Wednesday, 2 January 2013

18. Tag (Letzter Tag in Japan)

Ich muss schon um 10 Uhr aufstehen und mein Zimmer wechseln. Auch ne Art das neue Jahr zu beginnen. Glücklicherweise ist mein anderer Raum schon beinahe fertig. Kentaro-san putzt grad noch zu Ende und schon kann ich mein Zeugs umladen. Kentaro sagt "Gute Nacht" als er fertig ist und ich weiß gar nicht was er meint. Aber nach einer kurzen Weile merke ich es doch und lege mich "sicherheitshalber" doch noch mal hin für ein Schläfchen. Daraus werden dann ein paar Stunden...

Saori hat sich bislang immer noch nicht gemeldet. Bis auf die "I miss you" Nachricht mitten in der Nacht habe ich keinerlei Antwort erhalten und ich verstehe einfach nicht warum. Also versuche ich meinen Tag erstma ohne sie zu verplanen, weiß jedoch nicht so recht was ich machen soll.

Ich beschließe nach Asakusa zu gehen und von dort aus nach Ueno zu laufen. Muss mir ja noch ein Ticket für morgen früh für den Keisei Skyliner holen, damit ich auch pünktlich am Flughafen ankomme.

Die Strassen sind abgesperrt und es ist bombenvoll. Die Polizei hat ein super Organisationssystem für die Massen, überall stehen Posten und spielen quasi Fußgängerampel. Das Wetter ist toll, richtig sonnig.



Das Ticket in Ueno zu kaufen ist mittlerweile richtig Routine, ich bekomme es fast ohne ein Wort Englisch. Der Rückweg von Ueno ist mir dann doch wieder zu lang, also nehme ich die proppevolle Bahn. Nicht schlecht für die Mittagszeit.

Weil es sich angeblich so gehört, gehe ich dann in Asakusa erstma Soba (そば) essen, mit Tempura drin. Sehr lecker!

Gegen 14 Uhr schaffe ich es noch den Löwen (獅子) zu sehen und lasse mich standesgemäß in den Kopf "beissen". Soll Glück für das neue Jahr bringen.


In der Nähe spielt eine kleine Gruppe von Strassenkünstlern Anime-Szenen nach und nutzen für ihre Kostüme nur Pappe und Plastik, echt cool gemacht und sehr unterhaltsam.


Mann, ist das voll hier heute. Echt beliebt der Senso-ji zu Neujahr.



Nach dem Koffer packen und einem erneuten Schläfchen zieht es mich am Abend erneut in die Bar, pure Langeweile vor dem Heimflug.

Ich rede mit einem Iraner über das schlechte amerikansiche Bildungssystem, von dem er aber gut profitiert hat. Er mag prollige Golduhren und lässt einen fast gar nicht zu Wort kommen. War keine wirkliche Unterhaltung, eher ein Monolog mit Stichwortgeber (moi).

Eine Mutti mit Tochter setzt sich zu mir. Sie erzählt mir auf Englisch von ihrer Norwegenreise und zeigt mir Bilder auf dem iPhone. Vor lauter Aufregung löscht sie sogar ein, zwei Bilder beim Erzählen. Die Tochter spricht fast perfekt Englisch, ist aber genervt von ihrer Mutti und wartet lieber ab. Irgendwann gehen sie dann auch wieder. Skurrile Begegnung aber amüsant.

Auftritt Gareth, Eva und namenlose (uninteressante) Amerikanerin. Gareth und Eva kommen aus England, genauer gesagt aus Bristol. Eva ist ziemlich hot und rothaarig. Alle  unterrichten in Okayama und sind echt cool drauf. Hatten aber gestern schon zu viel gefeiert, vor allem Gareth. Eva lässt sich aber ermutigen noch ein bisschen was zu trinken. Ihr englischer Akzent ist wirklich angenehm, so wie die restliche Erscheinung.

Akira-san macht heute die Bar und man merkt ihm an, dass er eigentlich gar keinen Bock hat. Er hat wahrscheinlich mehr zu tun als er dachte an Neujahr zu tun haben zu müssen.

Joanna kommt spontan vorbei und trinkt ihren letzten Sake mit mir. Sie kriegt sogar einen mit Gold drin (ich später dann auch). Sie spricht über den Typen von gestern nacht und dass der Sex "amazing" war. Ich glaub sie hat sich etwas verknallt. Ach Mädel, das bringt doch nix. Sie eröffnet mir aber auch, dass sie etwas enttäuscht war, dass ich es nicht bei ihr probiert habe. Naja, schon irgendwie ein Kompliment aber ich wusste schon warum ich es lieber gelassen habe.

Heute bin ich aber etwas draufgängerischer...und angetrunken (ist das das gleiche?). Ich setze es mir in den Kopf mit Eva anzubändeln. Als sie nach oben geht um eine zu rauchen gehe ich einfach hinterher und probiere es dreist mit Komplimenten. Da sie seit Monaten ohne ihren Freund und scheinbar ohne jegliche körperliche Interaktion mit einem Mann lebt, klappt das sogar erstauntlich leicht. Wir knutschen wie Teenager und es gefällt uns beiden sehr.
Leider will Akira bereits die Bude zu sperren und sitzt uns etwas im Nacken. Schade, hätten länger knutschen können. Ich bringe sie aber noch ins Khaosan Annex und dort gibt es auch noch einen Abschiedskuss. Ihr Flug geht morgen, genau wie meiner. Bis auf ihren Vornamen und ihren Heimatort weiß ich eigentlich gar nichts von ihr...

Das war er dann, der letzte Abend in Japan. Immerhin hat er mit etwas Leidenschaft geendet, auch wenn die Person vielleicht nur ein Ersatz war...

Ab zurück nach Deutschland. Zurück in den Alltag. Zurück in ein Leben, das mir immer uninteressanter vorkommt. Ich will etwas ändern. Ich muss etwas ändern. Diese kleinen oder großen Abenteuer sind am Ende nur Abenteuer und übertönen das, was wirklich nach mir ruft. Andere haben den Ruf gehört oder sind einfach trotzdem hier, mit weniger Erfahrung, weniger Wissen, von allem einfach weniger als ich. Sollte ich es dann auch nicht schaffen können?

Auf dem Rückflug habe ich viel darüber nachgedacht was mir eigentlich im Wege steht ein Leben in Japan zu versuchen. Am Ende war es immer die gleiche Antwort.

Ich selbst.

Zeit das zu ändern.