnung umso größer, dass mein erneuter Aufenthalt in Japan die eine oder andere Lösung oder Erkenntnis für mein Leben bringen würde.

Da ich dieses Jahr mein Tagebuch in Form dieses Blogs etwas früher als die Jahre zuvor verarbeit habe und veröffentliche, steht das Ergebnis meiner Reise noch nicht wirklich fest.

Lasst euch also überraschen!

Sunday, 11 March 2012

15. Tag in 2012 (Kamakura und verhängnisvolles Besäufnis)

Es ist ein ruhiger Samstagmorgen und ich fange an meine Koffer zu packen. Wie so oft ist das Packen bei der Hinreise immer einfacher als zur Rückreise. Ich muss wieder alles quetschen und stopfen, trotz der nicht mehr vorhandenen Geschenke.

Ich warte auf Chikako-san, die mir Bescheid gibt ob und wann sie Zeit hat das geborgte Iaito in Kamakura in Empfang zu nehmen. Den Trip nach Kamakura mache ich jetzt schon zum 3. Mal, aber trotzdem herrschen immer noch gewissen Unsicherheiten wenn ich die Züge wechsle. Diese Local, Rapid und Express-Bezeichnungen sind auch wirklich schwer zu merken. Da ich aber keinen wirklichen Zeitdruck habe, läuft alles ganz entspannt und ich kann mir mit guter Musik in den Ohren die Landschaft und die Leute aus dem und in dem Zug angucken.

Sieht eigentlich ganz einfach aus und dauert unter 2 Stunden.
Ich freue mich sehr Yokosawa-sensei und den kleinen Keisuke wieder zu sehen. Leider hat die Familie Yokosawa nicht viel Zeit, also drehen wir nur eine kleine Runde mit dem Auto und Chikako und Sohnemann steigen an der Post aus, wo ich Geld abheben möchte. Keisuke quatscht schon richtig viel und wird immer größer. Die Zeit vergeht, der Wahnsinn.

Chikako-san erzählt mir von den neuesten Entwicklungen im Dojo nachdem ich ihr von der entspannten Atmosphäre bei meinem gestrigen Treffen mit Esaka-sensei erzählt habe. Wie es ausschaut hat sie versucht zwischen Hinago-sensei und Esaka-sensei zu vermitteln, aber leider ohne Erfolg. Die unmittelbare Reaktion war meiner Meinung nach unverständlich und vielleicht auch etwas paranoid, aber jetzt ist sie wohl auch aus dem Dojo geschmissen worden! Ich bin baff und ziemlich enttäuscht, dass das Ganze so eskaliert ist. Auch wenn Kobara-sensei als Nachfolger und neuer Dojo-Chef sicherlich eine gute Wahl ist, so hoffe ich, dass die traurige Situation mit Chikako-san hoffentlich bald geklärt wird. Letztendlich habe ich ja keine Ahnung was wirklich vorgefallen ist und hoffe einfach auf das Beste.

Die Zeit ist kurz, aber dafür umso herzlicher die Verabschiedung. Ich bedanke mich bei Chikako-san und schenke ihr eine Packung お菓子 (Okashi: Süßigkeiten) aus Hiroshima.

Fast schon aus Tradition gehe ich wieder im gleichen Nudel-Schnellrestaurant im Bahnhof Kamakura essen wie schon die Jahre zuvor. Die schwüle, durch Kochdunst geschwängerte Atmosphäre mit der kruden Theke und der hektischen Betriebsamkeit der Köchin gibt mir immer wieder ein gutes Gefühl und wertes jedes noch so einfache Soba-Gericht auf. Nachdem ich mir hier satt gegessen habe, schlendere ich noch ein wenig durch die Innenstadt und kaufe wieder Süßigkeiten, diesmal für die Shibuichi-Familie.

Und schon geht es wieder zurück nach Itabashi. Den Rückweg nutze ich um weiter im Tagebuch zu schreiben, dafür habe ich extra das Notebook mitgeschleppt.  Ich merke wie ich immer weniger reflektierend über den Moment schreibe, sondern fast nur stichpunktartige Fakten hinterlege, um sie dann später ausführlicher zu beschreiben. Dass hier dann vielleicht die Erinnerung, die Eindrücke und das Gefühl aus diesem Moment für immer verloren ist, daran denke ich in diesem Moment gar nicht. Ich schätze es liegt vor allem daran, dass ich hier in Japan fast schon so etwas wie Alltag erlebe, da um mich herum immer weniger "neu" wirkt sondern vertraut, fast schon normal. Würde ich in Berlin all meine Eindrücke und Gedanken im alltäglichen Leben niederschreiben, so würde mich das selber schnell langweilen. Auf meiner ersten Reise war Tagebuch schreiben wie das Klammern an einen Strohhalm im Sturm, das konkretisierte Denken, um die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Jetzt ist es fast schon wie die Pflicht des Autoren etwas abzuliefern. Andererseits schreibe ich das nicht alles für andere, sondern für mich selber, um es nie zu vergessen und immer wieder erleben zu können. Insofern ist eine Pflicht für mich selber, die ich durchaus gerne wahrnehme.

Am Abend nehmen mich die Shibuichis und ihre Freunde in ein Yakiniku-Restaurant mit. Ein großer, dunkler Japaner, den ich schon vor der Haustür mal getroffen habe (damals haute er ganz erstaunt raus "かっこいい") kommt mit und ist wohl ein guter Kumpel von Hide-san. Er stammt aus Okinawa und ist ziemlich locker drauf, fast schon amerikanisch.
Das Restaurant ist klein aber fein und wird wohl auch von Leuten aus Okinawa betrieben. Es wird natürlich Fleisch geschlemmt und nicht mit dem Alkohol gespart.

Rumiko-san isst liebend gerne gebratene Innereien und bestellt sogar für mich rohe Leber zum probieren. Boah eklig, das geht ja gar nicht. Die Innereien sind mir viel zu knorpelig von der Konsistenz und die rohe Leber ist eklig hoch Drei. Gebraten immer her damit, aber roh probier ich das Zeug nie wieder!

Ein jüngerer Japaner aus unserer Runde namens Yosuke hat die lustigste Lache, die ich seit langem gehört habe. Er trägt ganz Hipster-like eine dicke schwarze Brille, natürlich ohne Gläser, haha. Ein anderer Japaner bringt seine supersüße Tochter (2 oder 3 Jahre alt) mit in den Laden. Sie hat wohl noch nicht viele Gaijin gesehen und ist über meinen Anblick nicht gerade amüsiert. Vielleicht liegt es auch an dem ganzen Troubel um sie herum, auf jeden Fall heult sie kräftig rum. Ihr Papa ist gerade mal 22 Jahre alt! Boah, ich bin echt zu spät dran!

Zwischendrin meldet sich Patrick und sagt unsere Verabredung im The Womb ab. Kein Ding, dann geh ich halt mit Luke und seinen Halb-Japanerinnen auf Trebe, gibt Schlimmeres ^_^

Es wird viel getrunken und ich lasse mich nicht lumpen, auch nicht als der Okinawa-Shōchū Awamori (泡盛) getrunken wird. Läuft alles gut, bis wir in die nächste Izakaya gehen, um noch einen Absacker zu trinken. Auf dem Weg dahin wird der Okinawa-Typ ein bisschen touchy, aber es geht schon irgendwie klar. Ich schätze er findet mich cool, keine Ahnung. In der Izakaya will ich eigentlich nur einkleinen Nihon-Shū trinken, kriege aber ein großes Glas. Uh oh, das war wohl der Fehler.


Von Links nach Rechts: Rumiko Shibuichi, Hide Shibuichi, ?, Mika, der Mann aus Okinawa, der lustige Yosuke, ?
Mit Superlaune im Laden (siehe Bilder oben) und im eigenen Gemüt wanke ich dann nach einer herzlichen Verabschiedung zur U-Bahn. Auf dem Weg dahin merke ich es dann. Oh no, ich glaub ich hab ein Problem. Ich kann nicht mal klar sehen, geschweige denn stehen. Bereits nach einer Station verlasse ich die Bahn und suche das nächste Klo im U-Bahnhof. Dort versuche ich etwas klar zu kommen, aber es wird nur schlimmer und schlimmer! Verdammt, ich hab's übertrieben :( Ich wollte doch noch feiern gehen!! Scheiße Scheiße Scheiße! Ich komm nicht mal hoch, um nach Hause zu fahren. Gegen 23:30 ruft Luke an und ich gehe hackestramm ran, um ihm wenigstens abzusagen. Mann ist mir das peinlich, so tief bin ich noch nie gesunken. Obwohl...doch bin ich. Aber nicht an meinem letzten Abend in Japan, verdammte Axt!!! Kurz bevor mein letzter Zug fährt, raffe ich mich auf und kriege noch den vorletzten Zug nach Hause. Ist ja zum Glück nur eine Station, aber das ist der längste und traurigste Nachhauseweg aller Zeiten. Als ich ankomme ist noch kein Mensch da, also wissen morgen auch alle, dass ich es nicht mal bis zum Club geschafft habe. Peinlich...

Ach fuck, so ein Scheiß. Warum muss ich auch immer mittrinken, dabei wurde ich sogar gewarnt, dass ich mein eigenes Tempo einhalten sollte. Da haben die mich tatsächlich kaputt getrunken.

Immerhin war der Abend mit den Japanern ganz schön und ziemlich lustig. Eine gute Erinnerung, die ich mitnehmen und auch vermissen werde. Außerdem hab ich so nicht den Stress, morgens um 6 Uhr vom Club wieder zurückfahren zu müssen, um rechtzeitig mein Flugzeug zu kriegen.

Gewinner durch KO in der zweiten Runde: Awamori!!