Friday, 21 December 2012

Taiwan: 7. Tag (Weltuntergang, Shots, Luxy und mein erstes Karaoke)

Heute mache ich mal tagsüber nichts. Der erhöhte Alkoholkonsum gestern Abend zwingt mich quasi dazu. Sollte echt mal weniger trinken. Viel Schlaf hilft etwas. Dieses Zimmer ist zwar saukalt und irgendwie ist die Luft merkwürdig trocken aber einem geschenkten Gaul guckt man ja nicht ins Maul.

Ein bisschen unschön finde ich die Situation mit dem Bett und den Handtüchern trotzdem. Alles war schon vorher benutzt und die Handtücher werden auch einfach nicht trocken wenn ich sie aufhänge. Also packe ich alles ein und trage es zusammen mit meinen Klamotten zum Waschsalon.

Im Waschsalon stelle ich mich wie der letzte Mensch an und peile einfach nicht wie das System funktioniert. Dabei sind die Maschinen sogar Japanisch und die Zeichen für mich verständlich. Letztendlich schluckt eine Maschine fast alle meine mühsam gesammelten Münzen bis ich merke, dass ich was falsch mache und die Münzen nicht wieder kriege. Tiffany ist zum Glück in der Nähe und kann helfen. Das Waschmittel und der Weichspüler aus dem Automaten ist dann auch noch alle und das Handtuch wird nicht mal im Trocker wirklich trocken, arrrgh. Gefühlt verbringe ich den halben Tag in dem Waschsalon und lese, schreibe und ärgere mich vor mich hin.

Heute ist übrigens der 21.12.2012, also inoffizieller Tag des Weltuntergangs. Bislang steht aber alles noch in Taiwan. Liegt vielleicht an der Zeitzone, die Mayas sind ja noch im 20.12., oder?

Weil man beim Weltuntergang am besten feiern sollte, gehen wir heute alle in das offenbar recht bekannte Luxy. Ich treffe mich mit Fifi und ihren Kumpels direkt davor. Ich bin etwas früher da und habe Zeit mir das Publikum anzugucken. Bin etwas verwirrt, die Leute sind extrem stylisch angezogen (Kleidchen und Anzug) und ich bin somit total underdressed mit meiner Jeans und den Turnschuhen. Trotzdem scheinen die Türsteher nicht auszusortieren und lassen auch normal angezogene Leute rein. Scheinbar kommt hier jeder rein, zumindest so kurz nach Öffnung.

Nach der Fahrt mit dem Fahrstuhl trifft man im Eingangsbereich bereits auf nette Lasereffekte. Hier wird clubtechnisch ganz dick aufgetragen. Spiegel, Laser, Lichteffekte, Plüsch, Ledercouches, Neonzeugs, alles da. Macht aber echt was her der Laden.

Wir gehen nach 10 Minuten wieder raus, holen uns den Stempel und laufen dann in Richtung einer Shotbar. Unsere Truppe besteht jetzt aus Fifi, mir, Eric und seinem Kumpel und noch einem Typen. Eric war wohl gerade eine Weile in Australien und spricht ziemlich gutes Englisch. Eigentlich spricht er wie ein amerikanischer Gangsterrapper und nutzt die gesamte Bandbreite an Slang aus der Bronx oder woher auch immer. Das wirkt teilweise recht lustig, aber scheint einfach sein Ding zu sein. O-Ton von Eric am Telefon: "You know man, I'm keeping it real with you man:" Er und sein Kumpel sind total aufgekratzt (komisch, dabei sind es doch Kiffer).

Die Bar ist wirklich eine Bar in der nur Shots serviert werden und heißt AQ Cava. Wasser gibt es zum Glück gratis.

Wir bestellen jeder 9 Shots und ich kriege jetzt schon Panik bei dem Gedanken. Sicherheitshalber ordere ich nur verschiedene Wodkasorten und nicht alles durcheinander.

Die gesamte Bestellung für 4 Personen.

Da habe ich noch Zweifel...

Nach der Hälfte bin ich zuversichtlicher.

Mission accomplished!
Eric und sein Kumpel machen bei jedem Shot einen Riesenaufstand als ob sie gerade das ultimative Killerzeugs getrunken hätten. Wie gesagt, recht aufgekratzt die Jungs. Mag auch daran liegen, dass sie recht schnell dicht sind und dann eine längere Pause einlegen und erstma Wasser trinken.

Der Typ mit Brille ist eher von der ruhigen Sorte aber echt nett. Ich erfreue ihn damit, dass ich ihm bei einem Songtitel helfen kann der gerade läuft (alter Riminiklassiker, haha). Sein Englisch ist nur bedingt gut aber wir unterhalten uns ein wenig.

Irgendwie muss ich plötzlich doch was anderes als Wodka trinken und ich habe fast Schiss vor dem grünen Zeug, das wie Absinth aussieht. Ist zum Glück nur Pfefferminzschnaps, also harmlos (Gottseidank!).

Neben uns am Tisch sitzt eine Gruppe von Ausländern, die sich als kleine verlorene Gruppe von Deutschen heraustellt. Es sind Studenten aus Heidelberg und sehen allesamt wie richtige Nerds aus. Wir helfen ihnen ein bisschen das Bestellsystem des Ladens zu verstehen. Die Jungs und Mädels sind etwas schüchtern und auf den Mund gefallen. Ob die heute noch Spaß haben weiß ich nicht...

Weiter geht's, zurück ins Luxy. Der Laden ist bereits ziemlich voll und die Stimmung der Knaller. Insbesondere der Techno-Floor ist ziemlich gut, auch wenn's nicht unbedingt mein Stil ist.
Es ist "End of the World Party" und es wird ausgelassen und mit großen Showprogramm gefeiert. Ich bin geflasht. Nicht nur von den leichtbekleideten Damen sondern von...ok, hauptsächlich von den leichtbekleidetenen Damen aber auch wegen der Musik und überhaupt dem ganzen Drumherum!

Ein Video vom Höhepunkt der Show



Fifi und ich tanzen und tanzen, einfach weil die Mucke geil und die Stimmung vollkommen am kochen ist. Richtig abgehen tu ich dann als der DJ sogar Dubstep spielt. Heaven is a dancefloor. Ich fühle mich glücklich.


Zwischendrin erkämpfe ich mir so einen Leuchtefinger und nutze ihn um damit schonungslos Tattoos oder andere Eigenarten der meist weiblichen Gäste zu begutachten. Zwischendrin sehe ich dann die langhaarigen Typen aus Heidelberg wie sie fett abgehen und ich freue mich drüber.





Rayray ist eine DJane und scheinbar ziemlich bekannt. Sie hat den obligatorischen schwarzen Rapper dabei.






Irgendwann verlassen wir das Luxy und gehen noch mal zurück ins Roxy 99, oder auch die Resterampe für heute abend. Fifi will dort noch ihre weiblichen Freunde treffen.

Die sind natürlich wie immer allesamt nett und hübsch anzusehen. Eine davon ist aber schon so betrunken, dass sich bereits die Ausländer auf sie stürzen. Resterampe halt...

Fifi kriegt vom Barkeeper einen Shot nach dem anderen für uns und wir trinken gemeinsam auf den überstandenen Weltuntergang. Eric und seine Jungs sind nicht mehr dabei also bin ich wieder der einzige Typ in einer Gruppe von Mädels. Das fällt auch den anderen Typen bzw. Ausländern auf und ich führe ein skurriles Gespräch an der Bar.

Ein Typ aus Detroit quatscht mich an und macht mir im Laufe des Gespräches recht schnell eindeutige Komplimente. "You seem like a nice guy." , "You seem well connected.", "Are these girls your friends?". Aahaa! Er will über mich an die Mädels ran! Und er sucht was zum Kiffen glaub ich. Sehr merkwürdig, wirklich...

Ein Mädel aus der Gruppe namens Aya ist Taiwanesisch-Japanisch und ich spreche mit ihr etwas Japanisch. Macht echt Spaß mal wieder Japanisch zu sprechen. Im betrunkenen Zustand geht das natürlich immer besser. Irgendein Typ hängt die ganze Zeit an ihr und ich frage sie auf Japanisch wie lange sie ihren Freund schon kennt. Ist aber gar nicht ihr Freund. Russe ist er. Er wirkt wie ein typischer Aufreißer und will wohl eine kleine asiatische Trophäe mit nach Hause nehmen heute nacht. Bin ein klein wenig neidisch. Als mir Fifi dann aber steckt wie Aya wirklich drauf ist verfliegt das schnell. Denn er ist die Trophäe heute nacht und die Kleine hat es faustdick hinter den Ohren. Gerade noch mal Glück gehabt, hehe.

Der Abend ist immer noch nicht zu Ende als wir am Ende zu viert (Fifi, Eva, Cindy und ich) in ein Karaokezimmer bei K-TV fahren. Eva (oder Cindy?) hat Geburtstag und gibt einen aus. Oha, mein erstes Karaoke ever und dann noch mit 3 Mädels. Ist das jetzt der Himmel oder die Hölle?

Letztendlich wird es eher die Hölle, zumindest für die Mädels glaub ich. Denn ich kann in meinem desolaten Zustand weder vernünftig singen noch mich ordentlich artikulieren. Ich stoße gleich am Anfang ein Glas Wein um und es zerspringt in tausend Scherben. Cindy (oder Eva?) ist etwas abgenervt von mir habe ich das Gefühl. Naja, wenigstens beim Singen habe ich eine Entschuldigung. Der Hall nervt nämlich tierisch und ich kann mich selber gar nicht richtig hören. Irgendwie haben wir aber alle trotzdem Spaß zusammen. Der kleine Karaokoraum ist auch echt cool und gemütlich. Man kann über ein Telefon Essen und Getränke ordern und sich dabei richtig wichtig vorkommen, vor allem weil es schon weit nach Mitternacht ist.

Als wir uns alle in der morgendlichen Sonne verabschieden werde ich das Gefühl nicht los, dass ich durch meine mangelnden Sangeskünste und Grobmotorik bei mindestens 2 von 3 Mädels echt verkackt habe.

Gottseidank gab's beim Karaoke wenigstens etwas zu essen.

Thursday, 20 December 2012

Taiwan: 6. Tag (Tainan Tempeltour und Ladies Night in Taipei)

Ich schlafe bis ca. 10 Uhr und schultere dann meine Sachen für die Tempeltour. Entscheide mich heute mal nur zu laufen, entsprechend leicht kleide ich mich. Die Sonne knallt auch schon richtig. Man merkt, dass man im Süden ist. Bevor ich losgehe buche ich noch schnell online die Rückfahrt. Um 16:49 Uhr geht es wieder zurück nach Taipei.

Als erstes laufe ich zum nahegelegenen Park und orientiere mich erstmal ganz enstpannt anhand der Karte in meinem Reiseführer.



Auch wenn der Park eine triste Schönheit und gewisse Idylle ausstrahlt so passt doch die Geräuschkulisse nicht wirklich. Der Stadtlärm ist allgegenwärtig. Außerdem wirkt der Park eher roh und unbehandelt bzw. ungepflegt. Der Teich sieht aus wie eine brackige Lache, die Wege sind nicht gefegt und trotzdem wirkt alles irgendwie schön, fast wild. Vielen alten Menschen scheint das genau so zu gefallen, der Park ist voll von ihnen.

Nachdem ich mir überlegt habe wo ich überall hin will latsche ich weiter Richtung Innenstadt. Die Sonne brennt. Ein etwas schockierendes Bild bietet sich mir in einer Unterführung. Ein trauriges Bild von Obdachlosigkeit und Verwahrlosung, das ich eigentlich nicht fotografieren möchte aber es schockiert mich doch zu sehr, um es nicht zeigen zu wollen. Im Vergleich zu Japan haben die dortigen Penner wenigstens versucht den Anschein von Würde noch aufrecht zu erhalten....traurig traurig....


Erneut fällt mir auf wie unglaublich viele Motorroller es hier gibt. Entsprechend viele Rollerwerkstätten gibt es, sogar ein Laden nur für Rollersitze!

Das übliche Strassenbild ist wie folgt: teure, hochwertig aussehende Geschäfte, z.B. für Brautmoden, reihen sich an abgeranzte Schuppen oder Garküchen, die dann wieder neben nem Applestore liegen. Und dazwischen dann ab und zu mal wieder eine Rollerwerkstatt, haha. Der Bürgersteig wird auch als Erweiterung des Geschäfts und persönlichen Lebensraum gesehen, man kann also gar nicht geradeaus gehen sonder muss immer wieder auf die Straße ausweichen.

Als erste wichtige Sehenswürdigkeit schaue ich mir den Chinhkan Tower an, das zweite Fort der Holländer in Taiwan mit dem ursprünglichen Namen Fort Provintia. Das Fort selber wurde nachdem die Holländer es verloren hatten irgendwann in eine Schule umgewandelt und bekam seine typischen chinesischen Dächer. Es ist erstaunlich klein und kompakt. Ich quetsche mich die enge Holztreppe hinauf. Die Menschen müssen definitiv kleiner gewesen sein damals. Wirkt eher wie ein größeres Gartenhaus, nicht wie ein altes Fort.

Rechts ist (unterwürfige) Übergabe des Forts an Koxinga zu sehen

Eine Miniatur des Forts in seinem Urzustand
Im Fort ist viel über die Geschichte von Taiwan zu lesen, super interessant. Viele Nationen waren an der Entstehung von Taiwan beteiligt; Japan, China, Holland, USA.

Ein kleines Mädchen (vermutlich von den Phillipinen) schreit ihre Mutter mit „hurry up“ an, als sie mich bemerkt. Süß.

Es ist schon Mittag und ich habe immer noch keinen Hunger, gönne mir aber ein erfrischendes Eis auf dem Gelände des Chinhkan Tower weil es hier so schön ruhig und grün ist.

Irgendwann geht es aber weiter. Der God of War Temple ist gleich nebenan. Die markante und berühmte Tempelanlage ist wie so oft in den chinesischen-buddhistischen Tempeln grellbunt, aber auch schön detailliert und Bedeutungsschwanger. Die Einflüsse des tibetischen Buddhismus sind deutlich sichtbar würde ich als Laie sagen. Die Einfachheit von Japan gefällt mir zwar irgendwie mehr aber die Details und Hingabe in der Gestaltung ist in den Tempeln von Tainan wirklich sehenswert.







Das scheint eine Szene aus Buddhas Leben zu sein.
The Grand Matsu Temple (Godess of the Sea)
Zwischendrin suche ich Schatten in den vielen Gassen von Tainan.

Tainan ist wirklich eine interessante Stadt, völlig anders als alles was ich bislang gesehen habe. Das Leben ist irgendwie typisch chinesisch, so geschäftigt und laut. Aber zur Mittagszeit wenn sich alles ums Essen dreht und die Menschen in die Straßenrestaurants drängen, wird es fast familiär, entspannt und lässig. Von leise kann natürlich keine Rede sein.

Nach viel Gelaufe besuche ich wieder den Koxinga-Schrein und das angeschlossene Museum, diesmal ist auch alles geöffnet. Interessanter Typ dieser Zheng Chenggong, wie er auch genannt wird. Geborener Japaner, Händler und Pirat und letztendlich Volksheld von Taiwan.

Der Koxinga-Schrein bei Tageslicht
Koxinga-Schrein von innen

Abstrakte Koxinga-Statue im Museum
Laufe dann zurück zum Taipei Hauptbahnhof, um mich wieder mit Yu Wen zu treffen. Finde zum Glück dort ein freies WLAN. Mein Internet-Roaming funzt nämlich nicht mehr, ich Trottel habe die SMS mit der Info zum Bestätigen gelöscht. Vielleicht auch besser so, ich bezahle mich jetzt wahrscheinlich schon wieder dumm und dämlich.

Ich warte ewig auf Yu Wen, die Zeit wird langsam knapp für meine Rückfahrt. Sie kommt extrem verspätet weil noch so viele Gäste da waren. Mache ihr aber kein schlechtes Gewissen denn für einen kleinen Snack zusammen ist noch Zeit.

Dann machen wir noch ein schönes Foto zusammen und verabschieden uns. So eine liebe Person, ich bin sehr dankbar für ihre Hilfe und Freundlichkeit :)


Die Rückfahrt bin ich eigentlich nur am Schlafen. Verpasse dadurch auch die SMS von Fifi mit dem Zeitpunkt für das Treffen am Abend. Wundere mich über ihre vorgeschlagene Zeit und checke dann, dass ich ihr die falsche Ankunftszeit mitgeteilt habe. Hab mich um eine ganze Stunde vertan.

Oha, Hektik, Stress!! Muss vorher unbedingt noch nach Haus, duschen und umziehen, Geld abheben. Klappt aber alles noch und ich fahre mit dem Taxi direkt zur ATT 4 Fun Mall. Kleines Hilfsmittel: der Google Maps Ausschnitt den Fifi praktischerweise per Whatsapp schickt. Ich liebe die moderne Technik!

Heute wird also geschmaust und vorgeglüht im Kanpai Yakiniku Restaurant, zusammen mit Fifi und Tiffany. Das Kanpai ist eine Art japanisches Party-Restaurant, mit Kuss-Spielen und Restaurantweiter Vorstellungsrunde. Es wird viel gegröhlt, geklatscht und gemeinsam angestossen. Ich werde in Chinesisch vorgestellt und Fifi beäumelt sich dabei. Irgendwas mit gutaussehend und mit dem später folgenden Kuss-Spiel bei dem man Getränke umsonst bekommt. Soll ich etwa mit dem Kellner knutschen?! Nee, also nicht mit mir. Da bin ich mal Spielverderber.


Mit dem Video bekommt man einen guten Eindruck von der tollen Stimmung bei Kanpai.


Fleeiiisch!!!

Steak vorher

Das Essen ist jedenfalls grandios. Yakiniku ist für mich als Fleischfresser einfach das Größte. Das Steak am Ende ist sowas von zart, ich erlebe wahrhaftige Geschmacksorgasmen.

Steak gebraten
Natürlich essen wir nicht nur wie die Weltmeister, wir trinken auch ne Menge. Fifi und Tiffany dabei aber deutlich mehr als ich, zumal sie beim Kuss-Spielen (professioneller Lesbenkuss mit Beweisfoto) jeder noch mal ein Getränk bekommen. Ich trinke nur zwei Asahi-Bier und zwei Sake.

Ständig diese Photos ;-)

FiFi with WiFi
Am Ende bekomme ich sogar das coole Cap von einem der Kellner gestellt. Einfach weil ich danach gefragt habe. Naja, eigentlich habe ich nach "einem" Kanpai Cap gefragt und nicht nach seinem, aber da es wohl sonst keine mehr gab, hab ich einfach seins bekommen...inklusive dem kompletten Schweiß von seiner Schicht...aber das Cap ist cool.

Es geht weiter in den Brass Monkey, eine Sportsbar/Pub/Disco. Heute ist Ladies Night *g*

Es gibt Unmengen an Alkohol, die Ladies trinken weniger harte Sachen heute komplett für umsonst. Ist ja fast wie Flatrate saufen oder Fuffiparty was ich vor 13 Jahren noch lustig fand. Im Laden sind ca. 70% taiwanesische Frauen und 30% Männer. Von den Männern sind dann wieder 80% Ausländer, also für meinen Geschmack wieder mal zu viele Ausländer. Der "Taipei meat market" im vollen Gange.

Jeder Ausländer hat dann auch bereits nach kürzester Zeit die Zunge in einer Taiwanesin. Der Laden erinnert mich alte, weniger schöne Discozeiten in denen die Musik eher Nebensache war. Bin einfach noch zu nüchtern, um hier Spaß zu haben, also ab an die Bar und es gibt Shots (Jäger-Bomb, warum kannte ich das vorher nicht?!).

Irgendwann wird die Musik besser oder ich anspruchsloser weil betrunkener, wahrscheinlich beides.  Fifi und Tiffany haben jedenfalls ne Menge Spaß und ihre gute Laune steckt an.

Tiffany, icke und Fifi. Knutschender Ausländer im Hintergrund.

Es gibt so ein, zwei wirklich interessante Mädels in diesem Laden. Am Ende tanze ich mit der, nach meinem Geschmack, besten Tänzerin. Sie und ihre Freundin freuen sich sichtlich über die Aufmerksamkeit. Ich erfülle auch gerne den Fotowunsch von Rebecca und Kelly, aber eine Verlinkung bzw. Freundschaft auf Facebook lehne ich dann doch lieber ab. Trotzdem tanzen wir viel und unterhalten uns auch super. Echt nette Mädels. Schade, dass die beste Tänzerin leider nicht die Hübscheste ist. Ganz abgesehen davon bin ich leicht angewidert von dem platten Angegrabe und Rumgeknutsche überall, verdirbt mir eher die Lust aufs Flirten. Wen es interessiert, mehr Fotos vom Abend gibt es hier.

Irgendwann haben Fifi, Tiffany und ich keinen Bock mehr und fahren mit dem Taxi nach Hause. Vorher kaufen die Mädels aber noch mehr Alkohol, wtf?!! Ich kaufe lieber Flüssigkeit um schon mal dem Kater entgegen zu wirken.

Wir sitzen dann noch in der Wohnung auf der Couch, gucken TV und trinken weiter. Mich nervt es etwas, dass wir Hannah Montana gucken und dabei besoffenen Schwachsinn labern. Irgendwann muss ein Abend auch mal zu Ende sein können.

Als die beiden meinen, sich wieder in mein Bett zu hauen schmeiße ich beide aus meinem Zimmer, sage gute Nacht und verschließe die Tür. Ganz besoffener Gentleman haue ich dabei Tiffany irgenein Körperteil beim Raustragen gegen den Türrahmen. Oops...

Auch ne Art Gute Nacht zu sagen, nicht die feinste Art, sicherlich…ob sie morgen wohl sauer sind?

Wednesday, 19 December 2012

Taiwan: 5. Tag (Ein Besuch in Tainan)

Heute fahre ich in den Süden von Taiwan, nach Tainan. Nachdem ich im Vorfeld ein paar Mal mit einem Schüler oder Schülerin von Kobara-Sensei in Japanisch gemailt hatte, um ggf. weiter südlich von Tainan auch in Kaohsiung vorbeizuschauen, um den dortigen Dojo zu besuchen, war mir das Ganze dann doch zu viel Aufwand und Gehetze. Ich bin ja schließlich im Urlaub, also lieber weniger vornehmen und dann mehr machen.

Bevor es los geht gehe ich noch mit Tiffany ein typisch Taiwanesisches Frühstück essen. Es ist eine Art Eierpfannkuchen (蛋餅), der auf einer heißen Platte mit verschiedenen Zutaten wie Thunfisch, Bacon, Mais o.ä. schnell zubereitet, zusammengerollt und dann geschnitten wird. Der Laden hat laut Tiffany wirklich nur in den Morgenstunden auf. Die kleinen Snacks kosten lächerlich günstige 25 TWD (weniger als 1 EUR). Ich esse gleich zwei :D


Danach fahre ich wie geplant gegen Mittag los und besuche in Tainan die freundliche Yu Wen Chen, mit der ich schon seit längerem online auf Facebook befreundet bin. Auch bei ihr zeigt sich wieder die Gastfreundlichkeit der Taiwaner, denn sie hat mir nicht nur ein Zimmer besorgt, sondern es ist auch ganz in der Nähe des Restaurants ihrer Familie.

Die ca. 300km Entfernung lege ich locker und entspannt mit der Taiwan High-Speed Railway (HSR) zurück, eine Art Shinkansen Schnellzug. Den reservierten Sitzplatz buche und bezahle ich online. Ich muss dann nur mit meiner Pass- und der Reservierungsnummer das Ticket an einem Automaten an der Station abholen. Das geht wohl sogar in einem 7-eleven wie ich dann später erfahre.

Die Bahnsteige der HSR sind etwas enger und schmaler als in Japan, aber ansonsten ist fast alles exakt genau so wie in Japan.

Erst im Zug fällt mir auf, dass Taipei und Tainan in Sachen Schriftzeichen ganz einfach zu verstehen sind. Während Taipei 台北 das Zeichen für Norden am Ende hat, ist bei Tainan 台南 das Zeichen für Süden zu finden.

Taiwan: 4. Tag (National Palace Museum)

Es wäre vielleicht zu erwähnen, dass ich den Abend bzw. die Nacht mit Tiffany auf ihrem Zimmer verbracht habe. Aber ganz harmlos mit anregenden Gesprächen und Diskussionen über Gott und die Welt ;) Irgendwie verstehen wir uns einfach gut und teilen vor allem die Sicht auf die Dinge wenn es um die Photographie geht. Tiffany designt im Übrigen Bademoden und witzigerweise kennt sie daher auch Wicked Weasel. Sehr lustig.

Wir quatschen bis in den Morgen hinein. Irgendwann ist es 4 Uhr morgens und ich verabschiede mich in mein Bett. Zum Glück gehe ich heute nicht früh los, das hätte ich auch gar nicht geschafft mit nur 2 Stunden Schlaf.

Daher schlafe ich einfach mal ein bisschen länger und plane um 12 Uhr aufzustehen. Letztendlich wird ca. 14 Uhr daraus und ich fühle mich ziemlich platt und mir ist kalt. Die Wände in dieser Wohnung kühlen super schnell aus. Isolierung kennen die in Taiwan scheinbar genauso wenig wie in Japan. Zum Glück bin ich heute alleine unterwegs, ich hätte gar keinen Nerv für jemand oder etwas anderes. Heutiger Plan ist das National Palace Museum oder Nationales Palastmuseum, eins der größten und wichtigsten Museum überhaupt in Taiwan.

Nachdem ich mir meine Route angeschaut und noch die ein oder andere E-Mail verschickt habe, mache ich mich auf den Weg. In der Fuxing Road, auf dem Weg zur Daan Station gibt es eine nette Bäckerei/Kaffeeladen, in dem ich mir erstma ein fettiges Eier-Käse-Gebäck und nen Kaffee hole und auf dem Weg zur Bahn verputze. Den Kaffee trinke ich natürlich lieber vor dem Eingang der Bahn aus, sicher ist sicher. Denn in Taipei darf man keine Getränke in der Bahn trinken, sonst gibt's kräftige Strafen. Dummerweise fange ich durch den heißen Kaffee sofort an zu schwitzen und die verschiedenen Klimazonen in der MRT tun ihr übriges.

Von Shilin muss ich einen Bus bis zum Museum nehmen. Zum Glück enden fast alle Busse genau dort, also muss ich auch nicht genau schauen welchen ich nehmen und wann ich aussteigen muss. Auf dem Weg sehe ich einen wunderschönen kleinen Chinesischen Park. Dort hätte ich schöne Fotos machen können, blöd nur, dass ich meine große Kamera nicht dabei habe. Chang Kai-shek scheint hier mal gewohnt zu haben, es ist sogar eine Busstation nach ihm benannt.


Tuesday, 18 December 2012

Taiwan: 3. Tag (Auf dem Taipei 101)

Uuuuh, das waren wohl zu viele Dim Sum. Es rumpelt gewaltig in meinem Magen.  Ich wache nachts um 4 Uhr auf und fühle mich hundelend. Leider verfliegt das Gefühl auch nicht am Morgen. Also keine Dim Sum mehr vorm Schlafengehen in Zukunft.

Die Bude ist mehr oder weniger leer wenn man von dem ganzen Müll und Gerümpel absieht der hier so rumsteht. Wirklich leben tut hier niemand, eher hausen. Tiffany hat eine eigene Etage oben und dort sieht es noch chaotischer aus. Es ist gerade auch ein Handwerker da, der an ihrer Dusche werkelt.

Als das erledigt ist gehen wir zusammen Nudelsuppe frühstücken. Tut meinem Magen ganz gut, aber ich merke, dass er etwas durcheinander ist gleich was Fettes und Warmes am Morgen zu bekommen. Es gesellen sich ein paar Japaner zu uns. Ich habe zufällig mein Muso Jikiden Eishin Ryu Iaido T-Shirt vom Regensburg Lehrgang 2009 an, was den Japanern irgendwann auffällt. Fühle mich ein bisschen beobachtet aber irgendwie auch cool. Haben wohl nicht erwartet in nem Nudelsuppengeschäft nen Europäer mit so nem Shirt anzutreffen. Für eine Konversation reicht es aber nicht, dafür ist die Situation zu ungewöhnlich und ich zu sehr am kämpfen mit meiner Suppe.

Tiffany muss dann zur Uni und ich bin mit Fifi für den Taipei 101 verabredet, DAS Wahrzeichen von Taipeh. Also setze ich mich in den Bus und fahre die paar Stationen. Auch hier gibt es das einfache Kartensystem wie in Japan (Suica), jedoch sind die Preise deutlich günstiger.

Das Wetter ist heute etwas komisch, es ist sehr windig und leicht feucht, aber immer nur mit vereinzelten Regentropfen, die sich irgendwie verirren. Nicht genug für einen Schirm aber genug um auch mal etwas feucht im Gesicht zu werden. Faszinierend.

Coole(s) Gebäude neben dem Taipei 101

Der Taipei 101 ist wirklich riesig und beeindruckend. Ich warte auf Fifi und höre Lila Wolken von Marteria. Ausnahmsweise habe ich mal eine fotografische Eingebung. Der Wolkenkratzer spiegelt sich nämlich in den bunten Blockskulpturen, die am Boden aufgebaut sind und es ergibt sich dadurch ein cooles Bild. Solche Kleinigkeiten machen mich happy.

Monday, 17 December 2012

Taiwan: 2. Tag (Dim Sum, CKS Memorial, Danshui, Shilin Night Market und wieder Dim Sum)

Ich komme leicht geknickt und mit schlechtem Gewissen an der Wohnung an. Da ich noch keinen Schlüssel habe muss ich auf Fifi warten. Als sie dann kommt entschuldige ich mich erstmal, dass ich sie letztendlich im Club alleine gelassen habe. Ihr ist das eher egal, fast ist es mir peinlich, dass ich mich entschuldigt habe.

Nach einer Dusche und frischen Klamotten fühle ich den Kater leider immer noch. Fifi ist bombig drauf und hat schon den nächsten Tagesordnungspunkt; Dim Sum bzw. dumplings essen gehen mit Tiffany. Vorher treffe ich aber noch meinen Gastgeber Patrick, der eigentlich in Kaohsiung wohnt und dessen Zimmer ich bewohnen darf. Netter Kerl, ist DJ. Kaohsiung ist eine alte Stadt und nicht so weit von Tainan, vielleicht sollte ich ihn da mal besuchen zumal ja auch der Iaido Dojo von Kobara-sensei dort unten ist.

Ich bin ziemlich fertig und müde, reder daher nicht wirklich viel. Für das Foto vorm Dim Sum Laden bin ich einfach noch zu kraftlos. Aber mit der ersten Tasse grünen Tee und dem köstlichen Aufgebot von dumplins kehren meine Lebensgeister zurück und meine Stimmung hebt sich deutlich. Herrliches Zeug, ich könnte mich nur noch davon ernähren. Tiffany und Fifi meinen beide ich soll ein bestimmtes Gericht probieren, sagen mir aber nicht was es ist. Erst nachdem ich selber den wirklich merkwürdigen Nachgeschmack bewerkt habe, klären die beiden mich auf, dass es Taiwans berühmter Stinky Tofu ist, den ich da verputze. Naja, kann man essen. Jedenfalls besser als Natto.


Links ist der Stinky Tofu

Die Tische sind übrigens alle nur aus Metall und man kann kleckern so viel man will. Die Höhe der Tische und die Hocker sind auch nicht auf europäische Bedürfnisse eingestellt, ich sehe aus wie ein Riese in einer Puppenstube manchmal.