Wednesday, 2 January 2013

18. Tag (Letzter Tag in Japan)

Ich muss schon um 10 Uhr aufstehen und mein Zimmer wechseln. Auch ne Art das neue Jahr zu beginnen. Glücklicherweise ist mein anderer Raum schon beinahe fertig. Kentaro-san putzt grad noch zu Ende und schon kann ich mein Zeugs umladen. Kentaro sagt "Gute Nacht" als er fertig ist und ich weiß gar nicht was er meint. Aber nach einer kurzen Weile merke ich es doch und lege mich "sicherheitshalber" doch noch mal hin für ein Schläfchen. Daraus werden dann ein paar Stunden...

Saori hat sich bislang immer noch nicht gemeldet. Bis auf die "I miss you" Nachricht mitten in der Nacht habe ich keinerlei Antwort erhalten und ich verstehe einfach nicht warum. Also versuche ich meinen Tag erstma ohne sie zu verplanen, weiß jedoch nicht so recht was ich machen soll.

Ich beschließe nach Asakusa zu gehen und von dort aus nach Ueno zu laufen. Muss mir ja noch ein Ticket für morgen früh für den Keisei Skyliner holen, damit ich auch pünktlich am Flughafen ankomme.

Die Strassen sind abgesperrt und es ist bombenvoll. Die Polizei hat ein super Organisationssystem für die Massen, überall stehen Posten und spielen quasi Fußgängerampel. Das Wetter ist toll, richtig sonnig.



Das Ticket in Ueno zu kaufen ist mittlerweile richtig Routine, ich bekomme es fast ohne ein Wort Englisch. Der Rückweg von Ueno ist mir dann doch wieder zu lang, also nehme ich die proppevolle Bahn. Nicht schlecht für die Mittagszeit.

Weil es sich angeblich so gehört, gehe ich dann in Asakusa erstma Soba (そば) essen, mit Tempura drin. Sehr lecker!

Gegen 14 Uhr schaffe ich es noch den Löwen (獅子) zu sehen und lasse mich standesgemäß in den Kopf "beissen". Soll Glück für das neue Jahr bringen.


In der Nähe spielt eine kleine Gruppe von Strassenkünstlern Anime-Szenen nach und nutzen für ihre Kostüme nur Pappe und Plastik, echt cool gemacht und sehr unterhaltsam.


Mann, ist das voll hier heute. Echt beliebt der Senso-ji zu Neujahr.



Nach dem Koffer packen und einem erneuten Schläfchen zieht es mich am Abend erneut in die Bar, pure Langeweile vor dem Heimflug.

Ich rede mit einem Iraner über das schlechte amerikansiche Bildungssystem, von dem er aber gut profitiert hat. Er mag prollige Golduhren und lässt einen fast gar nicht zu Wort kommen. War keine wirkliche Unterhaltung, eher ein Monolog mit Stichwortgeber (moi).

Eine Mutti mit Tochter setzt sich zu mir. Sie erzählt mir auf Englisch von ihrer Norwegenreise und zeigt mir Bilder auf dem iPhone. Vor lauter Aufregung löscht sie sogar ein, zwei Bilder beim Erzählen. Die Tochter spricht fast perfekt Englisch, ist aber genervt von ihrer Mutti und wartet lieber ab. Irgendwann gehen sie dann auch wieder. Skurrile Begegnung aber amüsant.

Auftritt Gareth, Eva und namenlose (uninteressante) Amerikanerin. Gareth und Eva kommen aus England, genauer gesagt aus Bristol. Eva ist ziemlich hot und rothaarig. Alle  unterrichten in Okayama und sind echt cool drauf. Hatten aber gestern schon zu viel gefeiert, vor allem Gareth. Eva lässt sich aber ermutigen noch ein bisschen was zu trinken. Ihr englischer Akzent ist wirklich angenehm, so wie die restliche Erscheinung.

Akira-san macht heute die Bar und man merkt ihm an, dass er eigentlich gar keinen Bock hat. Er hat wahrscheinlich mehr zu tun als er dachte an Neujahr zu tun haben zu müssen.

Joanna kommt spontan vorbei und trinkt ihren letzten Sake mit mir. Sie kriegt sogar einen mit Gold drin (ich später dann auch). Sie spricht über den Typen von gestern nacht und dass der Sex "amazing" war. Ich glaub sie hat sich etwas verknallt. Ach Mädel, das bringt doch nix. Sie eröffnet mir aber auch, dass sie etwas enttäuscht war, dass ich es nicht bei ihr probiert habe. Naja, schon irgendwie ein Kompliment aber ich wusste schon warum ich es lieber gelassen habe.

Heute bin ich aber etwas draufgängerischer...und angetrunken (ist das das gleiche?). Ich setze es mir in den Kopf mit Eva anzubändeln. Als sie nach oben geht um eine zu rauchen gehe ich einfach hinterher und probiere es dreist mit Komplimenten. Da sie seit Monaten ohne ihren Freund und scheinbar ohne jegliche körperliche Interaktion mit einem Mann lebt, klappt das sogar erstauntlich leicht. Wir knutschen wie Teenager und es gefällt uns beiden sehr.
Leider will Akira bereits die Bude zu sperren und sitzt uns etwas im Nacken. Schade, hätten länger knutschen können. Ich bringe sie aber noch ins Khaosan Annex und dort gibt es auch noch einen Abschiedskuss. Ihr Flug geht morgen, genau wie meiner. Bis auf ihren Vornamen und ihren Heimatort weiß ich eigentlich gar nichts von ihr...

Das war er dann, der letzte Abend in Japan. Immerhin hat er mit etwas Leidenschaft geendet, auch wenn die Person vielleicht nur ein Ersatz war...

Ab zurück nach Deutschland. Zurück in den Alltag. Zurück in ein Leben, das mir immer uninteressanter vorkommt. Ich will etwas ändern. Ich muss etwas ändern. Diese kleinen oder großen Abenteuer sind am Ende nur Abenteuer und übertönen das, was wirklich nach mir ruft. Andere haben den Ruf gehört oder sind einfach trotzdem hier, mit weniger Erfahrung, weniger Wissen, von allem einfach weniger als ich. Sollte ich es dann auch nicht schaffen können?

Auf dem Rückflug habe ich viel darüber nachgedacht was mir eigentlich im Wege steht ein Leben in Japan zu versuchen. Am Ende war es immer die gleiche Antwort.

Ich selbst.

Zeit das zu ändern.


Tuesday, 1 January 2013

17. Tag (New Year's Eve im Club Asia)

Ich schlafe erneut lange um Kräfte zu sparen. Eigentlich habe ich keine Lust auf irgendwas, außer auf den Abend. Bin sogar etwas aufgeregt würde ich sagen. Mein erstes Silvester in Japan!

Da Saori mich am Sonntag mehr oder wenig ignoriert hat, bin ich nicht so gut auf sie zu sprechen. Ich glaube sie spielt einfach mit mir oder hat schlichtweg keinen Bock mehr. Ich weiß, dass sie seit 8 Uhr arbeitet und sehe sie natürlich auch als ich mir Schlappen hole. Wir kommen aber erst wieder ins Gespräch als ich alleine in der Küche sitze und sie überraschend hereinkommt, um ihre Pause zu machen.

Ich spreche die Situation an und wie es scheint haben wir beide das Gleiche vom anderen gedacht, nämlich, dass es dem anderen nicht ernst ist und dass die Situation einfach zu schwierig wird wenn wir weitermachen. Trotzdem ist da etwas und wir berühren uns wo wir nur können, natürlich immer so, dass die Kamera es nicht sieht. Wir sprechen uns etwas aus, was meine Stimmung etwas hebt. Eine Aussicht auf ein Wiedersehen ist aber immer noch zu gering. Verdammt, warum muss ich mir denn IMMER die schwierigen Fälle aussuchen?! Saori arbeitet heute in der Bar, also werde ich dort den Abend starten und dann mit Joanna losziehen.

Lerne Niklas kennen, einen Berliner, der momentan in München lebt. Er kommt gerade aus Neu-Kaledonien wo er Freunde besucht hat. Ganz schön weit weg. Er war schon mal vorher in Japan. Er hat auch noch keinen Plan was er heute abend machen will, also lade ich ihn natürlich ein, er kennt ja den Treffpunkt am Hachiko. Besonders viel quatschen wir aber im Hostel nicht.

Ich sehe einen grandiosen letzten Sonnenuntergang auf dem Dach des Hostels.



Ich habe Riesenhunger, also frage ich Saori wo es in der Nähe einen Gyoza-Laden gibt. In dem kleinen Buch für Restaurants in der Nähe fällt mein Blick dann auf Yakitori und ich ändere meine Meinung. Nichtmal jetzt können wir es vermeiden uns zu berühren, obwohl es direkt in der Rezeption ist.

Der Laden ist direkt neben der Asakusa-Station der Ginza-Line und mir schon tausend Mal aufgefallen. Von aussen sieht er aus wie eine bessere Bretterbude und nicht wirklich vertrauenswürdig. Von innen sieht der Laden aber extrem cool und offen aus. Ein rustikaler Charm aus selbstgebautem, dauer-improvisiertem und bunten Dingen. Definitiv ein Laden, den ich öfters besuchen sollte. Ich bestelle 6 Spieße, davon 2x mit Leber. Ach herrlich, ich liebe das Zeug einfach. Und günstig es auch noch! 660 Yen für 6 Spieße finde ich super! Beim Gehen öffnet die Chefin (?) sogar extra noch mal die Tür und sagt auf Englisch Danke und auf Wiedersehen, wie süß.


Es gibt nix zu tun außer wieder ein Schläfchen zu machen, also so sei es. Nachdem das erledigt ist mache ich mich fertig und begebe mich gegen 18:45 in Richtung Bar. Ich hebe tatsächlich noch mal 10.000 Yen ab, einfach weil ich denke ich sollte ruhig spendabler sein zur Feier des Jahres. Auf dem Hinweg kommt mir eine flott-laufende Saori auf der anderen Strassenseite entgegen. Häh, müsste sie nicht die Bar aufmachen?! Der Holländer vom Help-Staff wartet auch schon auf sie, genau so wie Joanna. Haha, wie Asi, wir warten darauf, dass eine Bar öffnet. Irgendwann kommt sie dann aber auch und ist etwas durch den Wind. Wir bestellen ein, zwei Drinks und Niklas stößt auch zu uns. Da Ashley absagt und lieber in einen günstiger Club mit einem VIP-Ticket geht, wird Niklas quasi ihren Platz übernehmen, auch gut. Wir sind etwas spät dran und machen uns erst gegen 20 Uhr auf den Weg zur U-Bahn. Blöde Ginza-Line, so mistig heiß und so langweilig. Aber immerhin haben wir Zeit zum quatschen.


Es kommt raus, dass Niklas vor 4 Jahren bei Bosch ein 6monatiges Praktikum gemacht hat. Das Bosch Gebäude in Shibuya diente mir immer als Orientierungspunkt auf meinem Weg zum Dojo. Und wieder ein interessanter Zufall, dessen Bedeutung ich nicht erahnen kann. Ich frage ihn etwas zu den Möglichkeiten und Umständen einen Job in Japan zu bekommen. Er erklärt mir, dass es an sich gar nicht so schwierig ist, man muss nur die entsprechenden Firmen kennen und anschreiben. Gerade die Automobilindustrie ist stark in Japan vertreten und bieten Möglichkeiten für diverse Studiengänge an.

Er erzählt von seinen Erfahrungen in dem ihm zugeteilten Dorm. Er ist spät abends in der ersten Nacht gleich mit einem Gast aufgetaucht und das ging ja wohl gar nicht für die Japaner. Mit Ach und Krach haben die es für eine Nacht dann doch erlaubt. Überall Regeln, sehr typisch.

Das Praktikum bei Bosch war super sagt er. Er hatte ein gutes Verhältnis zum Chef, der trotz japanischer Herkunft doch recht Deutsch geworden ist. Selbst als Niklas mal großen Mist mit der Stock-Datenbank gebaut hat weil er zu viele Queries abgesetzt hat und das System für satte 3 Tage ausfiel, kam er noch mal mit dem Schrecken davon. Sogar gut bezahlt wird das Praktikum bei Bosch. Hmmmmm....der Mann bringt mich auf Ideen. Zumal er gar nicht mal wirklich Japanisch spricht.

Am Hachiko treffen wir Tim und seine Freundin Nancy (Australo-Chinesin), der Rest der Truppe ist aber noch nicht da. Wir laufen aber schon mal los und finden es auf Anhieb. Es hat nur gar nicht geöffnet also gehen Niklas, Joanna und ich noch was trinken während Tim und Nancy warten. Niklas kennt eine coole Bar im 15. Stock in der Nähe, tolle Aussicht, echt schick.

Der Tresen!

Ich glaub ich trinke da wirklich einen Appletini...




Als Joanna mal auf dem Klo ist reden wir über Beziehungen und über seine ihn einengende japanische Ex-Freundin und die Probleme mit dem Kulturunterschied. Fühle mich da sehr bestätigt und verstanden. Er scheint mir aber eher ein typischer Kerl zu sein, der seinen Freiraum braucht. Vielleicht bin ich ja mittlerweile jetzt auch so?

Nach den Drinks gehen wir zum Club Asia. In der Schlange werden wir von jemandem angesprochen, der scheinbar heute DJ ist. Wir kommen für wesentlich weniger rein, einfach weil er uns auf seine Gästeliste gesetzt hat. Geilo!

Der Club ist richtig cool. Es gibt einen großen Techno-Floor, einen kleinen Irgendwas-Floor mit zentraler Bar und sogar einen Drum'n Bass Floor. Ach schön, hier bleib ich. An der Treppe steht auch gleich ein großes Fass Gratis-Sake über das wir dann auch gleich herfallen.


Niklas kommt im Club nicht richtig in die Gänge, kann ihn aber verstehen. Berliner sind halt verwöhnt was elektronische Musik angeht. Die Musik ist nicht allererste Sahne aber auch nicht schlecht.

Ich kippe freien Sake so oft ich kann, wer weiß ob es Nachschub gibt. Beim Faß quatscht mich ein Japaner und will mit mir anstossen. Da ich aus Deutschland bin spricht er gleich auf Shinji blabla an, den Fußballer bei Dortmund oder irgendwo.

Die Gruppe von Tim ist ziemlich jung und ziemlich schwul. Sehen alle aus wie das Paradebeispiel eines Hipster, gehen aber alle ab wie Schmidts Katze. Die Mädels tragen alle Perücken und wechseln wild hin und her, kann sie irgendwann gar nicht mehr unterscheiden. Einer der Jungs will wohl mit mir knutschen, aber so betrunken werde ich heute definitiv nicht sein, auch wenn ich das schon fast süß von ihm finde (uh oh, kommt da der Appletini durch?).

Ab und zu schaue ich auf dem DnB Floor vorbei wo es teilweise so cool ist, dass ich einfach nur über beide Ohren grinse. Scheint hier richtig ne DnB Community zu geben, haben oft DNB JPN T-Shirts an. Muss ich mal recherchieren.




Die Stimmung ist Bombe, es ist super voll auf dem Mainfloor. Es gab zwar keinen Sake-Nachschub aber die Drinks sind auch nicht von schlechten Eltern. Wir feiern, tanzen und freuen uns auf den Countdown. Es ist so eng, dass man sich nicht mehr bewegen kann als es los geht. Ich finds einfach krass und einfach toll! Prost Neujahr!!

Zum mitternächtlichen Höhepunkt wird plötzlich Ponponpon gespielt!!! Ich rast aus! Alle rasten aus! Sogar eine Sängerin kommt auf die Bühne auf dem Mainfloor, das wird doch nicht die Tante höchstpersönlich sein?! Nee, sieht anders aus...

 



Ballon-Attacke!!
Jetzt wird erst komischerweise erst RICHTIG voll. Die ganzen Gaijin hauen ab und die Japaner nehmen ihre Plätze ein. Ich dance mit Joanna, mit irgendwelchen Mädels, sogar mit ner Japanerin (glaube ich). Puuh, hier ist was los. Joanna ist mega dicht und mega happy. Wir müssen so langsam auf sie aufpassen. Der Schweiß der gesammelten Menge sammelt sich in einem engen Treppengang und rinnt von den Wänden. Einmal dagegen gestolpert ist das komplette T-Shirt nass.


Irgendwann sehe ich Joanna und Niklas wild knutschen. Auch ne Art auf sie aufzupassen. Nik der alte Abstauber. Sie düsen dann auch früh zusammen ab, wahrscheinlich ins Love-Hotel. Obwohl ich eigentlich kein Interesse an Joanna hatte weil ich sie einfach als coole Freundin sehe, bin ich natürlich doch etwas pikiert. Aber ich freue mich auch, denn Spaß werden beide sicherlich haben, hehe.

Nachdem ich planlos diverse Male im Club hin und her gelaufen bin ohne wirklich wissen was ich jetzt von wem und von der Nacht will, folge ich einfach den Gruppe von Tim als sie sich bereit machen zu gehen. Sie wollen noch einen Kebap essen, wie man hier sagt. Wie geil, ein Döner Kebap Stand, direkt neben dem Club. Und genau so wie ich ihn auch mag, nur grüner Salat, Fleisch und Soße. Die Portion ist lächerlich klein, aber genau richtig für jetzt.

Döner macht schöner, auch in Japan
Den Heimweg bestreite ich allein. Bin genervt von den ganzen Massage-Angeboten auf dem Weg. Alle quatschen einen dumm an.

Mache in Asakusa einen Abstecher zum Senso-ji, der bereits gut besucht ist. Die Polizei mit Wegeleitsystemen ist omnipräsent. Zum ersten Mal wünsche ich mir was im Tempel; einfach nur die große Liebe zu finden.

 


Bin emotional etwas angeschlagen, war zu erwarten.

Happy New Year! Ein Frohes Neues Jahr! 明けましておめでとう!

Monday, 31 December 2012

16. Tag (Regen und neue Freunde zum Feiern)

Es regnet heute ziemlich stark. Dementsprechend ist meine Laune auch nicht die Beste. Vor allem weil ich es partout nicht schaffe, dass Saori sich mit mir treffen möchte obwohl sie frei hat. Sie hat nen ziemlichen Kater, kein Wunder nach dem Gelage gestern.

Ich gehe nur kurz raus und esse was bei dem großen Sakura-ya, das ich schon aus Itabashi kenne. Die Kellnerin spricht sehr gut English und bringt mir auch prompt ein englisches Menü. Ich bestelle mal was simples; mit Käse überbackene Kartoffeln und ne gebratene Makrele. Letzteres braucht ewig, schmeckt aber ganz lecker. Hätte ich mal kein Bier bestellt, mir ist schon wieder viel zu warm.

Da es immer stärker regnet versuche ich gar nicht erst etwas anderes zu probieren und kehre ins Hostel zurück. Ich überlege heute einfach mal allein wegzugehen, am besten in einen Club, der eher für Japaner ist und alles mögliche an Musik hat. Meine Wahl fällt auf den Club Atom. Ich sichere mir brav Screenshots von der Route und gehe dann wieder in die Bar mit der Hoffnung, vielleicht eine spontane Begleitung zu finden. Meine Bekanntschaften von gestern bzw. von vor einer Weile reagieren leider genauso wenig wie Saori.

Die Bar ist um 21 Uhr nicht besonders gut gefüllt und die Leute sehen irgendwie langweilig aus. Ich trinke zwei Drinks und will mich schon auf den Weg machen, da kommt eine etwas verloren wirkende, aber aufgekratzte Asiatin in die Bar. Sie ist gerade angekommen und kommt aus Taiwan. Peng, und schon haben wir ein Gesprächsthema. Joanna ist quasi zu Silvester in Tokyo gestrandet, ihre Freundin musste unerwartet zurück nach Taiwan. Ich lasse es mir nicht nehmen sie ebenfalls auf die NYE Party der Facebook-Gruppe von Tims Freunden einzuladen, genauso wie zu meiner heutigen Unternehmung. Als dann Ashley auch ein Lebenszeichen per Mail von sich gibt, bitte ich sie gleich mit dazu. Sie kommt mit einer putzig aussehenden Waschbär-Mütze und versprüht gleich gute Laune. Sie und Joanna verstehen sich gleich super, haben die gleiche Kamera, haha. Der Abend ist also gerettet.

Plötzlich wird auch die Bar voller, bekannte Gesichter und auch Bini und Freundin kommen vorbei. Wir quatschen also wesentlich läger als ursprünglich geplant, ziehen dann aber zu dritt los. Ich bin also der Anführer von zwei Japanneulingen und fühle mich dabei ganz wohl muss ich zugeben. Da ich noch sehr gut nachfühlen kann wie verloren man sich teilweise vorkommen kann, gebe ich ab und zu eine paar Tipps zum Besten und besonders Ashley ist darüber sehr dankbar.

Ich dachte ich kenne den Weg zum Club Atom, hab mir ja sogar Notizen gemacht. Verlaufe mich aber tooottaaaal. Wir gehen im Lawson Konbini lieber erstmal Alkohol kaufen, das hilft beim Denken. Aus Versehen kaufe ich statt Sake den starken Shochu für Ashley, aber das steckt sie weg. Vom netten Verkäufer versuche ich mir dann den Weg erklären zu lassen, bin aber etwas verwirrt wegen der Karten, die er mir präsentiert. Kann einfach nicht unseren Standort mit dem vom Club Atom verbinden.

Scheiß drauf, wir nehmen einfach ein Taxi, kostet eh nur 710 Yen. Zu dritt ist das ja nix. Der Taxifahrer ist auch total nett und erlaubt uns unsere kleinen Späße im Taxi.

Das coolste Taxibild ever!!!!!
Na toll, der verdammte Laden ist genau eine Ecke neben The Womb! Hätte ich das gewußt, wäre ich anders gelaufen, grrr. Naja, jetzt sind wir ja da. Uh oh, Ashley hat ihren Pass nicht dabei, wir kommen deswegen nicht rein. Sie hat alles andere dabei, diverse Altersnachweise, sogar ihr koreanisches Visa. Der Türsteher ist aber ein Arsch und wird sogar leicht aggressiv als er uns verständlich macht, dass es nur mit Pass geht. So ein Wixer. Das erste Mal, dass ich auf nen Japaner sauer bin.

Ashley hat ein schlechtes Gewissen aber wir lassen uns nicht die Laune verderben und  gehen einfach ins Womb nebenan, da weiß ich wenigstens, dass alles gut läuft. Wir haben dann auch Glück, im Womb wird nicht ausschließlich nach Pässen gefragt, jegliche ID reicht. Der Eintritt ist aber sportlich; 3.500 Yen, puuh.

Der Laden ist wieder immerder Knaller, richtig geil. Die Mucke fetzt und diesmal hat's sogar Tänzerinnen. Ein Facebook Video dazu gibt es hier.
 


Joanna ist total happy weil sie Leute gefunden hat um in Tokyo Party zu machen und kein Trübsal blasen muss. Ashley amüsiert sich auch großartig. Beide danken mir tausend Mal für den geilen Abend. Ich fühle mich wie der Partykönig von Tokyo :D

Nach dem vielen Tanzen und Trinken gehen wir noch in das nächste Kushinoya und verputzen alle ein leckeres Mahl. Ein Typ pennt ganz ungeniert auf dem Tresen und hat erstaunlicherweise ein recht großes Tattoo auf dem Rücken.


Die erste Bahn geht erst um 5:01 Uhr und wir haben noch mehr als 30 Minuten Zeit. Also verbringen es mit Warten vor der verschlossenen Station und reden über Waffengesetze in den USA und Amokläufe. Ashley hält das Recht auf Waffen für integral im amerikanischen Gesetz, ist aber strikt gegen Waffen und weiß nur keine Lösung. Sehr amerikanisch irgendwie. Joanna bringt die Frage nach der Unabhängigkeit Taiwans auf, sie weiß auch keine Antwort auf eine Lösung in naher Zukunft. Harte Thema zu einer unmenschlichen Uhrzeit, haha.



In der Bahn dösen wir dann alle seelig vor uns hin. Echt ein cooler Abend, ob der noch von der morgigen Silvesternacht getoppt werden kann? Wird schwer!

Sunday, 30 December 2012

15. Tag (Nikko, Jazz und Party)

Auf auf, heute geht es nach Nikko. Berühmt für seine schöne Landschaft und wunderschönen Tempel und Schreine, die sogar in Summe ein UNESCO Welterbe sind.
Vorher quatsche ich noch mit meinem neuen Zimmergenossen Tim. Er ist aus Australien, vietnamesischer Abstammung und sehr freundlich. Ihm ist dauernd kalt, haha. Irgendwie werde ich am Ende unseres Gespräches zur Neujahrs-Party seiner Freunde eingeladen. Also keine Party im eigentlichen Sinne, man geht einfach in einen Club und feiert zusammen. Die Wahl ist auf den Club Asia gefallen. Kenn ich nicht, soll aber auch gut sein habe ich gehört. Achja, Tim ist ziemlich schwul, das hört man schon daran wie er spricht und seine ganzen Kumpels wohl auch (abgesehen von den Mädels). Wir adden uns gleich auf Facebook und da ich spontane Sachen natürlich cool finde, bin ich bei der Party sofort dabei.

Küssende Shinkansen-Züge
Mein Railpass ist noch gültig, also fahre ich komfortabel mit dem Shinkansen. Von Ueno-Station geht es mit dem Tohoku Shinkansen nach Utsonomiya (宇都宮) und von dort aus mit der JR Nikko Line bis zur Endhaltestelle Nikko Station. In Utsonomiya ist es noch gutes Wetter und trocken, eigentlich sogar recht warm. Als ich dann in den altbackenen Waggon der Nikko Line einsteige wundere ich mich schon warum es hier so bullig heiß ist. Also wieder raus aus den Klamotten. Das nervt mich etwas an Japan. Jedenfalls fährt der Zug gemächlich gen Norden und die Wärme sowie die Klimaanlage lassen mich einschlummern. Als ich erwache sehe ich auf einmal Schnee! Überall! WTF? Sind wir so weit in den Norden bzw. in die Berge gefahren? Ein toller Anblick. Jetzt verstehe ich auch warum geheizt wird. In Nikko angekommen finde ich mich in einem zauberhaft verträumten Bergstädtchen wieder, dass unter einer leichten Schneedecke liegt. Es ist wirklich richtig kalt hier. Gottseidank hab ich mir in Nagoya den Schal gekauft, sonst müsste ich jetzt frieren.


Von der Nikko Station aus geht es mit dem Bus hoch zu den diversen Tempeln und Schreinen. Noch habe ich nicht direkt einen Plan was ich sehen will, also verlasse ich mich auf den Touristenführer, den ich am Bahnhof mitgenommen habe. An irgendeinem Stop springe ich ab und latsche die rutschigen, mit Schneematsch bedeckten Wege den Berg hinauf zum Tosho-gu, dem Shinto-Schrein des berühmten Tokugawa Ieyasu, dem Begründer des Shogunats und der Edo-Periode. Der Schrein ist vor allen Dingen berühmt für seine prunkvollen Verzierungen. Außerdem sehe ich hier zufällig die Drei Affen, die wohl jeder schon seit seiner Kindheit kennt.







Der Schrein ist wirklich prunkvoll und mit seinen Türmchen und Giebeln eine Augenweide. Überall liegt Schnee und macht aus dem dem simpelsten Stein ein attraktives Motiv für den gewillten Fotografen (moi).









Hipster-Filter



Mit dem Schnee wirkt dieser Ort wahrlich bezaubernd
Heute machen alle Tempel und Schreine und überhaupt alles in Nikko ziemlich zeitig zu. Mir bleibt also eigentlich nicht genug Zeit um mir alles anzuschauen. Es bleibt also nur bei ein, zwei Sehenswürdigkeiten.



Die Entfernung zurück zum Bahnhof sieht nicht allzu weit aus, also laufe ich einfach. Die kühle Luft tut gut. Auf dem Weg liegt auch die berühmte "Heilige Brücke" (神橋) des Futarasan Schreins (日光二荒山神社). Sie ist natürlich wegen des Schnees gesperrt. Macht aber auch so einen schönen Eindruck, inklusives des darunterliegenden Flusses. Das Tauwasser macht daraus einen glucksenden, wirbelnden Strom. Wieder ein schönes Fotomotiv. Ausnahmsweise habe ich heute ja mal die große Kamera mitgenommen, auch wenn ich damit immer weniger Fotos mache.







Auf meinem Fußmarsch sehe ich mehrere Läden, die Bilder von Drachen verkaufen. Die Besonderheit ist, dass die Bilder offenbar mit nur einem Pinselstrich gemalt werden. Leider haben alle Läden schon zu, so wie der Rest der Stadt. Liegt ja auch an dem kommenden Neujahr schätze ich. Da haben die Leute besseres zu tun als nach Nikko zu fahren. Hätte mir aber in den Drachenläden gerne ein paar Anregungen für die Colorierung meines Tattoos geholt, vielleicht sogar ein richtiges Bild zum aufhängen.


Einer der vielen Drachenbild-Läden
Nikko Station
Die Heimfahrt ist lang und mummelig. Im Zug schlafe ich fast die ganze Zeit, bin ja mittlerweile Profi darin. Wieder im Hostel angekommen mache ich mich fertig für den heutigen Abend. Es geht zwar wieder in die Bar aber zur Abwechslung gibt es heute mal Jazz im 1. Stock. Hiro-san der Barkeeper, der mich sogar immer wieder erkennt und ein echt netter Zeitgenosse ist, tritt mit seiner Band auf, dem Asaba Trio.

Der Isländer Bini und seine hübsche Freundin sind auch schon da. Eigentlich kostet der Abend heute Eintritt, aber da ich schon so früh da sind und bereits Drinks haben, hoffen wir um die Kosten drumrum zu kommen, klappt aber nicht ganz. Cheffe Akira-san passt auf!

Das Jazz Gedudele ist wirklich großartig, die Jungs sind talentiert und Hiro wirklich ein begnadeter Gitarrenspieler. Er hat wirklich komplizierte Arrangements gemacht wo ich mir schon beim Zugucken die Finger verknote, aber er hat ein Ding nachm anderen raus. Cooler Typ! Und typisch Japanisch ist er dabei ganz zurückhaltend und bescheiden. Man merkt, die Jungs haben wirklich Spaß bei der Sache. Das zweite Set wird sogar noch cooler.

Hiro (links) an der Gitarre
Bereits zum Konzert ist der Laden ziemlich voll. Irgendwann kommt dann die gesammelte Khaosan Belegschaft aus ganz Japan um den Abschiedsabend ihres Oberbosses (社長) in der Bar ausklingen zu lassen. Alle in schicken Klamotten, richtig formell. Der Boss ist schon gut besoffen und ein richtiges party animal wie es scheint. Er haut die Runden raus und gröhlt und rangelt mit den Leuten, es ist der Knaller. Auch Saori ist dabei und fängt an richtig zu trinken. Das hat bei ihr einen ziemlich extremen und unschönen Effekt, quasi die schlimmste betrunkene Nerv-Ische die man sich vorstellen kann, und ihre zwei Kolleginnen genauso. Aber dabei ignoriert sie mich völlig.  Freudigerweise ist auch Takako-san da, die ich zuletzt vor ihrer langen Reise durch Südamerika gesehen habe. Wir quatschen etwas, stossen an und beäumeln uns mit den anderen über die immer besoffeneren beer pong matches.

Takako mit viel beer pong Geld
Seit einer Weile wird im 1. Stock der Bar recht oft beer pong gespielt. Ein bescheuertes, viel zu amerikanisches Spiel wie ich finde. Die Japaner stehen aber irgendwie drauf, auch wenn sie es nur mit Wasser spielen. Heute wird sogar um Geld gespielt, richtig viel Geld sogar. Der Khaosan Boss fordert den letzten Gewinner lärmend heraus. Beim Spielen provoziert er, ignoriert mehr oder weniger die Regeln und macht lustige Sachen, es ist zum Schießen. Er ist viel zu betrunken, um gerade zu werfen, verliert also daher fast jedes Spiel.



Der ging daneben...
 

Zum letzten match lagen wohl knapp 50 -70.000 Yen auf dem Tisch, das sind fast 700€!!! Der Boss verliert natürlich am Ende wieder aber nimmt es mit Humor. Er schmeißt Runden in Form von Tickets, ziemlich geil.

In der Bar steht ein großer spanischer Schinken, von dem man für den Wert eines Tickets einen kleinen Teller abbekommen kann. Heute werden ein paar Runden geschmissen aber irgendwann eskaliert es zur kostenlosen Selbstbedienung. Ein Franzose übertreibt es ein bisschen und kriegt von Akira Anschiss ("This us not free, this is for sale!!").

Ganz interessant ist auch, dass der Boss vom Khaosan Kyoto da ist. Ich nutze die Gelegenheit um mich über den nervigen Cleaning Staff vom letzten Jahr zu beschweren. Ich merke sofort, dass er weiß um wen es geht. Er entschuldigt sich und bedankt sich für die Rückmeldung. Das Problem scheine nicht nur ich gehabt zu haben, aber nun ist es wohl geklärt. 

Der Boss wird irgendwann volltrunken ins Taxi gesetzt und von allen verabschiedet. Das ist in Japan so, dass alle vorm Taxi stehen, sich verbeugen und wirklich warten bis das Taxi dann auch um die Ecke ist. Eine Respektsbekundung, die man wohl nur als ganz Vorgesetzter bekommt.

Die ganze Truppe geht noch Ramen essen. In Asakusa gibt es wohl einen Laden mit ganz spezieller, super-fettiger Ramen-Suppe, die gut gegen Kater ist. So ein paar Kollegen (z.B. Saori) können das gut jetzt gebrauchen und ich gehe einerseits mit weil ich Hunger hab, andererseits weil ich hoffe, dass ich mich doch noch mit Saori davonstehlen kann. Letztendlich redet nur Hiro mit mir und den anderen zwei Ausländern. Die anderen Khaosan Leute sondern sich eher ab, Saori ignoriert mich partout. Der Ramen ist so krass fettig, das ist schon nicht mehr feierlich. Es wird in jede Portion extra eine Portion Fett oben raufgepackt, quasi durch ein Sieb geschwenkt. Viel zu heftig die Portion, ich schaffe nur die Hälfte.


Als alle aufbrechen laufe ich einfach nach Hause, hab die Schnauze voll. Das mit Saori nervt mich total. Aber der Abend war wirklich der Knaller.